Allgemeine Berichte | 07.01.2015, 11:16 Uhr

Klaus Dieter Regenbrecht schlug eine Laufbahn als Schriftsteller ein

Die Sprache bereitet ihm viel Freude

Klaus Dieter Regenbrecht ist mit Leidenschaft Schriftsteller. BSB
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Koblenz. 40 Jahre lang ist Klaus Dieter Regenbrecht aktiver „Schreibtäter am Triebtisch“, lebt er sein persönliches Abenteuer Literatur, wie er selbst es formuliert. Die Initialzündung lieferte ein Sportunfall im Jahr 1974, über dessen Folgen, den Aufenthalt in der Universitätsklinik Tübingen, er fünf Tage später das Gedicht „Auf dem Rücken“ verfasste. Von da an ließen den 24-Jährigen Prosa und Lyrik nicht mehr los. Die Teilnahme an einem Lyrik-Seminar im Rahmen seines Lehramts-Studiums, bei dem er unter anderem Amerikanistik/Anglistik belegt hatte, habe ihn weiter zum Schreiben angeregt. Doch ob „Schriftsteller“ der richtige Lebensweg sein würde, dessen war er sich damals noch nicht sicher. Weitere zehn Jahre dauerte es, bis er sich klarmachte, dass trotz immer wieder veränderter Lebensverhältnisse (1983 wurde er das erste Mal Vater) das Schreiben nicht nur eine Laune war, sondern Bestand hatte. Deshalb legte er das Examen für das Lehramt an Gymnasien nicht mehr ab, sondern entschied sich dafür, in Koblenz, der Stadt, in der er seine Kindheit und Jugend verlebte, eine Laufbahn als Schriftsteller zu beginnen.

Eigenen Verlag gegründet

Dazu stürzte er sich 1984 zunächst in das Abenteuer, einen eigenen Verlag zu gründen: „Tabu Litu“, den er auch heute noch führt, in dem allerdings - bis auf eine Ausnahme - ausschließlich seine eigenen Werke herausgebracht worden sind. Mit dem Verlag wollte er sein in zehn Jahren entstandenes Sammelsurium lyrischer Texte in magischen neun Bänden unter dem Namen „Tabu Litu - ein documentum fragmentum in neun Büchern“ veröffentlichen. Aber, so Regenbrecht, der Plan verselbständigte sich, alles kam ganz anders. Schon nach vier Bänden waren die Texte „abgearbeitet“. Die Bände 5 bis 7 und 9 wurden zu eigenständigen Romanen, in Band 8 versammelte der Schriftsteller-Novize „vermischte Texte“, darunter verschiedenartige Prosagedichte. Dieses große Projekt, das er im ehemals elterlichen Haus neben seinem „Job“ als Hausmann bearbeitete, war 1999 - sein zweites Kind war jetzt schon zwölf Jahre alt - abgeschlossen. Regenbrecht gibt zu, dass er mit dem Schriftstellertum seine Familie finanziell nicht hätte durchbringen können, aber sich selbst konnte er wohl ganz gut über Wasser halten. Besonders erträglich seien die Lesungen gewesen, die er im Südwestfunk halten durfte. „Das wurde gut bezahlt“, erinnert sich Regenbrecht. Zusätzlich gab er als selbstständiger Dozent Kurse für „kreatives Schreiben“ und bietet auch heute noch Englisch-Kurse an, vornehmlich im Bereich technisches Englisch, jetzt in Festanstellung in Teilzeit an der berufsbildenden Carl-Benz-Schule.

Literatur ist ihm wichtig

In den ersten zehn Jahren seines Schriftsteller-Daseins sei zudem die Literaturszene sehr rege gewesen. Da habe er sich im Verband deutscher Schriftsteller, bei der von ihm mit gegründeten Autorengruppe Koblenz und bei dem aus zwei Schriftsteller-Förderkreisen hervorgegangenen „Literaturwerk Rheinland-Pfalz-Saar“ vielseitig einbringen können. Die vom Literaturwerk alle zwei Jahre veranstalteten Literaturtage organisierte Regenbrecht 1996 in Koblenz. Doch eigentlich seien das Organisatorische und die Arbeit in der Öffentlichkeit weniger sein Ding, er wolle in erster Linie schreiben, korrespondierend mit der Literatur, die ihm ständige Muse ist. Er selbst fühlt sich besonders in der amerikanischen Literatur zu Hause, liest Werke von Schriftstellern wie Paul Auster, T. C. Boyle oder Raymond Chandler. Zusätzlich sei er bestrebt, sich ein Standbein in Germanistik zu schaffen. Was er schreibt, schreibe er nicht, um die Welt zu verbessern, sondern aus Freude an der Sprache.

