13. Lange Nacht der Museen in Koblenz
Da konnte man was erleben
28 teilnehmende Häuser luden ein zu unzähligen Kunstaktionen mit Rahmenprogramm
Koblenz. In den sechs Stunden der „Langen Nacht der Museen“ alle Museen und Galerien zu besuchen, ist schlichtweg unmöglich. Da gilt es, Schwerpunkte zu setzen, um den individuellen kulturellen Geschmack optimal zu bedienen.
Eröffnung im Mittelrhein-Museum
Eine gute Wahl war es, im zentral gelegenen Mittelrhein-Museum im Forum Confluentes zu beginnen. Dort eröffnete Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig die Museumsnacht. Einen Quantensprung nach vorne habe das Museum mit dem Umzug gemacht, es sei zu einem Wohlfühlort geworden, meinte er. In der Dunkelheit der Museumsnacht erstrahle die Kultur nicht nur hier, sondern überall in der Stadt in ganz anderer Weise. Natürlich begrüßte auch der Direktor des Mittelrhein-Museums, Dr. Markus Bertsch, die Besucher, die er einlud, zu erleben, wie die Kunstwerke in den neuen Räumen nun „endlich aufatmen“ könnten. Er stellte das facettenreiche Nacht-Programm des Museums vor, das mit dem Angebot einer Freiluftkunstwerkstatt mit Atelier Mobil und einer Museumsrallye durch die Dauerausstellung besonders kinderaffin ausgerichtet war. Bertsch selbst bot eine Führung durch die Sonderausstellung „Die Natur des Menschen“ mit Werken des Künstlers Jochen Hein an. Speziell für die Museumsnacht war eine sehr besondere Ausstellung installiert. Gezeigt wurden die Werke der von dem Schauspieler Jona Mues dargestellten Künstler-Figur „Hans-Helge Bousset“ aus John von Düffels „Alle 16 Jahre im Sommer“. Aus der Kooperation mit dem Theater der Stadt ging zudem wieder einmal das Angebot hervor, sich von Schauspielern als „Human Audio Guides“ einzelne Bilder nahe bringen zu lassen. Eine von ihnen war Claudia Felke, die den erklärenden Text zu dem Koblenzer Tuch-Bild „Bogen“ von Susanne Krell nicht sang, aber immerhin vorlas. Im Foyer des Museums hatte Lichtdesigner Garry Krätz interessante Farblicht-Effekte arrangiert.
Zur Weiterfahrt in die lange Nacht, zumindest zum Ludwig-Museum, bot sich ein Planwagen an.
Ein ganz besonders entschleunigendes Erlebnis, dem die PS-stärkeren Verkehrsteilnehmer eher mit Ungeduld begegneten. Im Ludwig-Museum war neben der Kunst auch viel Musik angesagt. „Das junge Vokal-Ensemble St. Josef“, Livemusik des Düsseldorfer Quartetts „Uwaga!“ und eine Ballettszene wurden angeboten. Andere Aktionen richteten sich, angelehnt an die aktuelle Ausstellung „La qualité de l’ombre - Von der Natur des Schattens“, vornehmlich an Familien mit Kindern. Für die „Art-Caching“-Teilnehmer war das Museum zudem einer von zwanzig Orten, an dem eine für das Gewinnspiel wichtige Antwort gefunden werden konnte. Mit den Fragebögen in der Hand umstanden zahlreiche Kunstdetektive das Kunstwerk, das als „Nicht Grün“ eine von fünf geforderten Lösungen lieferte.
Um zum nächsten teilnehmenden Haus zu gelangen, ließ sich, je nach Zielort, kostenfrei entweder der halbstündlich verkehrende KVS-Busshuttle nutzen oder aber die kostenpflichtige Seilbahn. Doch zu Fuß ging es auch.
„Himmelskörper“ in der Kunsthalle
Werke des renommierten Bopparder Künstlers Aloys Rump zeigte in ihrer Ausstellung „Himmelskörper“ die Kunsthalle Koblenz. Laut Programm sollte Rumps 2010 entstandenes Werk „Entfärbte Schatten“ zugunsten der Rotary Polio-Stiftung versteigert werden. Leider war die Auktion nicht öffentlich, geboten wurde im Stillen.
Das Höchstgebot von 850 Euro sei von einem Bieter über das Internet gekommen, erklärte der Kunsthallen-Inhaber, Oliver L. Zimmermann. „Keramik dieser Welt“ heißt die Ausstellung in der Galerie Handwerk, die noch bis zum 29. September zu sehen ist. Gezeigt werden sehr unterschiedliche, die Vielseitigkeit des Werkstoffs herausstellende Arbeiten des Internationalen Keramiksymposiums Römhild.
Auch auf der rechten Rheinseite, sehr konzentriert in Ehrenbreitstein, warteten zahlreiche Galerien und natürlich auch das Rhein-Museum auf Besucher. „Bei uns wird nicht getanzt, wir singen auch keine Lieder. Wir wollen zeigen, was im Museum passiert“, sagte Rhein-Museumsleiter Dr. Rainer Doetsch. Mehr als 400 Besucher ließen sich sehr gerne zeigen, was die halbstündlich angesetzten Themen-Führungen hergaben. Als „Verrücktes aus dem Museum“ präsentierte Doetsch zum Beispiel die mit dem Aufdruck „Rüdesheim“ versehene kleine Südseeschnecke, in die eine winzige Negerpuppe hineingesetzt war. Eines von vielen verrückten Reiseandenken. „Mir zieht so etwas immer die Schuhe aus“, sagte Doetsch, als er weitere kuriose Stücke der Sammlung zeigte. Aber auch das gehöre eben zur Rhein-Kultur. Noch viel mehr interessante Geschichten zu den Ausstellungsobjekten und wie sie ins Museum gelangten, hatte Doetsch zu erzählen.
Wenn die lange Museumsnacht doch nur noch länger gewesen wäre, dachte sich mancher Kunstfreund, als um 1 Uhr schließlich Schluss war. Man wollte doch noch hier - oder dorthin. Das muss jetzt bis zum nächsten Jahr warten, wenn es eine Neuauflage dieser besonderen Veranstaltung gibt.
Rainer Doetsch, Leiter des Rhein-Museums im Stadtteil Ehrenbreitstein, wusste die Besucher mit seinen Führungen zu faszinieren.
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