WirtschaftsForum Neuwied feierte den Jahresabschluss
Westerwälder baut Schulen auf der ganzen Welt
Reiner Meutsch ist nicht nur sozial engagierter Weltenbummler, sondern war auch erfolgreicher Unternehmer
Neuwied. In diesem Jahr feierte das Neuwieder WirtschaftsForum einen außerordentlich besinnlichen Jahresausklang. Im food-Hotel hatte Weltenbummler Reiner Meutsch einen Vortrag gehalten, der dazu anregte, sich über andere Menschen Gedanken zu machen. Eigene Sorgen und Probleme oder was man dafür hält rückten nach den Schilderungen echter Not in den Hintergrund. 2.500 Euro spendete das WirtschaftsForum an die Stiftung Fly & Help. Geld genug, um vierhundert Schülern ein Jahr lang den Schulbesuch zu ermöglichen. „Sie lehren uns, sich selbst nicht immer zu wichtig zu nehmen“, bedankte sich Brigitte-Ursula Scherrer für einen spannenden Film- und Wortvortrag. Reiner Meutsch bedankte sich für die Spende und wies darauf hin, dass bei Fly & Help jeder gespendete Euro seiner Bestimmung zugute kommt. Sämtliche Verwaltungskosten werden aus dem Privatvermögen des Stiftungsgründers beglichen. „Unser Ziel ist es, den Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das geht aber nur mit einer Schulbildung. Wir bauen in den Ländern Schulen, in denen die Schulbildung nicht im Grundgesetz verankert ist.“
Meutsch ist sich sicher, dass Spenden nicht die sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein sind: „Es lohnt sich für jedes einzelne Kind.“ Das unterstrich er mit einer Fotoreihe von strahlenden Kindern aus aller Welt. Dieses Strahlen und die Freude, in die Schule gehen zu dürfen, sind die Motivation und Antrieb für Reiner Meutsch. Zweiunddreißig Schulen für insgesamt 20.000 Schüler hat die Stiftung „Fly & Help“ schon gebaut. Eine Million Euro wurde dafür in die Hand genommen. Einen kurzen Überblick seiner einjährigen Weltreise gab er den Mitgliedern des WirtschaftsForums. Ein lang hatte er sich akribisch auf die Tour vorbereitet. Im Schlamm geschlafen, sich auf einer Rettungsinsel in der Nordsee absetzen lassen und für siebenundsiebzig Länder der Welt die Überfluggenehmigung eingeholt. Als Mann an seiner Seite engagierte er einen Piloten, der bereits zwei Abstürze überlebt hatte. „So jemand hat halt Erfahrung“, schmunzelt Reiner Meutsch. Einmal wurde es für die beiden ebenfalls eng, als sich das Fahrwerk der zweimotorigen Propellermaschine nicht mehr ausfahren ließ.
Die Erlebnisse und Abenteuer seiner Reise hat er in einem Buch zu schönen Episoden zusammengefasst. Die handsignierten Bücher fanden unter den WiFo-Mitgliedern reißenden Absatz. Ebenso wie die Kalender und der Film, der durch die Begleitung von n-tv entstand. Die Erlöse aus den Verkäufen kommen natürlich ebenfalls der Stiftung „Fly & Help“ zugute. Spannend war der Besuch von Reiner Meutsch auch aus anderer Hinsicht. Dem Westerwälder gelang die Selbstverwirklichung. „Ich wollte nicht mit 67 noch Juniorchef sein“, so Reiner Meutsch. Als Sohn eines Unternehmers für Busreisen sah er genau dieses Schicksal vor sich. Beamter oder Erbe des Familienunternehmens? Das waren die Alternativen, die ihm sein Vater zur Auswahl stellte. „Ich hatte dem Landrat zu viel Durcheinander gemacht“, erinnert sich Reiner Meutsch mit Humor. So landete Reiner Meutsch dann doch im elterlichen Betrieb. „Im Winter ging es uns immer schlecht, weil die Busse nicht gebucht wurden“, erinnert er sich. Er fing an, Fahrten in die Sonne anzubieten. Der Versuch wurde zur Erfolgsgeschichte, aber seine Leidenschaft, die Fliegerei, ins Geschäft aufzunehmen, scheiterte am Widerstand seines Vaters. Die beiden überwarfen sich und Reiner Meutsch verließ als Dreißigjähriger das Unternehmen.
Was nun folgte, ist eine Erfolgsgeschichte und die Entstehung von „Berge + Meer“. Mit seinem Freund Klaus Scheyer fing er an, Pauschalreisen zu veranstalten. Stets im Namen anderer. Der erste Großkunde war Tchibo. Nach einundvierzig Verhandlungsrunden und einem Gespräch mit einem der Brüder Albrecht gewannen Reiner Meutsch und Klaus Scheyer Aldi im Jahr 2005 als Kunden. „Wir haben an einem Tag mehr Reisen verkauft als die TUI in ganz Europa in einer Woche“, so sich der Unternehmer. In der Spitze arbeiteten bis zu 1.000 Menschen im Call-Center. 2008 und 2009 verkauften die Inhaber ihre Anteile an „Berge + Meer“ an die TUI. Dabei, so betonte Reiner Meutsch, verzichteten sie auf einige Millionen Euro. Stattdessen rangen sie dem neuen Eigentümer eine Sicherung des Standorts Rengsdorf und damit von rund vierhundert Arbeitsplätzen, ab.
Viele Mitglieder des WirtschaftsForums nutzten die Gelegenheit, sich einen der faszinierenden Bildbände Meutschs vom Autor signieren zu lassen.
