Politik | 14.12.2013

Caritas und SkF warnen vor geplanten Sparplänen des Landes Rheinland-Pfalz

Hilfe für Schwangere soll gekürzt werden

Melanie Sachtleben, Dr. Birgit Kugel, Daniela Veith und Helma Göbel fordern: keine Kürzungen bei den Beratungsstellen.privat

Koblenz. Weniger Qualität und weniger Vielfalt bei der Schwangerschaftsberatung: Das befürchten die Caritas und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), falls die rheinland-pfälzische Landesregierung ihre Sparpläne wahr macht. 16 von 116 derzeit geförderten Vollzeitstellen sollen bis 2015 gestrichen werden. So will das Land 500.000 Euro einsparen. Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Kugel erklärte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Koblenz: „Hier wird genau an der falschen Stelle gespart. Es wird besonders die treffen, die ohnehin keine Lobby haben - sozial Schwache, Frauen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Familien mit vielen Kindern.“ Die Kürzungen würden für die Schwangeren längere Wartezeiten und ein reduziertes Angebot bedeuten, unterstrich auch Melanie Sachtleben, Diözesanreferentin des SkF.

Jede 5. Schwangere sucht Rat

Gesetzlich vorgeschrieben sei ein Mindestschlüssel von einer Vollzeitstelle pro 40.000 Einwohner, in Rheinland-Pfalz wären das genau 100 Stellen. Der bisherige Beratungsbedarf zeige aber, dass die 116 vom Land geförderten plus acht zusätzlich von der katholischen Kirche finanzierten Stellen völlig ausgelastet seien, sagte Kugel. Insgesamt 8.000 Ratsuchende wendeten sich 2012 an eine der 34 katholischen Beratungsstellen - und damit mehr als jede fünfte Schwangere. „Das Angebot geht dabei weit über die eigentliche Schwangerschaftsberatung hinaus“, betonte Daniela Veith, Geschäftsführerin des SkF Koblenz. „Unsere Beraterinnen geben praktische Hilfestellung in rechtlichen und finanziellen Fragen, sie beraten die Frauen bei psychosozialen Problemen. Hier in Koblenz haben wir beispielsweise auch viele weiterführende Angebote unter einem Dach, etwa das Projekt „Jump“ für sehr junge Teenager oder einen Beratungsdienst für Mütter und Väter mit Suchtproblemen.“ Die Fälle seien sehr individuell und manche Frauen und Familien begleite die Beratungsstelle bis zu drei Jahre lang. Wichtig sei vor allem das Vertrauensverhältnis zwischen den Beraterinnen und den Hilfesuchenden.

Schnelle Hilfe sei wichtig

Helma Göbel ist eine der drei Koblenzer Beraterinnen des SkF. Gemeinsam mit zwei Teilzeitkräften hat sie 2012 rund 450 Frauen beraten, durchschnittlich sechs Kontakte gibt es pro Gespräch. Sollten die geplanten Kürzungen tatsächlich umgesetzt werden, müssten die Frauen viel länger auf Termine warten, erklärt sie. Dabei sei schnelle Hilfe in den meisten Fällen dringend nötig. „Das beginnt bei Behördengängen oder beim Schreiben eines Lebenslaufes und hört auf bei Nothilfen, wenn etwa Sozialleistungen zu spät beantragt wurden und auf dem Konto schlichtweg kein Geld mehr ist.“ Hier könnten die Beratungsstellen etwa auf Gelder aus den Hilfsfonds der Bistümer zurückgreifen. Sachtleben ergänzte, dass den Beratungsstellen auch eine wichtige Rolle bei der Prävention zukomme. „Die Beraterinnen gehen etwa in Schulen und klären Jugendliche über die Konsequenzen einer Schwangerschaft auf oder geben Kurse für junge Mütter im Umgang mit Neugeborenen, die einer Überforderung vorbeugen können.“ Die geplanten Kürzungen liefen dabei auch den Forderungen des Bundes entgegen, die Beratung etwa bei der Pränataldiagnostik und den frühen Hilfen weiter aufzustocken. „Eine bewährte und gesellschaftlich dringend benötigte Versorgungsstruktur wird hier aufs Spiel gesetzt. Das sollte die Landesregierung bedenken“, appellierte Kugel.

Pressemitteilung der

Bischöflichen Pressestelle Trier

Melanie Sachtleben, Dr. Birgit Kugel, Daniela Veith und Helma Göbel fordern: keine Kürzungen bei den Beratungsstellen.Foto: privat

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