Dr. Hans-Jürgen Hallmann referierte zum Thema Suchtprävention im Schlossbergforum des Cochemer Gymnasiums
„Legal Highs“ bergen ein hohes Gesundheitsrisiko
Cochem. „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“ sollte man meinen. Tatsächlich jedoch ist die Risikofreude von vielen Jugendlichen, wenn es um den Konsum von Drogen geht, auch bei einem negativen Vorerlebnis, nach wie vor hoch. Parallel dazu die Hemmschwelle, im Bezug auf eine erneute Gesundheitsbeeinträchtigung, mehr oder weniger niedrig. Was veranlasst manche Jugendliche dennoch Drogen zu nehmen und wie kann man im Vorfeld dahin gehend Aufklärung betreiben, dass sie die immense Gesundheitsgefahr die der Drogenkonsum mit sich bringt, rechtzeitig erkennen? Um solchen Fragen detailliert auf den Grund zu gehen, referierte Dr. Hans-Jürgen Hallmann von der Landeskoordinierungsstelle „Suchtvorbeugung“ im Schlossbergforum des Gymnasiums. Im Rahmen der Aktion „Präventionsprojekte“ hatte Martina Christmann von der Kreisjugendpflege Dr. Hallmann eingeladen und stellte den Fachmann in Sachen Jugendberatung während eines Elternabends einem interessierten Publikum vor. Dies, nachdem zuvor bereits die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen den Vortrag „Suchtvorbeugung“ verfolgen durften. In diesem Zusammenhang ging Dr. Hallmann zunächst auf alle gängigen Drogen, deren Wirkungen und einhergehenden Gefahren für die Gesundheit ein, bevor er sich aufklärend den aktuellen Trend-Drogen „Legal Highs“ in Form von bspw. „Kräutermischungen“ und „Badesalz“ widmete.
Das Risiko ist nicht einschätzbar
„Es ist wirklich kein Badesalz, was hier angeboten wird und die sogenannten Kräutermischungen werden auch nicht wirklich zur Teezubereitung verwendet“, berichtete der Jugendberater und wusste seine Ausführungen gleichzeitig anhand von Bildmaterial zu belegen. Verschiedene und immer wieder wechselnde Substanzen werden hier zusammengemischt, deren Wirkung beim Konsum schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich führen können und dies oftmals sogar bis zum Tod des Konsumenten. Eine bedenkenlose Verträglichkeit, zumindest bei einigen Konsumenten, lässt sich im Vorfeld generell nicht attestieren, da jede Person anders auf die Inhaltsstoffe reagiert. Tatsache ist allerdings, dass es in jüngster Vergangenheit immer häufiger zu medizinischen Notfällen nach dem Konsum solcher „Legal Highs“ kommt. Im vergangenen Jahr waren bundesweit 25 Todesfälle auf den Konsum von „Legal Highs“ zurückzuführen und einige Tausend vielen ins Koma. Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sind in diesem Zusammenhang noch harmlose Nebenwirkungen. „Legal Highs“ werden als Pulver, Tabletten, Kräuter oder Kapseln angeboten. Kräuter- bzw. Räuchermischungen enthalten in der Regel getrocknete Pflanzenteile, vermischt unter anderem mit synthetischen Cathinonen oder Cannabinoiden. Die Wirkung ähnelt bekannter Substanzen wie Cannabis, Ecstasy oder Amphetamin.
Eine genaue Beschreibung der Wirkung von „Legal Highs“ ist aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Substanzen allerdings nicht möglich. Tatsache ist jedoch, dass der Konsum ein hohes Risiko bedeutet. Es werden unbekannte Stoffe konsumiert, deren Wirkung nicht einzuschätzen ist und die zum Teil ein hohes Abhängigkeitspotential besitzen. Natürlich suchen Jugendliche immer wieder nach einem neuen Kick und Spaß, mit denen sie oft und gerne risikofreudig experimentieren. „Oft ist es die Neugier und der Reiz des Probierens und manchmal auch nur eine Art Mutprobe“, so der Fachmann erklärend. „Aber in jedem Fall ist es ein äußerst gefährliches Unterfangen!“
Trägheit des Systems spielt den Herstellern in die Hände
Derweil machen sich die Hersteller und Verkäufer durch ständige Veränderungen der „Legal High“-Inhalte die Trägheit des Systems bzgl. eines generellen Verbots mit einhergehender Strafbarkeit zunutze. Bevor solche Produkte verboten werden und eine strafrechtliche Relevanz bergen, müssen sie jedes mal neu untersucht und die Inhalte bestimmt werden. „Aktuell überschwemmen wieder rund 100 neue Substanzen an „Legal Highs“ den Markt, eine beängstigende Tatsache für die Aufklärung betrieben werden muss!“
Medizinische Notfälle häufen sich nach dem Konsum von „Legal Highs“.
