Allgemeine Berichte | 17.09.2014

Einrichtung der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach besteht seit 15 Jahren in Cochem

Tagesklinik Cochem ist Balsam für die Seele

Team feiert Jubiläum mit Bevölkerung bei einem Kinoabend

(v.l.) Anna Frieda Osiander, Dr. Jürgen Reichert, Antonia Igelmund, Dr. Stefan Elsner (Ärztlicher Direktor der RMF), Anja Fuhrmann und Werner Scherer. Es fehlen: Doris van Eeck, Simone Kesseler, Silke Arenz und Eduard Korotkow. privat

Cochem. Wer im Kreis Cochem-Zell an einer psychischen Erkrankung leidet, muss oft viele Kilometer zurücklegen, bis er Hilfe findet. Niedergelassene Psychiater oder ärztliche und psychologische Psychotherapeuten sind in der ländlichen Region rar gesät. Eine Versorgungsstruktur ist kaum vorhanden. Um zumindest einem Teil der Betroffenen lange Anfahrten zu ersparen, hat die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF) die Tagesklinik Cochem eingerichtet, die in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Dr. Stefan Elsner ist ärztlicher Direktor an der RMF. Er war maßgeblich involviert an der Einrichtung der Tagesklinik (TK). „Als wir Mitte der 1990er-Jahre mit der Planung begonnen haben, war die Versorgungsstruktur im Kreis Cochem-Zell sehr dürftig. Die 65.000 Einwohner waren angewiesen, ferne Einrichtungen aufzusuchen. Lange Zeit war die RMF die einzige Klinik weit und breit.“ Auch mit der Tagesklinik hat sich natürlich nicht alles zum Guten gewandt. Die nächste vergleichbare Einrichtung ist in Wittlich. Mit Wartezeiten muss in Cochem gerechnet werden. Elsner formuliert es so: „Weitere niedergelassene Kollegen hätten hier in der Region sicher ihr Auskommen.“ Auch die TK sucht seit Monaten noch einen zweiten Facharzt. Neun Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Tagesklinik in der Avallonstraße, etwa die Hälfte des Teams ist seit den Anfängen im Jahr 1999 dabei. Regelmäßig kommt Unterstützung von Krankenpflegeschülern des benachbarten Marienkrankenhauses, auf dessen Gelände sich die TK befindet. Das eingespielte Team besteht aus Facharzt und -pflegern, Psychologin, Ergotherapeuten und einer Sozialarbeiterin. Dadurch, dass die Mannschaft klein ist, sind auch die Zuständigkeitsgrenzen durchlässig. Anja Fuhrmann, die pflegerische Leiterin, sagt: „Unser kleines Team deckt das gesamte Tagesprogramm ab.“ 15 Patienten werden behandelt, die sich aus allen Altersgruppen zusammensetzen - nur volljährig müssen sie sein, nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Dr. Jürgen Reichert, Facharzt an der TK, sagt: „Allgemein ist zu beobachten, dass unsere Patienten im Laufe der Jahre jünger wurden. Auch hatten wir in früheren Jahren mehr psychotische Patienten. Das hat sich gewandelt. Zu uns kommen vermehrt Betroffene mit Depressionen, Ängsten, Zwängen oder Essstörungen.“ Psychologin Anna Frieda Osiander ergänzt: „Die Leute kommen häufiger in jungen Jahren nicht mehr zurecht mit ihrem Leben, haben Angst vor dem, was kommt.“ Reichert wertet die heterogene Altersstruktur der Patientengruppe als nicht zu unterschätzenden Vorteil: „Sie ist gut. Die Lebenserfahrung älterer Patienten kann für jüngere sehr bereichernd sein.“ Der Kontakt der Patienten untereinander ist ohnehin rege. „Der Austausch ist sehr wichtig. Nicht selten kommen Betroffene zu uns, die lange Zeit keine sozialen Kontakte hatten. Bei uns blühen sie dann richtig auf“, sagt Reichert. So ist denn auch der therapeutische Ansatz auf Gruppendynamik ausgerichtet. Ob Training zur Stressbewältigung, Atem- oder Muskelentspannung, Spaziergänge oder Walking-Einheiten, Ergotherapie oder Singkreis - die Patienten werden gemeinsam animiert. Neben den ausgefeilten Therapiekonzepten gehören aber auch ganz alltägliche „Übungen“ wie Kochen oder Backen zum Programm. Das komplette Angebot hat den Zweck, den Patienten eine normale Tagesstruktur zu schaffen. Osiander erläutert: „Menschen, die zu uns kommen, sind nicht mehr arbeitsfähig, haben Störungen in der Konzentration. Oft fehlt auch der Antrieb, morgens aufzustehen. Wir versuchen, Ihnen wieder Halt zu geben.“ Parallel zu den Gruppentherapien erhalten die Patienten psychotherapeutische Einzelgespräche - auf Wunsch auch mit ihrer Familie. „Das häusliche Umfeld ist ein wichtiger Faktor in der Behandlung. Oft sind die häuslichen Verhältnisse der ausschlaggebende Punkt für einen ambulanten Aufenthalt bei uns oder einen stationären in der RMF“, erklärt Jürgen Reichert. Natürlich gibt es auch Patientengruppen, die in der Tagesklinik Cochem nicht behandelt werden können. „An Demenz Erkrankte können wir nicht aufnehmen. Ebenso können wir Alkohol- oder Drogensucht in der Tagesklinik, die die Patienten ja am Abend wieder verlassen, nicht behandeln“, erklärt Reichert. Betroffene, von denen eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung ausgeht, können nur im „Mutterhaus“ in Andernach betreut werden. Immerhin müssen die Patienten der Tagesklinik in den Nächten oder an den Wochenenden alleine zurecht kommen. Die Tagesklinik ist täglich von 8 bis 16.30 Uhr (freitags bis 15 Uhr) geöffnet und pflegt einen kollegialen Austausch mit dem benachbarten Marienkrankenhaus, wo Dr. Reichert auch konsiliarisch tätig ist. Die Patienten der Tagesklinik gehen zum EKG ins Krankenhaus und erhalten aus der dortigen Küche ihr Mittagessen. Reichert ist froh um die vorhandenen Strukturen: „Es ist eine enge und gute Nachbarschaft.“ Die wollen die Verantwortlichen auch weiterhin mit der Bevölkerung pflegen. Deshalb sind zum geplanten Kinoabend auch die Cochemer eingeladen.

