Nostalgie - Abend mit dem Duo Schmidgen/Hoss
„...wat aus ohsem Dorf jewohre es“
Bad Breisig/Oberbreisig. Zum dritten Mal hatten Theo Schmidgen (Dia - Projektionen) und Robert Hoss (Erläuterungen) die Bürger aus dem Oberdorf zu dem aus eigener Initiative gestalteten Nostalgie-Abend geladen, und die „Sängerhalle“ war wiederum gut besetzt. Wieder spielte das Bekenntnis zum historischen „Oberdorf“ auch musikalisch eine Rolle, denn Rudi Mennen hatte sich einige neue Liebeserklärungen zu seinem Oberbreisig einfallen lassen, in Lieder umgesetzt, und trug sie mit seinem Akkordeon, gesanglich begleitet von Martin Hoss, mit viel Inbrunst vor. Günni Monien hatte für gute Beschallung gesorgt, und die Frauen der kfd St. Viktor sorgten dafür, dass niemand Durst litt - alles war bereitet, um sich mit der Historie des von viel altem Fachwerk geschmückten Heimatdorfes zu befassen. Es ist schon bemerkenswert, was Theo Schmidgen an Bildmaterial gesammelt und digital aufbereitet hat. Da macht sich angesichts der alten Bilder viel Erinnerung breit, zumal sie oft den aktuellen Fotos gegenüber gestellt werden und so der Entwicklung des Ortes in den letzten Jahrzehnten Rechnung getragen wird. Die Würze des Abends sind jedoch die uralten - irgendwie optisch festgehaltenen - Eindrücke, zum Beispiel von der langen Bank am „Heiligenhäuschen“, auf dem die Oberbreisiger Frauen, dann auch die Männer ihren „Feierabend-Plausch“ hielten. Da spielt das Suchen nach alten Namen eine interessante, fröhliche Rolle. Aber alles wäre nur die Hälfte wert, wäre da nicht Robert Hoss, der immer lustige Chronist des „Oberdorfs“. Was er an Anekdoten weiß - und wie er sie erzählt, das ist umwerfend und von viel Heimatliebe geprägt. Da werden die alten Typen wieder lebendig, etwa im Zusammenhang mit den in der Mainacht angestellten Streichen. Wie zum Beispiel „De Wierschems Pitter“ mit seinem „Bruder Josef“ beim Honnef am Tresen gestrandet ist, der „Jupp“ nach der Trennung am frühen Morgen gegen „de Pomp“ (die alte Wasserpumpe) gelaufen ist, aber glaubte, er wäre überfallen worden. Oder wie die (zu wenig) einsatzkräftige Oberbreisiger Feuerwehr bei einem ausgebrochenen Feuer mit „de Tröt“ vom Fahrrad aus alarmiert wurde. Oder - wie der Kinderwagen (von Hornbergers?) am Schwanz der Kuh festgebunden war, das Tier mit dem Anhängsel davon lief. Oder: Wie de Degens Hannes den Lehrer Hugo Zimmermann mit seiner vom „Puddeln“ stinkenden Hose dazu brachte, ihn nach Hause zu schicken. „Dat wor einwandfrei esu beabsichtigt“, weiß Robert Hoss. Ebenso „anrüchig“ die böse Rache einiger Burschen, die die „Klugscheisserei“ vom „Hobes“ satt waren, ihre Exkremente vor seiner Tür platzierten und dazu das Schild: „Hobes - du willst doch allles wissen. Jetzt sage mal, wer hier hin gesch...“ Ja, es war eine erlebenswerte, aber auch deftige Zeit, von denen die Bilder und Anekdoten des Abends berichteten. Es wurde herzlich und viel gelacht, und man registrierte gern das Versprechen von Theo Schmidgen, dass die nächste Auflage von „Wat aus ohsem Dorf jewohre es“ schon in Arbeit ist. Wer alte Fotos hat - Schmidgen wäre dankbar und verspricht, sie unbeschädigt zurück zu geben. Und noch eins stellt er klar: Was die Frauen der kfd an Geld übrig halten, geht in karitative Zwecke.
FA
Alle Protagonisten des Oberbreisiger Heimatabends zusammen: Rudi Mennen (Akkordeon) und Martin Hoss (Gesang). Im Hintergrund Robert Hoss (Kommentare) und Theo Schmidgen (Dia-Vorführung.Foto: FA