Neuwieder gedachten den Opfern von Charlie Hebdo Attentätern
Christen, Muslime und Juden beteten gemeinsam
Neuwied. Rund zweihundert Neuwiederinnen und Neuwieder aller Konfessionen trafen sich vergangenen Donnerstag in der Innenstadt, um den Opfern der Terroranschläge in Paris zu gedenken. Christen, Muslime und Juden beteten gemeinsam und stellten unmissverständlich klar, in Frieden zusammen leben zu wollen. Zur Veranstaltung eingeladen hatten der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK) und die Stadt Neuwied, in Zusammenarbeit mit dem christlichen Friedensdienst EIRENE, dem Beirat für Migration und Integration, mehreren muslimischen Gemeinden und der Jüdischen Gemeinde Neuwied Mittelrhein. Oberbürgermeister Nikolaus Roth sprach den Angehörigen der Opfer das Mitgefühl aller Anwesenden aus. Siebzehn Tote hatten die Anschläge auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und dem jüdischen Supermarkt gefordert. Unter ihnen Christen, Muslime und Juden. „Wir treffen uns heute zum Gedenken. Und wir bringen damit zum Ausdruck, dass wir uns nicht auseinander bringen lassen“, sagte der Oberbürgermeister zur Begrüßung. Er erklärte, dass keine der Weltreligionen das Töten erlaube und es im Islam ganz im Gegenteil ist: „Wer einen Mensch tötet, tötet die Menschheit“. Nikolaus Roth warnte davor, Angehörige einer Religion unter Generalverdacht zu stellen. Die Stadt Neuwied habe eine besondere Verantwortung und ein spezielles Verhältnis zur Toleranz. Es waren nämlich die Freiheitsrechte und die Religionsfreiheit, die im Stadtrecht verankert wurden, um für Wachstum und Wohlstand der Stadt zu sorgen. „Uns hat der Zustrom unterschiedlichster Menschen stets bereichert“, so der Oberbürgermeister. Das Gedenken fand am Standort der Intarsien „Engel der Kulturen“ statt. Entstanden im Zuge des Rheinland-Pfalz Tags im Vorjahr. „Vielleicht wird dies hier einmal zum Platz der Kulturen werden“, sagte Neuwieds erster Bürger. Pfarrer Werner Zupp von der benachbarten Marktkirchengemeinde unterstrich, dass die Kritik in Wort und Bild Bestandteil einer offenen Gesellschaft sei. „Wir zeigen heute Gesicht“, sagte der Seelsorger. Er forderte dazu auf, den Dialog zwischen den Religionen voran zu treiben. „Paris hat uns alle aufgerüttelt. Der Glaube darf nie missbraucht werden, um Gewalt zu legitimieren“, sagte Werner Zupp.
„Die Attentäter haben den Islam beleidigt“
Die beiden großen Neuwieder Moscheen, Ditib und Fatih, waren durch die Imame Hasan Gündüz und Mehmet Ali Damar vertreten. Ihr gemeinsamer Sprecher, Beytullah Cevik, stellte unmissverständlich klar: „Die Attentäter haben den Islam beleidigt“ Und zwar so schlimm, wie es keine Karikatur jemals schaffen könnte. Die Neuwieder Muslime seien geschockt über die Geschehnisse in Paris. „Das war ganz und gar nicht im Sinne des Islam“, so Beytullah Cevik. Er erinnerte an die Gewalt im Nahen Osten und daran, dass viele Muslime selbst unter den Opfern des wahrlosen Terrors seien. Der Sprecher der islamischen Gemeinden bat darum, nicht alle Muslime über einen Kamm zu scheren. Die Fanatiker und Gewalttätigen müssten indes aufgedeckt und isoliert werden. Die Neuwieder Muslime wollen mit gutem Beispiel voran gehen und den Dialog und die Annäherung fortsetzen. Besonders bekannt dafür ist die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde, die in der Matthias Erzberger Straße ihre Moschee hat. „Der Islam will den Frieden durch Liebe und Beten“, sang eine Gruppe von kleinen Jungen aus der Gemeinde. Margarete Moritz, Vorsitzende des Arbeitskreises christlicher Kirchen Neuwied und damit Vertreterin von sieben christlichen Konfessionen, sprach eine Fürbitte und schloss die Angehörigen der Opfer darin ein. Sie sprach die Hoffnung aus, dass neuer Hass und Angst nicht zu Gegengewalt führt. „Gott wir bitten Dich stattdessen Brücken zu bauen“, so Margarete Moritz. Die Folgen von Gewalt, Hass und Hetze kennt kein Volk besser als die Deutschen. In der Nazi-Diktatur wurde die komplette jüdische Gemeinde Neuwieds verjagt und vernichtet. Unweit der Gedenkstätte für die ehemalige Synagoge sprach der Vorsitzende und Kantor der jüdischen Gemeinde Neuwied Mittelrhein, Dr. Jürgen Ries, ein Gebet. Er zitierte das jüdische Gesetz in dem Rabbi Eleasar im Namen des Rabbi Chanina sagt: „Die Schüler der Weisen verbreiten Frieden in der Welt“. Zum Abschluss der Gedenkstunde verlas Pfarrer Werner Zupp die Namen aller siebzehn Toten von Paris. „Es ist unsere Pflicht den Versuch zu machen, diese Menschen nicht zu vergessen. Mit diesen Namen verbindet sich unser Gedenken an alle Opfer von Hass und Gewalt“.
FF
