MusterKita „Kinderplanet“ im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis offiziell eröffnet
Gesundes Arbeitsklima für Beschäftigte und Wohlfühl-Atmosphäre für die Kinder
Neuwied. Sie gilt bundesweit als Musterbeispiel für gesundes Arbeiten und Wohlfühl-Atmosphäre für Kinder, Erzieherinnen und Erzieher. Nun wurde sie offiziell eröffnet: Die MusterKita „Kinderplanet“ im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis. Beim Um- und Neubau erhielten Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten und Kinder oberste Priorität. Die MusterKita ist ein Gemeinschaftsprojekt der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), der Stadt Neuwied als kommunaler Trägerin und der Gemeindlichen Siedlungs-Gesellschaft Neuwied als Bauherrin. Entsprechend groß war der Besucherandrang zur Eröffnung. Allen voran begrüßte Neuwieds Oberbürgermeister Nikolaus Roth die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, Sabine Bätzing-Lichtenthäler. „Mich interessiert die MusterKita ganz besonders - als Mutter und als Ministerin für Arbeit und für Demografie“, machte sie in ihrer Ansprache deutlich. Bei der Gesundheitsförderung in Kitas habe man jedoch meist die Gesundheit der Kinder im Blick und verliere die Beschäftigten häufig aus den Augen. Dabei sei es auch unter dem Aspekt des demografischen Wandels und Fachkräftemangels besonders wichtig, dass die Arbeitsbedingungen so gut wie möglich sind, damit Beschäftigte sich wohlfühlen und entsprechend arbeiten können. „Daher danke ich vor allem der Unfallkasse, dem Institut für Arbeitsschutz, der Stadt Neuwied, den Beschäftigten der Kita und allen Kooperationspartnern, dass Sie dieses Konzept umgesetzt haben. Man schaut auf diese MusterKita, und es ist bemerkenswert, was Sie hier auf die Beine gestellt haben.“ Auf das Bauprojekt und die gelungene Zusammenarbeit der Beteiligten ging Oberbürgermeister Nikolaus Roth ein: „Wir freuen uns sehr darüber, dass es in der Zusammenarbeit zwischen unserer Gemeindlichen Siedlungsgesellschaft und dem Jugendamt sowie mit Unterstützung der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und des Instituts für Arbeitsschutz gelungen ist, eine MusterKita in Heimbach-Weis zu errichten, die in Bauweise und Ausstattung wichtige Erkenntnisse für die Zukunft geben soll. In dieser Einrichtung wurden mit vielen innovativen Ideen in architektonischer, wie auch ergonomischer Hinsicht Ansätze der modernen und zukunftsweisenden Kinderbetreuung verfolgt. In Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und dem Institut für Arbeitsschutz wurden eine Vielzahl ergonomischer Maßnahmen, aber auch umfassender Gesundheitsschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung in den Fokus genommen. Für diese Unterstützung sind wir der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und dem Institut für Arbeitsschutz sehr dankbar. Wir wissen um die hohen Belastungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kindertagesstätten und hoffen mit der Einrichtung in Heimbach-Weis, belastbare Erkenntnisse für die langfristige Gestaltung des Arbeitsumfeldes und den Ausbau des Gesundheitsschutzes zu erzielen“, so Oberbürgermeister Roth.
Beate Eggert, Geschäftsführerin der Unfallkasse, erläuterte auch im Namen des Instituts für Arbeitsschutz der DGUV Hintergründe zum Bau der MusterKita. „Viele waren bereit, diesen Weg gemeinsam zu gehen und wir sind stolz, dass es möglich war, die Idee der MusterKita umzusetzen. Gemeinsam ist es uns gelungen, das Verständnis von technischem und organisatorischem Arbeitsschutz mit der Sicht auf soziale Beziehungen zu vereinen. Diese MusterKita steht für ein gesünderes Arbeitsklima für die Beschäftigten und eine Wohlfühl-Atmosphäre für die Kinder“, so Beate Eggert.
Den obligatorischen Schlüssel nahm Kita-Leiterin Anja Schäfer aus den Händen des Architekten Holger Zimmermann und Geschäftsführers der Siedlungs-Gesellschaft, Heinz-Peter Schmitz, entgegen. Anja Schäfer bedankte auch vor allem bei den Kindern und Eltern mit Blick auf die Umbauphase. „Die Umbauphase war keine leichte Zeit, doch wenn man das Ergebnis sieht, macht es einfach Spaß. Es ist eine enorme Erleichterung in vielen Bereichen. Langsam kann jetzt der Alltag wieder einkehren. Die Kinder sind unsere Hauptakteure. Und darauf richten wir unser Augenmerk.“
Schwerpunkte der gesundheitsförderlichen Gestaltung auf einen Blick:
Beleuchtung
Ausreichendes und qualitativ hochwertiges Licht ist eine wichtige Voraussetzung für gutes Sehen und Wohlbefinden. In der MusterKita wurde auf einen möglichst hohen Tageslichtanteil bei gleichzeitiger Vermeidung von Blendungen durch Sonnenlicht geachtet. Daneben kann die Beleuchtung durch Dimmen an die gewünschte Stimmung im Gruppenraum angepasst werden.
