Welterbetal und Buga bis NRW erweitern
Dies wurde bei Podiumsdiskussion in Roßbach gefordert – Gastronomen kritisierten hohe bürokratische Auflagen
Roßbach/Kreisgebiet. Die BUGA 2031 bis nach Linz ausweiten und ins Welterbe Oberes Mittelrheintal den unteren Mittelrhein von Koblenz bis zum Drachenfels einbeziehen - das waren Vorschläge und Ideen bei der Podiumsdiskussion im Hotel Zur Post in Roßbach, zu der der DEHOGA-Kreisverband Neuwied eingeladen hatte. Jürgen Hühner, Neuwieder Kreisvorsitzender im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, begrüßte am Podium unter anderem den CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Daniela Schmitt, den DEHOGA-Landespräsidenten Gerion Haumann sowie die Verbandsgemeinde-Bürgermeister Hans-Günter Fischer (Linz), Michael Mahlert (Bad Hönningen) und die Erste Beigeordnete Roswitha Schulte (VG Waldbreitbach). Zur Diskussion standen die politischen Rahmenbedingungen für das Hotel- und Gaststättengewerbe und deren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Führung der Kleinbetriebe. Der DEHOGA-Kreisvorsitzende beklagte in seiner Eröffnungsrede vor etwa 30 Mitgliedern, dass „der Arbeitgeber aus dem Kleingewerbe und dem Mittelstand zusehends ausgebeutet wird. Wir haben keinerlei Absicherung im Falle einer Insolvenz, sorgen aber dafür dass, das Sozialsystem gefüttert wird, Steuergelder fließen und das Rad rund läuft.“
Auflagenflut für Mittelstand
Jürgen Hühner ist empört darüber, dass man aus den Ministerien mit immer mehr Auflagen und Aufgaben überfrachtet würde, die nicht mehr zu bewältigen seien: „Unsere Mitarbeiter dürfen dreimal die Woche maximal 10 Std. Arbeiten und was ist den mit dem Arbeitgebern?“ fragte Hühner und kritisierte die Dokumentationsvorschriften über Arbeitszeit, Mindestlohn, Temperaturen, Allergene, Hygieneschulung und die Angabe von Nährwerten in der Speisenkarte. „Das Kleingewerbe und der Mittelstand werden erdrückt von den Auflagen aus der Politik“, meinte er und geißelte „die Reglementierungs-Wut aus Brüssel sowie Gesetze und Verordnungen, die aus purem Eigeninteresse der Lebensmittelindustrie betrieben werden. Ein Essen nach Gusto Maître de Hotel ist heute eigentlich nicht mehr machbar oder nur mit einem wahnsinnigen Dokumentationsaufwand“, beklagte er.
Mindestlohn kein Problem
Der Mindestlohn sei für Gaststätten und Hotels kein Problem, denn auch im Kreis Neuwied sei für 8,50 Euro pro Stunde kein gutes Personal zu bekommen, und das schon vor der Einführung des Mindestlohns. Ein Problem sei aber das geplante Arbeitszeitgesetz mit dem Führen von Arbeitszeitkonten. Die könne die Gastronomie nur über sieben Monate führen, da die Hauptsaison von April bis Oktober gehe, und so gebe es erheblich Schwierigkeiten. MdB Erwin Rüddel bestätigte, dass die CDU-Fraktion bei den Dokumentationen im Bundestag mitgestimmt hat: „Doch da haben wir uns etwas über den Tisch ziehen lassen. Hier müssen wir durch Nachverhandlung auf ein vertretbares Maß kommen“, sagte der Abgeordnete.
