Jusos Cochem-Zell gedenken der Opfer des KZ-Außenlagers Bruttig-Fankel
„Trauriges Kapitel unserer Heimatregion darf man nicht vergessen“
Cochem-Zell. Am Sonntag, den 14. September erinnerten die Jusos Cochem-Zell in Bruttig-Fankel an die Opfer des KZ-Außenlagers, das im Jahr 1944 in dem Ort existierte. Das Datum war keinesfalls zufällig gewählt, denn genau am gleichen Tag vor 70. Jahren wurden die Insassen aus strategischen Gründen aus dem Lager evakuiert. Das Außenlager war eines von mehr als 70 Außenlagern des Konzentrationslagers Nutzweiler-Struthof, das sich im Elsass befand. Es wurde im März 1944 aufgebaut und bereits im Septemberdes gleichen Jahres verlassen. Zwischenzeitlich wurden dort über 1000 Kriegsgefangene aus unterschiedlichen europäischen Ländern unter unmenschlichen Bedingungen als Arbeitskräfte bis zum Tod ausgebeutet. „Dieses traurige Kapitel unserer Heimatregion dürfen wir nicht vergessen.“, erklärte der Juso Vorsitzende Markus Müller den anwesenden Gästen bei seiner einleitenden Rede. Beim geladenen Experten handelte es sich um Ernst Heimes. Der in Löf ansässige, gebürtige Cochemer führte jahrelange Rechen zu dem Thema und veröffentlichte seine Erkenntnisse sowie dazugehörige Ausschnitte aus Interviews mit Zeitzeugen in seinem Buch: „Ich habe immer nur den Zaun gesehen.“ Eine von einigen Anwohnern genutzte Erklärung ihrer angeblichen Unwissenheit gegenüber der Existenz des Lagers. Bei seinem Vortrag informierte Heimes die Gäste über die von ihm angewendete Methode der oral history, bei welchem Aussagen von Zeitzeugen mit Archivmaterialien zu einem Gesamtbild zusammengefasst werden, das sowohl informativ als auch fesselnd ist. Des Weiteren las der Autor einige besonders anschauliche Passagen über das Leben im Lager aus seiner Publikation vor, u.a. die Tagebucheinträge eines Wachsoldaten, der sich mit seiner Rolle und dem Leiden der Häftlinge nicht identifizieren konnte, oder auch die Erinnerungen eines ehemaligen Häftlings an eine im Lager stattgefundene Kreuzigung zweier Gefangener, nachdem deren Ausbruchsversuch misslang. In Anlehnung an die genannten Beispiele betonte Heimes, dass es sich bei der Bezeichnung Arbeits- und Außenlager um einen Euphemismus handelte, da an solchen Orten die gleiche Entmenschlichung der Gefangenen durch das Personal und die Umstände stattfand, wie in einem Vernichtungslager. Auch wurden in den Außenlagern die Menschen auf eine ähnlich grausame Art und Weise ihres Lebens beraubt wie in den Vernichtungslagern. Ebenfalls setzte sich der Autor mit der Frage auseinander, wie man sich das Thema vergegenwärtigen sollte. Seiner Meinung ist ein Gedenkstein nicht ausreichend, um sich der an den entsprechenden Orten begangenen Verbrechen zu vergegenwärtigen. Bei einer anschließenden Begehung des ehemaligen Areals erklärte und erläuterte Heimes den Anwesenden den Aufbau des Lagers und die Funktionen der größeren Baracken. Einige der, damals zum Zwecke der Unterbringung und Kontrolle der Häftlinge errichteten, Gebäude wurden in der Nachkriegszeit zu Wohnhäusern umfunktioniert und stehen als solche noch immer im Ort. Bei anschließenden Gesprächen beteiligten sich die Gäste, darunter auch MdL Benedikt Oster, sehr rege. Oster traf den Nerv des Autors, als er fragte, ob Heimes bei der Recherche für das Buch Steine in den Weg gelegt worden seien. Daraufhin schilderte Herr Heimes, dass er in der Tat anonyme Drohanrufe erhielt und dass auch nicht alle Stellen mit entsprechenden Materialien auf Anhieb kooperativ waren. Insgesamt waren die Teilnehmer mit der Veranstaltung sehr zufrieden. Viele äußerten, dass sie in ihrer Jugend viele Geschichten über das Lager gehört hätten, wobei die Palette von energischer Verdrängung bis hin zu Schauergeschichten reichte, sodass es für die Meisten nicht mehr klar erkennbar war, was Fakt und was Fiktion gewesen ist. Herr Heimes hat sowohl mit seinem Werk als auch mit seinem Buch viele Ereignisse klargestellt und mithilfe der Interviews weniger bekannte Tatsachen ans Licht gebracht.
Pressemitteilung
Juso SPD Cochem-Zell
