Allgemeine Berichte | 29.06.2026, 10:00 Uhr

Heimatfeiern in St. Peter

Heimat - Der Sockel der Seele

St.Peter am Rhein - 1725 errichtet.
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Koblenz-Neuendorf. Dieser Freitag war ein Saharafreitag, 41 Grad, kein Wind zu spüren, nur Sonne pur.

Alle flüchteten in die Kirche von Koblenz-Neuendorf. Hier in St. Peter war es wunderbar kühl. Hier durfte jeder auch sein Bierchen, seine Weinschorle, was auch immer mitbringen.

Paula, der Hund von Hausmeister Wagner war nur noch zwischen der Kirche und dem Bad im Rheinwasser zu bewegen.

Um 17.30 traf Pfarrer Seis ein, der vier Gemeinden betreut: Lützel, Neuendorf, Wallersheim und Kesselheim. Er stimmte mit der Leiterin des Kultursalon Koblenz Petra Lötschert die Redefolge ab und dann ging es los. So startete das 301. Patronatsfest am Neuendorfer Ufer.

Redekunst

Die Rhein-Autorin Petra Lötschert begann mit eigener Lyrik „Auenland“ ihre Begrüßungsrede. Eine Laudatio auf das Auenreich, die das Rheindorf immer noch umgibt und mit Schifffahrtswirtschaft und Technik reglementiert wurde. Dann erklärte Petra Lötschert, die auch den Kultursalon Koblenz leitet, die besondere Wortkreation von Pfarrer Oliver Seis „BeHAUSt“. Dieses Adjektiv wollte er auf jedem Roll up, insgesamt 20, haben. „BeHAUSt“ bedeutet ansässig, beheimatet sein. In diesem Beiwort steckt bereits das Wort Haus, eine Heimat haben. Lötschert betonte in der Begrüßungsrede den starken Gemeinschaftssinn, die Identitätsstärke des alten Fischer-, Schiffer- und Flößerdorfes, entstanden durch den Kampf mit den Naturgewalten: Hochwasser, Eisgang, Starkregen. Oliver Seis hingegen betonte das Wort Heimat im globalen Zusammenhang wie auch als Täuschungswort für politische Zwecke.

Vorbild für Nachbarflüsse

Diese Ausstellung soll zur Wanderausstellung an den Flüssen werden. Rhein und Mosel sind flache Gewässer und haben in ihren Dörfern einen ähnlichen Baustil aufzuweisen.

Viele Flussbewohner sind heute noch von Hochwasser, Eisgang, Starkregen bedroht. Neuendorf besitzt seit 2015 eine mobile Hochwasserschutzmauer, die zeitig eingerichtet werden kann und vor vielen Gebäudeschäden schützt. Sie besteht aus mobilen Elementen aus Aluminium, kombiniert mit festen Mauern, Dämmen, Spundwänden. Diese mobile Schutzwand zahlte zu 90% das Land Rheinlandpfalz rund 55 Millionen Euro. Die schützende Wand greift von Lützel, über Neuendorf bis hin nach Wallersheim.

Hochwasser- und Eisgangspuren

Wer die Kirche von St. Peter betritt, sieht wie noch die Höhe der Wasserstandspuren an den Wänden. Mauern sind teils aufgebrochen, der Putz hat sich an einigen Stellen durch die Naturgewalt

weggesprengt. Mauerkanten lösten sich auf. Renovierungsstau, Kosten 500.000 Euro. Die vielen Handwerkerbetriebe, die einst in den unzähligen Gassen wohnten, sind nicht mehr im Ort, die diese hätten wie früher oft der Brauch alles in Eigenarbeit erneuert. St. Peter ist damit ein Zeitzeugnis. Vielen Kirchen am Ufer von Rhein und Mosel geht es heute noch so.

Fotodoku besiegt Saharawetter

Die Vernissage war trotz Saharasonnenglühen gut besucht und zählte mehr als 70 Gäste. Die Fotodokumentation zu Haus und Mensch im Zeitbereich von 2 Jahrhunderten hatte die Besucher angesprochen. Auffällig war man setzte sich mit den Dokumentationen länger als vermutet auseinander. Das spricht für ihre Fotoauswahl und den dazugehörigen Text. Die Fotos heute schoss Markus Redert, die historischen Abzüge entstammen der Sammlung von Ortschronisten Willi Gabrich und seinen Zulieferern, die auf den Kultur-Roll-ups zu finden sind.

Information als Gewinn

Diese soziokulturelle Ausstellung läuft unter freiem Eintritt. Die Kirche ist von 9-18 Uhr geöffnet. Führungen für Geschichts-, Kunstgeschichts-interessierte, Schulen, Unternehmen können über das Pfarramt Neuendorf bis zum 31. August gebucht werden. Herzlich willkommen zu einem informationsreichen Ausflug nach St. Peter, danach kann man, um runterzukommen, die grüne, blühende Auenlandschaft vor der Haustür zu genießen. Neuendorf hat viele Facetten. Willkommen in einem alten traditionsreichen Fischer- und Flößerdorf am Rhein.

Pressemitteilung Kultursalon Koblenz

Hochwasserschäden im Kircheninnern - ein Mahnmal.

Hochwasserschäden im Kircheninnern - ein Mahnmal. Foto: Petra Lötschert

Das Wasser hat seine Zeichen hinterlassen. Heute ist die Anlage von mobilen Hochwasserwänden geschützt.

Das Wasser hat seine Zeichen hinterlassen. Heute ist die Anlage von mobilen Hochwasserwänden geschützt. Foto: Petra Lötschert

Eine Ausstellung rund um den Altar.

Eine Ausstellung rund um den Altar. Foto: Petra Lötschert

Erinnerungen an die Ausstellung 2025. Kinderbänder bedecken Hochwasserschäden.

Erinnerungen an die Ausstellung 2025. Kinderbänder bedecken Hochwasserschäden. Foto: Petra Lötschert

Hochwasser wie Eisgang brachten jährlich Veränderungen.

Hochwasser wie Eisgang brachten jährlich Veränderungen. Foto: Ortsarchiv: Willi Gabrich

St.Peter am Rhein - 1725 errichtet. Foto: Petra Lötschert

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