Glühwürmchenwanderung im Kleinmaischeider Wald
Leuchtkäfer funkelten im Wald
Kleinmaischeid. Als Förster Friedhelm Kurz, Forstrevier Kleinmaischeid, über 40 Teilnehmer zur „Glühwürmchenwanderung“ an der Grillhütte Kleinmaischeid begrüßte, war bei allen zunächst die Skepsis groß: zu feucht, zu kalt, heute fliegen keine.
Danach übernahmen Exkursionsleiter Manfred Braun, Naturschutzreferent der SGD Nord, und seine Frau Ursula die Kinder- und Erwachsenenschar. An einem Tisch war zuerst einmal malen angesagt. „Wer kann ein Glühwürmchen malen?“ fragte Manfred Braun die Kinder. Sie dachten nach und zeichneten Gebilde mit zwei Flügeln. Nachdem die Zeichenkünste ausgeschöpft waren, entwickelte Manfred Braun zeichnerisch den Unterschied zwischen einem Ringelwurm und einem Leuchtkäfer.
Er erläuterte, dass die Leuchtkäfer zur Gruppe der Insekten gehören. Der Körperausbau gestaltet sich aus drei Teilen: Kopf, Brust und Hinterleib. Dazu kommen drei Beinpaare am Bruststück, Fühler und bei den männlichen Leuchtkäfern die Flügel.
Markant und namensgebend sind die Leuchteinrichtungen auf der Unterseite des Hinterleibes. Hier wird chemisch Energie in reines Licht ohne überflüssige Wärmeproduktion umgewandelt. Schnell wurde noch erklärt, das Leuchtkäferweibchen flügellos sind und deren Leuchtorgane noch mehr Strahlkraft besitzen. Leuchtkäferlarven ernähren sich von kleinen Schnecken. Die aus den Larven schlüpfenden Alttiere, die dann Leuchtkäfer genannt werden, nehmen keinen Nahrung zu sich. Das Leuchten dient der Paarfindung und somit der Fortpflanzung. Soweit die Theorie.
An einer Lichtung wurde es spannend
Mit einsetzender Dämmerung mache sich die Exkursionsgruppe auf den Weg. An einer Lichtung wurde es spannend. Hier konnten die ersten Zwergfledermäuse beim Insektenfang beobachtet werden. Ein gutes Zeichen, wie Friedhelm Kurz meinte, mit großer Wahrscheinlichkeit fliegen dann auch unsere funkelnden Insekten.
Die Dämmerung nahm zu und im Wald wurde es immer dunkler. Auf der Wanderstrecke legte die Gruppe kurze Pausen ein, um den Wald nach Leuchtkäfern abzusuchen. Rotkehlchen und Singdrossel ließen ihren Gesang ertönen: immer noch keine Leuchtkäfer. Dann plötzlich kurz nach 22.00 Uhr, tief im Wald, ein Ruf: „Da fliegt eins!“ Die Gruppe stoppte, verharrte und schaute in den dunklen Wald. Erst eins, dann vier und plötzlich ganz viele leuchtende Käfer. Mit einem Kescher konnte Manfred Braun einen Leuchtkäfer fangen. Er leuchtete und wirkte auch in der Nähe faszinierend. Es wurden von Minute zu Minute mehr Tiere, die leuchtend den dunklen Wald eroberten, vor allem um Weibchen zu finden. Ein atemberaubendes Funkeln setzte ein. Nicht zehn und auch nicht dreißig, nein hunderte oder sogar tausende von Leuchtkäfern flogen in ruhigem Flug durch den Wald. Schnell war auch ein Weibchen am Boden gefunden, welches von einem Männchen erobert wurde. So werden auch im kommenden Jahr vermutlich wieder Leuchtkäfer im Kleinmaischeider Wald fliegen.
Der Rückweg gestaltete sich zu einem imposanten Naturschauspiel. Ab und zu landeten Leuchtkäfer sogar auf den Exkursionsteilnehmern. Manfred Braun erklärte, dass Leuchtkäfer natürlich nicht ganzjährig, sondern in der Regel nur Ende Juni zu beobachten sind, so um den Johannistag.
Zurück an der Grillhütte gab es für die Kinder zur Erinnerung einen Stempel von Käfer und Fledermaus sowie ein tolles Buch und ein Poster zum Lebensraum Wald.
Friedhelm Kurz dankte allen für die Teilnahme, besonders dankte er Manfred Braun für die faszinierende Exkursion. Sicherlich wird allen diese abendliche Wanderung im dunklen Wald mit den vielen leuchtenden Käfern in guter Erinnerung bleiben.
