Theater in Ellenz-Poltersdorf
Adel gesucht – Glück gefunden – Besucher begeistert
Theater-Ensemble „FeinHerb“ begeisterte mit neuem Stück
Ellenz-Poltersdorf. Eine begeisterte Fangemeinde hinterließen auch in diesem Jahr die Bühnenakteure des Theater- und Musikvereins „FeinHerb“, als sie kürzlich ihren neuen Mosel-Schwank „Adel gesucht - Glück gefunden“ vorstellten. Hintergrund des Bühnengeschehens war der plötzliche Geldsegen im Anwesen von Otto und Ottilie Neureich, denn der Hausherr hatte als experimentierfreudiger Imbissbetreiber das Rezept für einen umweltfreundlichen Kraftstoff gefunden. Dies bei dem Versuch eine alternative Variation der bekannten Frikadelle zu erfinden. Ein Ölkonzern hatte ihn daraufhin beim Verkauf der Herstellungsanleitung zum Multimillionär gemacht. Seit diesem geschichtsträchtigen Tag war die umtriebige Gattin Ottilie damit beschäftigt, den Aufstieg der Familie in die sogenannte bessere Gesellschaft zu forcieren. Dabei war ihr der internationale Adel gerade gut genug.
„Ich glaube mein Blut klumpt“
Hier beabsichtigte sie dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen wollte sie Töchterchen Bettina mit einem Vertreter des Hochadels zusammenbringen, zum anderen wollte sie sich mit ihren Lieben in der feinen Gesellschaft etablieren. Leichter gesagt als getan, denn die nervige „Labertasche“ aus dem Moselkrampen war bezüglich Konversation und Auftreten für ein zeitnahes Andocken an den Geldadel nur unzureichend gewappnet. Ergo besann sie sich darauf, diesbezüglich einen geeigneten Lehrmeister in Sachen Benehmen und Anstand einzustellen, der sie adäquat auf ihr künftiges Luxusleben vorbereiten sollte. Hierbei fiel ihre Wahl auf Profi-Butler Jean, der schon in den besten europäischen Adelshäusern aufgetragen hatte und ein einwandfreies Zeugnis vorweisen konnte. Bereits frühzeitig Kontakt aufgenommen hatte sie mit Adele, „Gräfin von Romandeaux und zu Witzenhausen“, die ebenfalls ihren Filius Graf Hugo in gut betuchten Händen wissen wollte. Doch bevor der Adelsbesuch ins Haus stand, hatte Butler Hugo, in einer Art Probelauf die Neureichs auf den bevorstehenden hochherrschaftlichen Gau vorzubereiten. Mit verpflichtet für diese Generalprobe wurden außerdem die ungelenkte Hausköchin Berta, sowie das permanent aufsässige Hausmädchen Susie. Es ging aber auch alles daneben was nur daneben gehen konnte, und Butler Jean vermittelte in dem Chaos alsbald den Eindruck eines Suizidgefährdeten. „Ich glaube mein Blut klumpt“, gab er immer wieder von sich, wenn sich Neureichs äußerst ungeschickt in ihre vermeintliche Haute Couture zwängten, oder wenn ihre verbalen Entgleisungen den Profi an den Rand des Wahnsinns brachten...
Brillante Darsteller
Mit dieser Aufführung gelang den Laienschauspielern von „FeinHerb“ einmal mehr ein absoluter Volltreffer, der berechtigterweise so manche Freudenträne bei den Theaterbesuchern kullern ließ. Verantwortlich hierfür waren auch diesmal die vorzüglich spielenden Darsteller, die allesamt ihrem jeweiligen Rolle wirkliches Leben einhauchten und dabei durchweg begeisterten. Anja Schneiders übernahm als Spezialistin für grobmotorige Männer den Part des Otto Neureich. Absolut klasse agierte auch Maria Oster als seine Gattin Ottilie, die akribisch versuchte ihr geliebtes moselfränkisch adelig klingen zu lassen. Herzlich und charmant spielt Sylvia Fett als Tochter Bettina, während Sonja Fuhrmann-Weber auf hervorragende Art die Furie im Hausmädchen-Outfit gibt. Souverän präsentiert sich Dieter Schulz als Butler Jean, dessen trefflich gespieltes Verzweifeln beim Zuschauer Mitgefühl aufkommen lässt. Andrea Serwazi überzeugt als plumper Küchen-Trampel mit Hang zu Großem und weiß überdies mit deftigen Kommentaren zu glänzen. Glanz verbreitet auch Yvonne Berns in ihrer Rolle als Gräfin, indem sie betont kokett und adelig vertrottelt durch die Requisite tänzelt. Graf Hugo ist im Stück die absolute Lachnummer. Nie aus dem Kindesalter herausgewachsen weiß Christian Zenzen den dümmlichen Adeligen ausgezeichnet in Szene zu setzen.
„Adel verpflichtet – der Hausherr verzichtet!“ Otto Neureich ist von den mondänen Anwandlungen seiner Gattin nicht begeistert.
Butler Jean hat sich in die Tochter des Hauses verguckt. Man versucht es Otto neureich schonend beizubringen.
