Aktuelle Buchvorstellung
„Die Wacht am Rhein“
Zell. Der Rhein-Mosel-Verlag mit seinem Chef Arno Houben hat jetzt den Roman „Die Wacht am Rhein“ der bekannten Schriftstellerin Clara Viebig neu aufgelegt. So will er es auch mit den anderen bekannten Werken der beliebten Schriftstellerin handhaben. Ungeliebt aber prägend waren sie auch in der hiesigen Region: die Preußen. So erging es auch Feldwebel Rinke, einem strammen königergebenen Soldaten, der mit seinen goldenen Knöpfen und seiner bunten Uniform die Jungfer Katharina Zillgen in ihrem elterlichen Gasthaus zutiefst beeindruckte.
Zwei Welten prallten da aufeinander: Hier die katholische Tochter, aufgewachsen im weihrauchgeschwängerten katholischen Milieu mit seinen feierlichen Gottesdiensten und seiner Heiligenverehrung, dort der nüchtern-schmucklose Protestant, dem dieses Gehabe unwirklich erscheint. Trotzdem werden sie ein glückliches Paar: der preußische Feldwebel und seine Kathrina, auch wenn er bei der Geburt seiner ersten Tochter scheinbar unbeteiligt weiter die Rekruten auf dem Exerzierplatz gnadenlos drillt. Mit einem kleinen Seitenblick und einem scheuen Lächeln nimmt er aber sehr wohl die neue Erdenbürgerin zur Kenntnis. Doch in Düsseldorf prallen zwei Welten aufeinander. In den Wirren der deutschen Freiheitsbewegungen 1848 wird auch am Rhein die schwarz-rot-goldene Fahne geschenkt, die Preußen setzen ihre Farben dagegen. Plötzlich aber ist der Aufruhr da. Die Truppen rücken aus der Kaserne aus, um den Untertanen ihre Flausen auszutreiben, in vorderster Front dabei Feldwebel Rinke, dessen ganze Welt von Ehre und Gehorsam ins Wanken geraten ist. Der Aufstand gegen die „Saupreußen“ wird blutig niedergeschlagen, der Hass aber bleibt bestehen.
Auch in der eigenen Familie des Feldwebels rumort es gewaltig, sein eigener Sohn stellt sich gegen ihn. Nur seine Tochter Josefine hält ihm scheinbar die Treue. Rinke schafft diese für ihn ungeheuerliche Entwicklung nicht mehr und erschießt sich, wobei er jedoch einen Zettel zurücklässt, dass die „Ehre“ die höchste moralische Form des menschlichen Zusammenlebens sei. Seine Tochter Josefine aber, die eigentlich den flotten Leutnant Viktor liebt, entscheidet sich aus Standesgründen für ihren Gendarmerie-Sergeant Conradi, mit dem sie auch eine glückliche aber leider kurze Ehe führt. Doch ihr kleines Glück als Kauffrau gegenüber ihrer alten Kaserne währt nicht lange, denn es gibt Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Unter den ersten Gefallenen bei den blutigen Gefechten vor Sedan gehört auch Peter, der Sohn von Josefine. In ihrer Trauer hasst sie alles, was auch nur französisch aussieht. Doch später macht sie sich im Lazarett nützlich und wächst in ihrer Nächstenliebe über sich hinaus. Plötzlich bemerkt sie bei ihrer Pflege von deutschen und französischen Soldaten, dass sie alle Menschen sind und die „kleinen Leute“ den Krieg nicht wollten. Das neu aufgelegte Buch „Die Wacht am Rhein“ als ein Appell gegen Krieg und Gewalt hat immer noch höchste Aktualität in einer weiterhin unfriedlichen Welt. „Die Wacht am Rhein“ von Clara Viebig ist im Rhein-Mosel-Verlag in Zell unter der ISBN 978-3-89801-119-1 erschienen. Es umfasst 320 Seiten und kostet zwölf Euro.
