Allgemeine Berichte | 12.11.2014

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband RLP Kreisgruppe Koblenz

Atomkatastrophe geht weiter

Bewegender Bericht aus Fukushima, Kazuhiko Kobayashi zu Gast bei BUND, Heinrich-Böll-Stiftung und Umweltreportern der Grundschule Moselweiß

Kazuhiko Kobayashi (Mitte) im Schöffenstübchen am Florinsmarkt mit den jungen Umweltreportern der Grundschule Koblenz-Moselweiß. privat

Koblenz. Kazuhiko Kobayashi lebte 29 Jahre im Deutschland. Als er pensioniert wurde, ging er zurück nach Tokio, um dort seinen Ruhestand zu verleben. Die atomare Katastrophe vom Fukushima erschütterte ihn so sehr, dass er heute durch Europa reist, um auf die Gefahren der atomaren Energieerzeugung hinzuweisen. Am 07.11.2014 war Kazuhiko Kobayashi auf Einladung des BUND Koblenz und der Heinrich Böll Stiftung im Schöffenhaus am Florinsmarkt und berichtete bewegend über die Lebenswelt der Kinder im verstrahlten Bezirk bei Fukushima.

Vorab gab er den Umweltreportern der Grundschule Moselweiß ein exklusives Interview. Die Kinder waren beeindruckt, dass es einem Menschen so wichtig ist, seine Lebenszeit dafür einzusetzen, Menschen auf die Gefahren der Atomkraft aufmerksam zu machen. „Hat sich das mit der Radioaktivität gebessert?“, wollte einer der Umweltreporter wissen. Herr Kobayashi schilderte, dass die Radioaktivität sich über die ganze Welt verbreitet. Außerdem haben die Strahlenopfer in Japan genetische Störungen, die vererbt werden können, so dass viele Generationen betroffen sind. „Ich habe großes, großes Mitleid mit den Kindern. Deshalb sammle ich Spenden für diese Kinder. Ich möchte diese Kinder in eine sichere Gegend bringen. Ich mache diese lange Reise - das ist sehr anstrengend für mich - für diese Kinder.“ Denn die Atomkatastrophe sei nicht zu Ende, sie geht immer weiter.

Im darauf folgenden öffentlichen Vortrag führte er in die Historie der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ein, und wie die Auswertung der Strahlenschäden ausschließlich in amerikanischer Hoheit blieb und später durch die Atombehörde IAEA kontrolliert wurde und dabei die Schäden klein geredet wurden. Er sagte, dass es damals den japanischen Ärzten verboten war Strahlenopfer zu behandeln, da man unverfälschte Krankheitsverläufe dokumentieren wollte. Wie dann die Atomkraftwerke als harmlose und positive Energiequelle gepriesen wurden, obwohl früh schon klar war, dass die Technik kaum beherrschbar war und eine Entsorgung ungeklärt blieb. „Dennoch wurden gerade im ständig Erdbeben ausgesetzten Japan sehr viele AKW gebaut. In den Folgejahren wurden Probleme oder Störfälle konsequent vertuscht, begünstigt durch die japanische Tugend nie Vorgesetzte zu kritisieren“, so Kobayashi. Nach dem GAU häufen sich die vorher unbekannten Schilddrüsenkarzinome bei Kindern. „Zusammenhänge zur Verstrahlung werden als unbeweisbar bagatellisiert. Die Kinder sollen zwecks Dokumentation der Krankheitsverläufe in der Region bleiben“, befürchtet er.

Die Bilder zeigten, dass normales Leben innerhalb der verstrahlten Region nicht mehr möglich ist: Nachdem durch Bodenabtragung ein Garten oder Grundstück dekontaminiert wurde, ist nach einigen Monaten durch Staubverwehung und Niederschlag wieder alles verstrahlt. Kinder können nicht draußen spielen.

Hier setzt Kazuhiko Kobayashi an: Er sammelt Spenden um Kindern und Familien Kurzurlaube am Meer in einer unverstrahlte Region südlich von Tokio zu ermöglichen. Viele Kinder können so erstmals nach der Atomkatastrophe vor dreieinhalb Jahren im Matsch spielen oder auf einer Wiese Blumen sammeln. Kobayashi abschließend: „Wenn eine Gesellschaft nicht mehr für ihre Kinder sorgt, bringt sie sich um ihre eigene Zukunft. Denn wir Einzelne leben nicht ewig.“ Die beeindruckten Zuhörer spendeten reichlich zur Unterstützung dieser Kinderfreizeiten.

Kazuhiko Kobayashi (Mitte) im Schöffenstübchen am Florinsmarkt mit den jungen Umweltreportern der Grundschule Koblenz-Moselweiß. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Schulze Klima -Image
Innovatives rund um Andernach
Anzeige KW 14
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern
Stellenanzeige Personalreferent/in
Empfohlene Artikel
Bei Baggerarbeiten auf dem Rhein wurde am Gründonnerstag an der Baustelle für den Neubau der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt.
7

Koblenz. Bei Bauarbeiten in Koblenz gab es einen Kampfmittelfund. Konkret wurde bei Baggerarbeiten im Rhein im Bereich der Baustelle für den Neubau Pfaffendorfer Brücke ein Blindgänger gefunden. Es handelt sich dabei um eine 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem intakten und einem abgebrochenen Zünder. Diese wurde auf das mit den Baggerarbeiten tätige Schiff geladen.

Weiterlesen

Straßenmalerei
19

Über Nacht waren sie da: kleine gemalte Kunstwerke und Hingucker auf Pflastersteinen in der Eltzerhofstraße. Aus Kinderhand auf den Boden gebracht zeigen sie, was im Stadtbild möglich ist und laden zum Betrachten (und zur Anregung) ein.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Unfallstelle.
370

Die Frau verlor in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug

06.04.: 32-Jährige stirbt bei schwerem Motorradunfall

Isselbach. Am 6. April 2026, etwa um 14:50 Uhr, kam es auf der Landstraße 313 in der Nähe von Isselbach zu einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem eine 32-jährige Motorradfahrerin aus dem Westerwaldkreis tödlich verunglückte.

Weiterlesen

Die gesamte Gruppe mit Kindern, Jugendlichen und Leiterteam im diesjährigen Freizeit-T-ShirtFoto: privat
7

Gemeinschaft und Spaß: Schützenjugend erlebt intensive Ferientage

Vier Tage voller Erlebnisse: Osterfreizeit begeistert erneut

Altendorf-Ersdorf. Vom 28. bis zum 31. März 2026 erlebten 20 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 16 Jahren vier ereignisreiche Tage im Landschulheim in Berg-Freisheim. Unter der Leitung von Jungschützenmeister Christian Klein fand dort die diesjährige Osterfreizeit der St. Sebastianus Schützenjugend Ersdorf-Altendorf statt. Auch in diesem Jahr nahmen wieder zahlreiche Nichtmitglieder teil, was die Offenheit und Attraktivität des Angebots unterstreicht.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag Imageanzeige
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Doppelseite PR/Anzeigen
Titel
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Kreishandwerkerschaft
Stellenanzeige
Angebotsanzeige (April)
Mitarbeiter IT-Administrator
Stellenanzeige Kita