Vertreter/-innen aus Pfarreien besuchten die Cochemer Tafel
„Gäbe es sie nicht – müssten wir sie erfinden“
Cochem. „Wenn wir die „Cochemer Tafel“ nicht hätten, müssten wir sie erfinden“, so lautete das Fazit von Katy Schug, Geschäftsführerin des Caritasverbandes Mosel-Eifel-Hunsrück am Ende eines Gesprächsnachmittags, zu dem die Caritas und der SKF Cochem-Zell Pastöre, Pfarrgemeinderäte und Ehrenamtliche in die Tafelräumlichkeiten in der Cochemer Endertstraße eingeladen hatten. Mit dieser Begegnung am Nachmittag wollten die Verantwortlichen dieses Solidaritätsprojekts den Vertreterinnen und Vertretern aus den Gemeinden zum einen Dank sagen für die vielfältige Unterstützung, zugleich aber auch informieren über die Fakten und die Arbeitsweise der Cochemer Tafel.
Karin Steffens - als ehrenamtliche Mitarbeiterin seit der ersten Stunde dabei und gemeinsam mit Hiltrud Heinzen vor- Ort -Ansprechpartnerin - zeichnete ein beeindruckendes Bild dieses Hilfsprojekts für bedürftige Menschen aus dem Kreis Cochem-Zell. Sie berichtete von rund 140 Menschen, die jeweils mittwochs morgens – nach Vorlage des Berechtigungsausweises - für sich und ihre Angehörigen gegen Zahlung eines geringen Betrages Lebensmittel erhalten. „Wöchentlich versorgen wir auf diese Weise ca. 300 Personen, unter ihnen viele Kinder“, so Karin Steffens, die auf vielfältige positive Aspekte der Tafel verweisen kann.
„Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist ein ganz wichtiger, aber nicht der einzige Aspekt, der Menschen in besonderen Lebenslagen zugute kommt,“ so die Ehrenamtliche. „Viele haben nur wenig Kontakt zu anderen und so ist der Mittwoch morgen in der Tafel auch zu einem Ort geworden, an dem soziale Kontakte geknüpft und oft auch später gepflegt werden und wo Tipps und Ratschläge ausgetauscht werden, die das Leben erleichtern können.“
Den Tafel-Ehrenamtlichen begegnen dabei die unterschiedlichsten Personengruppen - wobei etwa ein Drittel ältere Menschen und ein Drittel Alleinerziehende sind. „ In Gesprächen mit den jungen Müttern erfahren wir immer wieder, wie anstrengend deren Alltag ist“ , so Karin Steffens, die aber auch immer häufiger miterlebt, wie viele ältere Menschen mit sehr kleinen Renten die Tafel beim ersten Besuch nur mit großer Scham betreten. „Nach den ersten Tafelbesuchen fällt es ihnen aber in der Regel leichter, denn sie erleben, dass es viele Seniorinnen und Senioren gibt, die sich aufgrund ihrer niedrigen Einzahlung in die Rentenkasse nun in dieser Situation befinden.“ Eines ist allen ehrenamtlichen Mitarbeitenden in gleicher Weise wichtig zu betonen: „ Die Tafelkunden sind bescheiden und zufrieden mit dem, was sie am Ausgabetag erhalten. Und wir hören immer wieder, eine wie große und wichtige Hilfe unsere Tafel für sie ist,“ so Karin Steffens, die mit ihrem Team ein Ziel hat: „Wir wollen etwas Gutes tun, möglich machen, was irgendwie geht.“ Und so versuchen die Helfe/innen auch im Rahmen der Möglichkeiten - so gut es irgend geht t- auf die Wünsche der Hilfesuchenden einzugehen. Die Dankbarkeit der Kunden zeigt uns, dass es richtig ist, was wir tun,“ freut sich die nun seit fast sieben Jahren in der Tafel Tätige. Neben diesem Stimmungsbild erfuhren die an diesem Nachmittag u.a. aus Kaisersesch, Klotten, Neef, Briedel, Alf, Cochem und Zell angereisten Gäste, dass ein Großteil der ausgegebenen Ware von Discountern, Warenhäusern, Bäckereien, Landwirten und auch von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wird. „Es ist jedoch festzustellen, dass die Menge der Lebensmittel, die von Geschäften vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum der Tafel bereitgestellt werden, zurückgeht, da der Abverkauf im Laden zunehmend bis zuletzt erfolgt,“ so Karl Dumont, der als Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst der Caritas- Geschäftsstelle Cochem in der Tafel vor- Ort- Sozialberatung anbietet. Hier wird nicht nur der Berechtigungsschein ausgestellt - auch das Prüfen, ob weitere Ansprüche gegenüber Leistungsträgern geltend gemacht werden können und so die Lebenssituation zu entlasten vermögen, gehört zu diesem Tafel-Plus-Konzept.
Über die Lebensmittelausgabe hinaus
„Die Tafel“ hat so einen „Mehr-Wert“, der über die reine Lebensmittelausgabe hinausgeht,“ so Karl Dumont.
Zwei weitere Dinge waren darüber hinaus den Mitarbeitenden der Tafel wichtig zu betonen: „Innerhalb des Tafel-Teams sind zum einem richtige Freundschaften entstanden: Unsere Helfer/-innen freuen sich auf den Montag oder Dienstag, an dem die Regale eingeräumt werden sowie auf den Mittwoch der Ausgabe. Und sie alle freuen sich auf Neue im Team,“ so Karin Steffens. „Zum anderen sind wir immer mehr auf Spenden von außen angewiesen. Geldspenden helfen, den Tafelbetrieb aufrecht zu erhalten. Aber auch Sachspenden, die auf vielfältige und kreative Weise bei Aktionen in den Gemeinden gesammelt und zur Tafel gebracht werden, helfen uns, an den Ausgabetagen stets ein ausreichendes Angebot in den Regalen vorrätig zu haben,“ so die Tafelverantwortlichen. „Und was aktuell ganz wichtig ist: Wir suchen dringend ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer, die unsere Kleintransporter fahren, um von montags bis mittwochs morgens im „Schichtbetrieb“ die Lebensmittel von den Geschäften abzuholen,“ so Karin Steffens.
Den Besucherinnen und Besuchern aus den Gemeinden, die abschließend auch die Gelegenheit hatten, die Tafelräumlichkeiten in Augenschein zu nehmen, gab Katy Schug mit auf den Weg:
“Erzählen Sie zu Hause von dem, was Sie hier gehört und gesehen haben. Auf diese Weise entsteht in den Gemeinden ein realistisches Bild über die „Cochemer Tafel“, die Hilfesuchenden und die Art, wie wirkungsvoll diese Hilfe erfolgt. So können Sie mit dazu beitragen, Vorurteilen über die Tafel, die mancherorts bestehen, entgegen zu treten.“
Weitere Informationen montags und dienstags, von 13 bis 17 Uhr, mittwochs, von 9 bis 13 Uhr, unter Tel. (0 26 71) 60 59 82 in der Cochemer Tafel.
