Heimatforscher Hermann-Josef Löhr stellte das Ergebnis seiner neuesten Recherchen vor
„111 magische Orte im Westerwald“
Kreis Neuwied. Mit Kapellen und Kirchen, der geheimnisvollen Burgen- und Schlösserwelt, ja sogar mit mehr oder weniger blutigen Tatorten im Westerwald hat sich der Heimatforscher Hermann-Josef Löhr bereits in seinen Büchern befasst. In den zurückliegenden Monaten hatte er sich jedoch aufgemacht, um ganz besondere Orte ausfindig zu machen. Herausgekommen sind die beiden Bände „111 magische Orte im Westerwald“, von denen der erste bereits im Verlag Media World erschienen ist. Auf 228 Seiten beschreibt der Heimatforscher in diesem mit zahlreichen Fotos von Heinz-Werner Lambertz bebilderten Band, was er über 56 höchst interessante Plätze herausgefunden hat. Dabei geht er mit der Definition der Region Westerwald recht großzügig um, erstreckt sich diese bei ihm doch von Bendorf und Höhr-Grenzhausen im Süden sowie Liebenscheid und Bad Marienberg im Osten bis weit in den Norden über die Doppelkirche von Schwarzrheindorf hinaus sogar bis zum Fischereimuseum in Troisdorf und dem ebenfalls dort beheimateten Bilderbuchmuseum Burg Wissem.
Schöne Landschaften, interessante Persönlichkeiten und magische Orte
„Der Westerwald, allen voran das Siebengebirge mit den vielen Sagen und Märchen, in denen viel Übersinnliches steckt, ist eine Gebirgslandschaft voller magischer Geheimnisse und Mythen. Das hat meine Frau Annemarie auf dem von ihr entworfenen Klapp-Umschlag mit dem geflügelten Musenpferd Pegasus im Zentrum deutlich zum Ausdruck gebracht“, erklärte Hermann-Josef Löhr bei der Buchpräsentation, für die er General Ulrich Wegener, den Chef der Eliteeinheit GSG9, hatte gewinnen können. Während diese in dem zweiten Band vorgestellt wird, ging der Autor zunächst auf die frühe Besiedlung durch die Kelten mit den entsprechenden Kraft- und Kultplätzen ein wie etwa am Malberg oder dem Druidenstein bei Herkesdorf, an dem der Sage nach makellose Jungfrauen geopfert worden waren.
Über die „Bendermühle“ von Rheinbreitbach und das „Auge Gottes“ kommt der erste Band nach Unkel mit dem legendären Gefängnisturm, in dem der junge Ludwig van Beethoven wegen Trunkenheit eingesessen haben soll. Nicht unerwähnt bleibt auch die „kleine“ Schwester der Loreley. Lockte dort eine blonde Nixe viele Schiffer in die Fluten des Rheins, so wäre Graf Zeppelin 1909 mit seinem zigarrenartigen Luftschiff LZ5 beinahe an der Erpeler Ley ums Leben gekommen. Auf seinem Flug von Frankfurt nach Köln war er am 2. August in eine Gewitterfront geraten, die das mit 15.000 Kubikmeter Wasserstoff gefüllte Luftschiff bis auf 20 Meter an die schroffen Basaltfelsen gedrückt hatten, da die Dieselmotoren gegen den Sturm nicht ankamen.
Da sich Hermann-Josef Löhr auch mit herausragenden Persönlichkeiten beschäftigt hat, bleibt auch einer der berühmtesten Linzer, der Kupferstecher Joseph von Keller, nicht unerwähnt, der es als Sohn eines Gewürzhändlers 1846 bis zum Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie gebracht hatte. Als „magischen Ort“ führt der Autor das Geburtshaus des Künstlers in der Rheinstraße an, der durch seinen Kupferstich der „Sixtinischen Madonna“ von Raffael bis in die europäischen Königshäuser berühmt geworden war. Über den versteckten Judenfriedhof in Leubsdorf mit dem ältesten Grabstein aus dem Jahr 1678 geht es zu dem 1438 erbauten Hohen Haus in Bad Hönningen. In dem von Erzbischof Raban von Trier errichteten Wohnturm aus heimischem Bruchstein wird seit 1996 der Vergangenheit eine Zukunft gegeben. Bereits seit 1987 sind in dem von Fürst Alexander und Fürstin Gabriela zu Sayn-Wittgenstein-Sayn errichteten „Garten der Schmetterlinge“ bei Bendorf exotische Lepidoptera zu Hause. Besuchen kann man in diesem Neuwieder Stadtteil auch den magischen Ort der historischen Eisengießerei „Sayner Hütte“ in der Nähe der Stammburg-Ruine der Grafen von Sayn. Ins Hochmittelalter führt die neugotische Kapelle von Schloss Sayn in Bendorf. Erheblich weiter in die magische Vergangenheit zurückgeführt wird der Besucher von Schloss Monrepos. Dort werden seit über 25 Jahren die Anfänge der Menschheitsgeschichte ab der Altsteinzeit erforscht. Der Kölner Erzbischof Friedrich I. hatte als südliche Grenzbefestigung seines Herrschaftsgebietes die Burg Rolandseck bauen lassen, die im 30-jährigen Krieg bis auf den „Rolandsbogen“ zerstört wurde. Den Sprung vom Westerwald über den Rhein schafft Hermann-Josef Löhr dank des Freiheitsdichters Ferdinand Freiligrath, der 1839/40 in dem nach ihm benannten Haus an der Unkeler Rheinpromenade gewohnt hat und der sich 1840 vehement für die Wiederrichtung des romantischen Relikts eingesetzt hat, nachdem das altersschwache Gemäuer kurz vor dem Jahreswechsel 1839/40 eingestürzt war. Aber noch einem weiteren Mythos, dem des 1901 in Remagen geborenen Rudolf Caracciola, geht der Autor im Linksrheinischen nach. Vergleichbar erfolgreich wie Michael Schumacher und Sebastian Vettel hatte der legendäre Rennfahrer 18 Grand-Prix-Siege geholt und ist nicht nur mit dem Mythos um die legendären „Silberpfeile“ verbunden.
Die Heimat kennenlernen
„Mit diesen elf magischen Orten möchte ich Besuchern, aber auch Einheimischen eine Art Führer an die Hand geben, die äußerst interessante Landschaft des Westerwalds mit ihren vielen Persönlichkeiten näher kennenzulernen“, erklärt Hermann-Josef Löhr.
