Schnittstellen im Willkommensnetz im Kreis Cochem-Zell
Linda Valerius, Asylkoordinatorin
Cochem. Was bewegt 27 Personen eine Einladung des Willkommensnetzes für Flüchtlinge im Kreis Cochem-Zell anzunehmen zum Thema „Zur rechtlichen Situation von Flüchtlingen“, vorgetragen durch eine Verwaltungsangestellte des Kreises Cochem-Zell?
Ein junger Flüchtling aus Ägypten, Mena Dawod, zum Beispiel, interessiert sich für Informationen über Recht und Gesetz in der Bundesrepublik Deutschland, weil er bereits in Kairo drei Semester Jura studiert hat.
Die Geschäftsstelle der Caritas im Kreis Cochem-Zell, vertreten durch Karl Dumont, wird demnächst eine unabhängige Migrationsberatung für Flüchtlinge und Asylbewerber anbieten und ist interessiert, die Rechtsauffassung einer Verwaltungsangestellten mit dem Arbeitsauftrag „Koordinierung Asyl“ im Kreis Cochem-Zell zu hören.
SKF Cochem mit „Treffpunkt Deutsch“, Matthias und Gerda Schnitzler, hören, welche gesetzlichen Grundlagen gegeben sind für die Teilnahme an einem Sprachkurs je nach Aufenthaltsstatus. Eine Ehrenamtliche bittet die Koordination darum, alle Berechtigten Asylbewerber aktiv zu informieren über die für sie geltenden Zugangsberechtigungen zu Sprachkursen.
Marie-Helen Thiel, eine Mitarbeiterin der KVHS, die nach geltenden Integrationsregeln Prüfungen vornimmt, ergänzt die Ausführungen zum Thema Antrag auf Einbürgerung: Manch ein Einwanderer benötigt ein halbes Jahr, um die nötigen sprachlichen Voraussetzungen zu erfüllen, manch einer schafft die Prüfung nicht nach 16 Jahren. Es kommt eben auf den Anfang an bei der Sprachförderung.
Einer der pädagogischen Leiter der Realschule plus, Daniel Braun-Weberskirch, ist mit einem Team der Realschule plus, da, welche von vielen Kindern aus Flüchtlingsfamilien besucht wird. Eine Lehrerin an der Realschule plus, Verena Laux, Mitarbeiterin im Willkommensnetz der Pfarreiengemeinschaft Cochem, nutzt die Veranstaltung, um Kontakte zu knüpfen zum Jobcenter für die den geplanten girls- und boys-Day, für den noch Praktikumsstellen gesucht werden.
Eine Ehrenamtliche im Willkommensnetz, Irmtraud Thelen-Marx, bespricht in einer Pause mit dem pädagogischen Leiter der Realschule plus die Übergabe von Spendengeldern einer Aktion ihres Bioladens in Ernst zwecks Unterstützung einer pädagogischen Kraft im Spracherwerb für junge Flüchtlinge.
Ein Vermieter, der sich für die Bewohner seines Hauses, Asylbewerber einsetzt, Tom Nova, bittet darum, zu prüfen, ob nicht grundsätzlich eine Arbeitserlaubnis nach 15 Monaten für Asylbewerber gewährt werden kann, wie es das Gesetz vorsieht.
Allen gemeinsam ist das Anliegen, an einer Kultur des Respekts und der Achtsamkeit in der Begegnung mit Flüchtlingen und eine Willkommenskultur weiter zu entwickeln. Ein Mitarbeiter des Job-Centers, Gerd Lampen, spricht dieses Anliegen stellvertretend für alle aus.
Die Gesprächskultur während der Veranstaltung im Evang. Gemeindehaus beweist, dass es möglich ist, sachlich durchaus kontrovers und dennoch in gegenseitigem Respekt und in einem Klima des gegenseitigen Vertrauens die Ausführungen von Linda Valerius zu kommentieren und zu diskutieren. Linda Valerius notiert einige Anfragen, welche sie mit entsprechenden Behörden und Ämtern besprechen wird. Koordination Asyl im Kreis Cochem-Zell - eine Schnittstelle zwischen mehreren Akteuren, vor allem zwischen denen, die einen Auftrag hin zu Flüchtlingen per Gesetz wahrnehmen. Linda Valerius spricht zum Thema aus ihrer langjährigen Erfahrung als Verwaltungsfachangestellte, die Teilnehmer kommentieren und stellen Fragen aus ihrer Sicht als langjährig Engagierte in der Flüchtlingshilfe.
Die inhaltliche Einordnung des Themas in die größeren Zusammenhänge der bundesdeutschen und europäischen Gesetzgebung nimmt Veronika Rass, Pastoralreferentin, zu Beginn der Veranstaltung vor. Sie weist hin auf die Härtefallkommissionen, die in jedem Bundesland in der Bundesrepublik Deutschland existieren, so auch in Rheinland-Pfalz-Eifel-Mosel-Hunsrück. Diese Härtefallkommission prüft in einzelnen begründeten Fällen, ob nicht Gnade vor Recht ergehen muss, zum Beispiel wenn Kinder in Deutschland aufgewachsen sind und eine Abschiebung in das Herkunftsland für Kinder eine unerträgliche Härte bedeuten würden.
Rüdiger Lancelle, ehrenamtlicher Hauptamtlicher der Evang. Gemeinde Cochem, welche dankenswerterweise dem Willkommensnetz die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, bitte alle Teilnehmenden, auf eine kulturelle Veranstaltung des Kath.-Evang. Bildungswerk Cochem am 4. Mai, eine Kooperation mit Apollo-Kino Cochem: „Willkommen auf Deutsch“ hinzuweisen in ihren jeweiligen Kontexten. Sensibilisierung durch Kultur zielt darauf ab, eine breite Öffentlichkeit erreichen und zu motivieren, sich mit dem Schicksal von Flüchtlingen in Deutschland auseinanderzusetzen.
Pressemitteilung des
Dekanats Cochem
