Brauchtumspflege im BLICK
Isenburger restaurieren ihre Burgruine
Isenburg. In dem beschaulichen Dorf Isenburg in der Verbandsgemeinde Dierdorf thront auf einem 190 Meter hohen Bergvorsprung die Ruine der Isenburg, die dem Ort seinen Namen gab. Das Geschlecht der Isenburger wird im Jahre 1103 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Die Überlieferung besagt, dass die Burg wahrscheinlich um 1100 von den Herren von Isenburg im Gebiet einer Grundherrschaft der Abtei Fulda als deren Stammsitz erbaut wurde. Seitdem die Burg 1664 dem Verfall überlassen wurde, sind keine Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden. Erst als im Jahre 2003 die 900-Jahrfeier der ersten urkundlichen Erwähnung von Isenburg begangen wurde, ist die Idee geboren worden, die Burg, die nicht nur das Hauptwahrzeichen des Ortes ist, sondern ihm auch seinen Namen gab, der Nachwelt zu erhalten und für die Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.
Der Burgruine hat sich seit 2005 ein Freundeskreis angenommen. Sie wollen die Überreste der romanischen Höhenburg, die sehr geräumig und großzügig angelegt war, erhalten. Bei der Renovierung des alten Gemäuers treten immer wieder Überraschungen auf und ständige Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen. So musste zum Beispiel von den Burgfreunden ein ganz neuer Weg in den Berg gegraben und gehauen werden. Der bestehende Pfad lief über ein Privatgrundstück, das veräußert wurde und ab da war der Weg nicht mehr nutzbar.
Ein Problem war und ist der Transport der Materialien. Wie sollen die benötigten Materialien die 190 Meter hoch auf die Burg kommen? Eine befahrbare Straße existiert nicht. So wurde ein kleines Raupenfahrzeug angeschafft. Dessen Kippmulde kann 500 Kilogramm Gewicht aufnehmen, aber einer muss immer zu Fuß hinterher laufen und das Fahrzeug steuern. Bis zum Beispiel siebeneinhalb Tonnen Sand zum Aufmauern der Steine oben am Materiallager sind, vergeht ein ganzer Tag.
Ist das Material oben an der Burg, so stehen die nächsten Probleme an. Die Fugen des Mauerwerkes und das neue Aufmauern von lockeren Steinen müssen zum Beispiel mit Mörtel nach der alten Rezeptur erfolgen. Vorher müssen die Fugen ausgekratzt werden, manchmal auch sehr tief. Das Verfugen, mit dem speziellen gelben Sand angerührter Mischung, ist sehr mühsam und zeitaufwändig.
Gebäude wurde fast komplett verfugt
Das ganze Gemäuer hatte Risse und musste gesichert werden. Hierzu war der Einsatz von Fachfirmen erforderlich, die mit speziellen Bohrern, die meterdicken Mauern durchbohren, Stahlstützen einzogen, deren Endplatten dann wieder unsichtbar vermauert wurden. Es wurden in den letzten Jahren umfangreiche Vermauerungen, Fug- und Verpressarbeiten durchgeführt. Dabei konnte das Gebäude fast komplett verfugt und die Mauerrisse mit einer Mörtelsuspension verpresst werden. Die Laibungen der oberen Fensterreihe wurden bis auf festes Material abgetragen und anschließend teilweise wieder auf Originalhöhe rekonstruiert. Die Sanierung des höchsten Punktes der Burg brachte so einige Probleme mit sich. Dort oben war das Mauerwerk sehr locker, der ehemalige Mörtel hat sich in Erde verwandelt. Für die „Jungs“ des Arbeitskreises hieß es Stein für Stein abzutragen, bis sie auf festes Mauerwerk stießen. Anschließend wurde das Ganze wieder aufgemauert. Hört sich leicht an, aber wohin mit den ganzen abgetragenen Steinen? Auf dem Gerüst fanden alle Steine keinen Platz. So musste ein Teil mittels Aufzug heruntergebracht und anschließen wieder hochgebracht werden.
Helfer sind herzlich willkommen!
Ein anderes Problem schloss sich an: Die so genannten „Ein-Euro-Kräfte“ stehen nach Gesetzesänderungen nicht mehr zur Verfügung. Im Prinzip sind es immer nur vier Leute, die jeden Samstag an der Burg arbeiten. Helfer sind sehr rar. Insofern wäre der Freundeskreis über jede Hand dankbar, sei es auch nur für einen Samstag. In diesem Jahr konnten dank Fördermittel zwei Maurer beschäftigt werden. Ein deutlicher Fortschritt bei der Rekonstruktion wurde sichtbar. Der Vorsitzende Herzog erläutert, dass die Helfer jeden Samstag vorarbeiten müssen, wie das erforderliche Material beischaffen, Schutt beseitigen und vieles mehr.
Arbeit gibt es für die nächsten Jahre noch genug. Sind doch noch nicht alle Mauern gesichert. Das Gelände und Teile des Mauerwerks sind noch teilweise bis zu drei Metern Höhe mit Schutt bedeckt. Den heißt es abzutragen. Ein Lagerplatz oben auf der Burg gibt es nicht. Für den Freundeskreis gibt es noch sehr viel zu tun und viele Probleme müssen noch gelöst werden. Die Sanierung und Sicherung der gesamten Burganlage, die ein besonderes kulturhistorisches Baudenkmal unserer Region ist, wird ein langfristiger und wahrscheinlich ein dauerhafter Prozess sein. Eines freut die Helfer sehr. Der neue Wanderweg der Iserbachschleife läuft direkt an der Burg vorbei. Seit der Eröffnung in diesem Jahr kommen viele Wanderer auf die Burg und erfreuen sich an den bislang durchgeführten Restaurationen.