Bereits 18 Bücher geschrieben

Für einen seiner besten Romane hält er die „Rheinlandpapiere oder die Tricks der Bücher“, 1999 erschienen. Bei den Lesern kämen allerdings besser die „kürzeren Sachen“ an, wie die knapp hundertseitigen Erzählungen „Jäger und Gejagter - Tod eines Doppelgängers“ oder „Die Reisen des Johannes“, bei der Koblenz einer der Haupt-Handlungsorte ist. Knapp 400 Seiten umfasst „Goldpfad 10“, ein Schlüsselroman mit stark autobiografischen Zügen, wie Regenbrecht ausführt. Die grundsätzliche Geschichte sei wirklichkeitsnah, doch je privater es werde, desto fiktiver seien seine Ausführungen. Und auch in anderen Büchern schimmert immer wieder einmal etwas aus dem Leben des Autors durch. Mittlerweile hat er es auf 18 Bücher gebracht, die Cover gestaltet er selbst. Gerade ist die überarbeitete Neuauflage seines „Jonas von Dohms zu Brügge“ veröffentlicht worden. Damit habe er sich den eigenen Wunsch erfüllt, einmal einen Schelmenroman zu schreiben. Die Idee lieferte ihm Henry Fieldings „Tom Jones - Die Geschichte eines Findelkindes“ aus dem Jahr 1741. Regenbrecht hat in seinem Roman die Handlung in die heutige Zeit übertragen und die Familiengeschichte mit viel Zeitgeist, Witz und Erotik gewürzt. Um Handlungsorte und Historie nah an der Realität zu halten, recherchiert der Autor fast ausschließlich im Internet. Das könne jedoch nicht das dem Leser zu vermittelnde Gefühl für Orte ersetzen, das sich am besten entwickele, wenn man persönlich einmal dort war.

Die erste Literatur-Auszeichnung

2014 ist nicht nur wegen „Jonas“ ein „verdammt tolles Jahr“ für Regenbrecht gewesen. Es brachte ihm endlich die erste Literatur-Auszeichnung. Mit einem Text aus seinem Roman „Stellas Promotion“ belegte er den ersten Platz bei dem „Landschreiber-Wettbewerb“ zum Thema „Mit Sprache über Sprache“. Auch finanziell sei das Jahr ein gutes für ihn gewesen. Erstmalig habe er nur schwarze Zahlen geschrieben, sagt er ganz offen. So kann er mit einer gewissen Gelassenheit seinem nächsten literarischen Jahr entgegen sehen und auf den „richtig guten Clou“ warten, mit dem es ihm irgendwann gelingen soll, den Fuß in die entscheidende Tür der Literaturszene zu bekommen. Die trete in Koblenz eher auf der Stelle, meint Regenbrecht. Die Plattform für die von ihm geschätzten 500 Autoren im nördlichen Rheinland-Pfalz mit dem Zentrum Koblenz sei viel zu klein. Früher habe es mehr Aufmerksamkeit für die heimischen Literaten und ihre Erzeugnisse gegeben.

Viel Eigeninitiative ist nötig

Heute müssen die Autoren viel eigene Energie in die Steigerung ihres Bekanntheitsgrades investieren. Regenbrecht nutzt auch dafür vornehmlich das Internet. Schon 1998 entwickelte er seinen Internetauftritt „www.kloy.de“. Zudem stellt er Leseproben bei „YouTube“ ein und hält Interessierte auf seiner „Facebook“-Seite auf dem Laufenden.

Wenn 2015 ihm einen neuen Schreibschub beschert, wird vielleicht auch sein Essay über die Rheinromantik zum Ende kommen, die ersten 90 Seiten sind immerhin schon seit acht Jahren fertig, verrät Regenbrecht.

Klaus Dieter Regenbrecht ist mit Leidenschaft Schriftsteller. Fotos: BSB

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