(v.l.) Anna Frieda Osiander, Dr. Jürgen Reichert, Antonia Igelmund, Dr. Stefan Elsner (Ärztlicher Direktor der RMF), Anja Fuhrmann und Werner Scherer. Es fehlen: Doris van Eeck, Simone Kesseler, Silke Arenz und Eduard Korotkow. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Daniela Jacobs: Auch Fußgänger ????? sollten beachtet werden!Wenn jeder nur ein bisschen, wäre vieles einfacher!
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Monatliche Anzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Holz Loth-Entsorgung
Kreishandwerkerschaft
Fahrer gesucht (m/w/d)
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Osterangebot
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Empfohlene Artikel
Trophäe Deutscher Tierschutzpreis.
22

Region. Menschen, Vereine oder Projekte, die sich für den Tierschutz stark machen, können sich zwischen dem 1. April und 17. Mai 2026 für die Auszeichnung mit dem Deutschen Tierschutzpreis bewerben oder von anderen vorgeschlagen werden. Der Deutsche Tierschutzbund verleiht den Preis - unterstützt von den Tiernahrungsmarken Whiskas und Pedigree - am 19. November bei einer feierlichen Gala im Berliner Humboldt Carré.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
8

Aufgrund von Wartungsarbeiten muss´die Stromversorgung zeitweise eingestellt werden

Kein Strom in Sinzig-Westum und Löhndorf

Sinzig. Am Dienstag, 14. April, führt die Rhein-Ahr-AöR Arbeiten an der Wasserversorgung in Sinzig-Westum durch. Zur Sicherheit der Arbeiter muss dazu ein Mittelspannungskabel der Energienetze Mittelrhein (enm) zeitweise abgeschaltet werden.

Weiterlesen

Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel.  Foto:privat
8

Allgemeine Berichte

EIN-Spruch: Fest(e) der Befreiung

Vom 01.-09. April wird die jüdische Pessach Woche begangen, die nahezu zeitgleich zusammenfällt mit der von den Christen begangene Kar- und Osterwoche. Durch Jesus bedingt hängen beide Festtraditionen, auch inhaltlich, miteinander zusammen.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
242

Leserbrief zu „HeimatCheck: Bad Neuenahr: Zu viele unangeleinte Hunde im Stadtgebiet?“

Leserbrief: „Das ist keine Tierliebe, das ist Egoismus!“

Ich bin fast 75 Jahre alt. Seit meinem 17. Lebensjahr habe ich Hunde. Zwei dieser Hunde wurden von unangeleinten Hunden angefallen, und so schwer verletzt, dass sie nur durch hohe tierärztliche Kunst gerettet werden konnten. Beide hatten ihr Leben lang mit den Folgen zu kämpfen.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Daueranzeige
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Dauerauftrag 2025
Alles rund ums Haus
Koblenz blüht 2026
Doppelseite PR/Anzeigen
Koblenz blüht
Anlagenmechaniker
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Tag der offenen Tür
Rund ums Haus
Angebotsanzeige (April)
Anzeige Lange Samstage