Zwei Leben für die Krebsforschung und die Patientenaufklärung
Gerda und Gerd Diehl konnten mit dem Verdienstorden ausgezeichnet werden
Neuwied. An diesem Montag bekamen Gerda und Gerd Diehl von Bundespräsident Joachim Gauck aus Anlass des Ehrenamtes, als zwei von 26 Bürgern aus ganz Deutschland und einzige Rheinland-Pfälzer, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Von Seiten des Bundespräsidenten heißt es dazu: „Die Eheleute Gerda und Gerd Diehl haben sich außerordentlich im sozialen Bereich und für die Krebsforschung engagiert. Im Alter von 18 Jahren erkrankte ihre Tochter Kirstin an Krebs. Sie nahmen den Kampf gegen die Krankheit auf und gründeten den Verein „Kirstins Weg - Verein zur Förderung der Krebsmedizin“ mit dem Konzept eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes. Nach dem Tod der Tochter 1997 führen die Eheleute ihr Vermächtnis fort. Ferner gründeten sie die Kirstin Diehl-Stiftung, deren Zweck die Unterstützung der Krebsmedizin, besonders der Krebsforschung, ist. Auch werden Betroffenen und deren Angehörigen durch die Zeitschrift „Wegweiser“ ausführliche Informationen bereitgestellt. Dem besonderen Einsatz der Eheleute Diehl ist es zu verdanken, dass Mittel in beträchtlicher Höhe zum Gewinn neuer Erkenntnisse in der Krebsforschung verwendet werden können. Kurz vor der Abreise nach Berlin nutzte der BLICK aktuell die Gelegenheit für ein Gespräch. Trotz allem Stress und dem großen Medieninteresse freuten sich die Diehls riesig aufs Schloss Bellevue. „Das ist eine große Ehre, die uns zuteil wird“, sagt Gerd Diehl. Als erste Reaktion auf die erfreuliche Kunde stellten sich die beiden die Frage, warum ausgerechnet wir? Kenner sagen, dass die beiden ihr Leben völlig in den Dienst von Kirstins Weg stellen. Zwei Wochen Urlaub in Italien. Ansonsten lassen Förderverein und Stiftung keine Zeit für Hobbys. Seit die Heddesdorfer in Rente sind, kümmern sie sich sozusagen im Fulltime-Job um die Belange. Und die werden von Jahr zu Jahr umfangreicher. Weil es dadurch praktisch keinen Verwaltungsapparat gibt, können 95 Prozent der Spenden weitergegeben werden. 5,2 Mio. Euro wurden seit der Gründung zusammengetragen. Die Spendenkurve steigt progressiv, die Einzelspenden werden höher. Demnächst werden 35.000 Euro aus einer Erbschaft auf dem Konto eingehen. Mit Gründung der Stiftung haben die Diehls sichergestellt, dass es langfristig weitergeht. Durch Zustiftungen steigt das Stiftungskapital kontinuierlich. Selbst der Tod von Kirstin habe die Eltern nicht aufgeben lassen. „Eigentlich hatten wir gar keine Zeit nachzudenken.
Es mussten Termine wahrgenommen werden, die noch zu Lebzeiten vereinbart wurden“, sagt Gerda Diehl. Irgendwie seien die Aktivitäten auch gut gewesen, um sich in der neuen Situation zurecht zu finden. „In gewisser Weise leben wir Kirstins Leben weiter“, ergänzt Gerd Diehl. In ihrem Vermächtnis bat Kirstin die Eltern ausdrücklich, ihr Engagement fortsetzen. Zwei Dinge stehen im Mittelpunkt, die Forschung und die Patienteninformation. Mit der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg besteht eine ganz enge Zusammenarbeit. Geld fließt darüber hinaus auch in Projekte an anderen Kliniken. „Häufig sind es Projekte, die wir Anschubfinanzieren“, erklärt Gerd Diehl. Aber es komme auch vor, dass Forschungen ins Stocken geraten, weil auf öffentliche Gelder gewartet wird. Dann geht es Dank einer Spende von Kirstins Weg trotzdem weiter. Das Geld wird für Technik oder Hilfspersonal verwendet. Entscheidend ist, dass die Projekte in der Zeit bleiben oder verkürzt werden können. Um die Förderwürdigkeit abzuwägen, werden ausgewiesene Experten zu Rate gezogen. Die Lebenschance erhöhen, die Therapien verbessern und den Krankheitsverlauf erträglicher macht. Diesen Auftrag geben Gerda und Gerd Diehl der Forschung. Genauso wichtig ist ihnen der mündige Patient. Dahin führen sie die Menschen mit Informationen. Regelmäßig wird der „Wegweiser“ veröffentlicht. Die Diehls stehen aber auch gern persönlich zur Verfügung. „Wir werden sehr häufig um Rat gefragt“, berichtet Gerd Diehl. Dann kommt das Netzwerk zum Tragen, dass über Jahre aufgebaut wurde. Dadurch steigt die Chance, dass der Patient genau in die Klinik kommt, die auf den jeweiligen Krebs spezialisiert ist. Die Betroffenen haben diesen Überblick in den seltensten Fällen. Gerda Diehl stellt immer wieder mit Bedauern fest, dass Erkrankte von Kreiskrankenhäusern als austherapiert entlassen, also aufgegeben, werden. „Glücklicherweise bekommen wir regelmäßig Rückmeldung von Menschen, die in dieser Situation durch gezielte Information an eine spezialisierte Klinik verwiesen wurden und dessen Leben sich dadurch verlängert hat“, sagt Gerda Diehl.
FF
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