Welterbe gut vermarktet
Er sprach auch das Thema Welterbe Oberes Mittelrheintal an, das gut vermarktet werde. „Wir sind damals wegen dem Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich ausgeschlossen worden. Es ist aber eine Initiative auf dem Weg, das Welterbetal bis zum Drachenfels zu erweitern, denn das Kernkraftwerk ist ja jetzt weg. Aber auch ohne Welterbestatus kann diese Initiative die Region von Neuwied bis zum Drachenfels und vom Geysir bis zum Rolandsbogen zusammenbringen und ein touristisches Konzept entwickeln, um auch Fördermittel vom Land zu bekommen. Die Kreise Neuwied, Rhein-Sieg und Ahrweiler sind davon sehr angetan. Es gibt dann auch eine positive Entwicklung für das Gastgewerbe“, malte Rüddel die Zukunft aus. VG-Bürgermeister Hans-Günter Fischer versteht die Sorgen der einheimischen Gastronomen: „Ich weiß, wie Sie zu kämpfen haben, die kleinen Betriebe gegen die Industrie. Ein Unternehmer braucht täglich Zeit, um innovativ zu sein. Wenn man erdrückt wird mit administrativen Aufgaben, hat man keine Zeit für Ideen und den Ausbau des Betriebes. Wir wollen mit Ihnen eine enge Partnerschaft, damit Entlastungen stattfinden und das Profil der Region mit den Unternehmen zu einer Dachmarke entwickeln.“
EU-Fördermittel abgreifen
Wenn man gemeinsam arbeite, auch mit den Kommunen Konzepte entwickele, könnten die VGs Unkel, Bad Hönningen, Linz und Waldbreitbach EU-Fördermittel für den ländlichen Bereich abgreifen.
Die stellvertretende FPD-Landesvorsitzende beklagte ebenfalls die bürokratische Last für die Unternehmen. „Der Mindestlohn ist nicht verkehrt, aber an dem Monster Bürokratieaufwand, was da dran hängt, da muss was getan werden“, forderte sie. Es dürfe nicht sein, dass bei neuer Küche das komplette Anwesen überprüft wird, auch auf Behindertenfreundlichkeit. So würden Kleinunternehmer kaputt gemacht, meinte Daniela Schmitt.
Mitglieder befürchten Schließungswelle
Dem stimmte bei der Diskussion auch ein DEHOGA-Mitglied zu: „Wir stehen vor einer riesigen Schließungswelle.“ Ein anderer beklagte, dass er nur noch reagieren und nicht mehr gestalten könne, so dass der Spaß an der Arbeit verloren gehe. Ein Neuwieder Gastronom forderte, dass bei der Buga 31 der Bereich zwischen Neuwied und Linz dabei sein solle, da seiner Ansicht nach aus Limes, Rheinsteig und Wiedbachtal zu wenig gemacht werde und man diese Besonderheiten bei der Buga besser präsentieren könne. Ein Kollege glaubt, dass es im Kreis Neuwied eine Gastronomie am Rheinsteig bald nicht mehr geben werde, denn schon jetzt seien die Lücken riesig. Beim Thema Wettbewerb der Regionen sagte Erwin Rüddel: „Ich ärgere mich seit Jahren darüber, dass Rasselstein und Lohmann nach Andernach gegangen sind. Die Entwicklung in Neuwied ist eine Katastrophe.“ Der Bundestagsabgeordnete forderte aber ein gemeinsames Vorgehen beim Welterbestatus für den gesamten Mittelrhein, da das Kernkraftwerk, das die UNESCO stets als Ablehnungsgrund nannte, bald verschwunden ist. „Bad Honnef will sich um Landesgartenschau 2022 NRW bewerben. Ich sehe da große Chancen, auch für das weitere Mittelrheingebiet“, blickte Rüddel in die Zukunft. Dann berichteten noch einige Diskussionsteilnehmer, mit welch kuriosen Vorschriften sie bei ihrer Arbeit zu kämpfen haben. So darf zum Beispiel der Kaffee nicht zu heiß sein, denn er könnte ja einem Gast über die Hand gekippt werden. Nach einem Vortrag von DEHOGA-Landespräsident Gerion Haumann schloss dann Jürgen Hühner die Zusammenkunft.
