Caroline Gilbaya bei der Zweiten Kardener Stiftslesung
„Bruni, my love“
Treis-Karden. Zwei Geschichten aus der Region bildeten den Auftakt der zweiten Kardener Stiftslesung in den historischen Mauern des Stiftsmuseums. Dr. Caroline Gilbaya las die beiden Episoden, bevor sie in der anderen Hälfte des literarischen Abends aus ihrem Kriminalroman „Bruni, my Love“ Passagen vortrug. Damit hatte die Cochemerin im vergangenen Jahr den Sieg beim Josef-Steib-Krimiwettbewerb gewonnen. Jürgen Claßen hatte als Beigeordneter der Gemeinde Treis-Karden zuvor die Gäste begrüßt mit dem Hinweis, dass diese Stiftslesungen in Zukunft fester Bestandteil des Kulturlebens in der Doppelgemeinde werden. „Damit wollen wir mehr Leben in das Stiftsmuseum bringen, das sich für solche Veranstaltungen mit seinem ganzen Ambiente hervorragend eignet“, sagte Claßen.
Caroline Gilbaya erzählte zunächst die Geschichte von „Mo“: In dieser Episode geht es um einen fußballbegeisterten kleinen Jungen namens Tobi, dessen Freund „Mo“ ein besonders talentierter Kicker sein muss. Der Knirps berichtet ständig von „Mo“, wie der dribbeln, köpfen und flanken kann. Die permanenten Nachfragen der Mutter, wer denn nun „Mo“ sei, ignoriert Tobi zunächst, bis er eher beiläufig zum Staunen der Mutter erklärt, dass es sich eigentlich um Mohammed handelt, einen Ausländer. Das scheint aber für den kleinen Jungen überhaupt keine Rolle zu spielen, weil er nur die fußballerischen Qualitäten seines Freundes „Mo“ als erwähnenswert erachtet. War die erste Geschichte sehr gestenreich, mit feinsinnigem Humor gespickt, bewies Caroline Gilbaya in der nächsten Erzählung großes Einfühlungsvermögen, als sie das traurige Schicksal von David erzählte. Eine Geschichte aus der Moselregion während der Nazi-Herrschaft, in der Bruder Jonas aus dem nahen Kloster Ebernach bei der Deportation von 200 Behinderten das Leben eines Jungen retten kann, indem er ihn in einem Wäschecontainer vor den Schergen versteckt. Mit entsprechender Mimik, Gesten und Betonung fesselte die 1978 geborene Literaturwissenschaftlerin das Publikum anschließend mit ihrem Kurzkrimi „Bruni, my Love“. Die Geschichte spielt natürlich im Künstlermilieu, wobei sich ein Galeriebesucher in ein Bildnis von Brunhilde Steib verliebt, es stiehlt und quasi mit diesem Kunstwerk eine Beziehung aufbaut, die schließlich in einem Mord endet. Der Täter landet in der Psychiatrie, wo er erneut ein Gemälde, dieses Mal eine hübsche Spanierin, anhimmelt…
Vorschau
Zusammen mit weiteren Krimis aus der Region ist die Geschichte in der Krimi-Anthologie „Mörderisches Moseltal“ veröffentlicht. Jürgen Claßen wies am Schluss der Stiftslesung auf den nächsten Termin hin: Am Donnerstag, 19. November, 19.30 Uhr liest Ralf Kramp, bekannter Autor und Verleger, im Stiftsmuseum aus seinem reichhaltigen Repertoire.
Caroline Gilbaya las aus „Bruni, my love“, einem Kurzkrimi aus der Moselregion.
Jürgen Claßen begrüßte als Beigeordneter die Zuhörer zur jüngsten Stiftlesung mit Dr. Caroline Gilbaya.Fotos: TT