Raumklima
Ein gutes Raumklima begünstigt das Wohlbefinden und fördert die Konzentrationsfähigkeit und Gesundheit. Hierzu wurde in der MusterKita eine Kombination von Heizung und technischer Lüftung eingesetzt. Diese ermöglicht durch kontrollierte Raumlüftung die Einhaltung einer gesundheitsförderlichen Luftqualität, bei gleichzeitiger Vermeidung von Zugluft sowie zusätzlicher Lärmbelästigung. Dachüberstände und Jalousien an den Fenstern verhindern ein Aufheizen der Räume durch Sonnenlicht.
Raumakustik
Eine schlechte Raumakustik beeinträchtigt die Konzentration und Sprachverständlichkeit, gleichzeitig stellt sie eine physische und psychische Belastung für Kinder und Beschäftigte dar. Durch Berechnungen bzw. Messungen der Raumakustik wurden in der MusterKita die notwendigen baulichen Maßnahmen im Vorfeld festgelegt. Bei der Möblierung und Ausstattung der Kita kommen lärmmindernde Ausführungen, wie zum Beispiel Filzgleiter an Stühlen, zum Einsatz.
Ergonomie und Mobiliar
Muskel-Skelett-Erkrankungen stellen in Kitas eine der häufigsten Beanspruchungsfolgen dar. In der MusterKita wurden mittels eines speziellen Messsystems und Beobachtungen die Muskel-Skelett-Belastungen und Arbeitsabläufe analysiert. Dadurch konnten schonende Arbeitsabläufe abgeleitet und notwendige Maßnahmen zur Reduzierung bzw. Vermeidung getroffen werden. Hierzu zählt auch die Auswahl des Mobiliars, beispielsweise höhenverstellbare Tische mit Rollen.
Gefährdungsbeurteilung
Die auf Basis der Messungen, Beobachtungen und einer Mitarbeiterbefragung u. a. mit Auskünften zu psychischen Belastungen erhobenen Daten dienen dem Träger der MusterKita zur Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung. Diese beinhaltet ebenso eine Überprüfung der Wirksamkeit aller durchgeführten verhältnis- und verhaltenspräventiven Interventionen sowie ggf. notwendige Optimierungen.
Reflektieren und hinterfragen
Die auf Basis aktueller Studien und Erkenntnisse in der MusterKita durchgeführten verhaltenspräventiven Workshops ermöglichen dem Kita-Team, das eigene Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen.
Teamcoaching
Auch die Erweiterung des Kitateams sowie die öffentliche Fokussierung auf das Projekt „MusterKita“ führen zu zusätzlichen Belastungen der Erzieherinnen und des Kitateams. Zur Gegensteuerung werden im Rahmen eines Coachings Teamstrukturen entwickelt und gefestigt sowie Kommunikationskompetenzen ausgebaut.
Außengelände
Eine bespielbare Dachterrasse fängt das durch die Erweiterung verloren gegangene Außengelände auf. Die Terrasse ist mit einem stoßdämpfenden Belag ausgestattet, der gleichzeitig auch als Lärmschutz für die darunterliegenden Räume dient. Der Außenbereich der Krippenkinder ist direkt aus den Gruppenräumen erreichbar.
Unfallkasse Rheinland-Pfalz
Das belastungsreduzierende Mobiliar, wie etwa höhenverstellbare Tische mit Rollen, erleichtert den Kita-Alltag für Kinder und Erzieherinnen.
In dieser Einrichtung stand auch die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung im Fokus.
Die bespielbare Dachterrasse wurde mit stoßdämpfendem Belag ausgestattet - zur Freude der Kinder und Erzieherinnen.
Schlüsselübergabe: (V.l.) Dr. Rolf Ellegast, Institut für Arbeitsschutz, Architekt Henner Herrmanns, GSG-Geschäftsführer Heinz-Peter Schmitz, Kita-Leiterin Anja Schäfer, Oberbürgermeister Nikolaus Roth, Bürgermeister Reiner Kilgen, Architekt Holger Zimmermann, Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Manfred Breitbach und Beate Eggert, Geschäftsführung Unfallkasse, Dezernent Michael Mang. Fotos: Unfallkasse Rheinland-Pfalz
