Ukrainische Kultur erleben
Fotoausstellung in Koblenz: Wyschywanka-Tracht als Symbol von Würde und Heimat
aus Koblenz
Koblenz. Die Weinlounge der Tourist-Information Koblenz wird in diesen Tagen zu einem ungewöhnlichen Ort der Begegnung. Ukrainerinnen und Ukrainer in bestickter Tracht — der Wyschywanka — stehen vor deutschen Landschaften, in deutschen Städten, auf deutschen Plätzen. Und doch wirken sie nicht fremd. Sie wirken: angekommen. Und zugleich: unerschütterlich sie selbst.
Die Fotografin hinter diesen Bildern ist Marianna Karabut. Geboren in Charkiw, einer der am heftigsten bombardierten Städte der Ukraine. Heute lebt sie in Koblenz — nicht aus freiem Willen, sondern weil Russland ihr die Wahl abnahm.
Zwei Anlässe. Eine Botschaft.
Die Ausstellung ist kein Zufall in dieser Woche. Sie findet zu zwei bedeutsamen Anlässen statt: dem Wyschywanka-Tag — dem ukrainischen Fest der bestickten Tracht als Symbol nationaler Identität — sowie dem Gedenken an die ukrainischen Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Denn die Ukraine verlor im Zweiten Weltkrieg Millionen Menschen — und erhielt danach nie die internationale Aufmerksamkeit, die ihr zustand. Jahrzehntelang blieb dieses Leid im Schatten der großen Narrative. Diese Ausstellung ist auch ein Akt der Erinnerung: nicht in Stille, sondern im Aufleuchten von Kultur, Sprache und Würde.
„Heimat ist kein Ort.
Heimat ist das, was man in sich trägt.“
— Marianna Karabut
Was wie ein Verlust begann
Als Russland am 24. Februar 2022 seinen vollumfänglichen Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, musste Marianna Karabut mit ihrer Familie alles zurücklassen. Sie floh — wie Millionen andere. Und fand in Koblenz Zuflucht.
Was wie ein Verlust begann, wurde zu einer neuen Form des Schaffens. Ihre Kamera wurde zur Brücke: zwischen Kulturen, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Schmerz und Schönheit. Sie fotografierte Ukrainerinnen und Ukrainer in traditioneller Wyschywanka an verschiedenen Orten in Deutschland — und schuf damit eine Serie, die weit mehr ist als Dokumentation.
Ukrainische Kultur lebt — und muss gefeiert werden
Sprache, Tradition und kulturelles Erbe sind kein Relikt der Vergangenheit. Sie sind Ausdruck von Widerstandskraft und Würde eines Volkes, das heute erneut um seine Existenz kämpft. Marianna Karabut zeigt: Identität verschwindet nicht, wenn man den Ort wechselt. Sie verwandelt sich, reist mit — und blüht auf, manchmal gerade dann, wenn der Boden fremd ist.
Diese Ausstellung feiert das Leben. Als stärkste Form des Gedenkens. Als Appell an die Weltgemeinschaft, hinzusehen — heute, wie damals.
Die Vernissage findet statt am Sonntag, 10. Mai 2026, um 14:00 Uhr in der Weinlounge der Tourist-Information Koblenz (Stadtbibliothek). Der Eintritt ist frei. Alle sind herzlich willkommen.
