Allgemeine Berichte | 29.04.2026

Lahnstein hat Geschichte, Folge 894

Johanna (von) Astudin-Meineke: Die Kraft der Tierporträts

Treidelpferde vor Braubach, Ölgemälde der Johanna Astudin, vermutlich hat der Hintergrund ihr Mann gemalt.

Lahnstein. Johanna Astudin-Meineke war eine Künstlerin von außergewöhnlichem Format, die auf zahlreichen Ölgemälden ihr großes Talent für die Tiermalerei bewies. Ihr Hauptmerkmal galt Pferden aller Rassen, die sie in den unterschiedlichsten Situationen meisterhaft festhielt.

Geboren wurde sie als Johanna Auguste Wilhelmine am 22. November 1868 in Braubach. Sie war die Tochter des Berliner Zivilingenieurs Christian Meineke und seiner aus Hettstedt stammenden Frau Amalie, geborene Dammann. Zum Zeitpunkt der Geburt ihres Bruders Felix im Jahr 1877 lebte die Familie bereits in Oberlahnstein, wo der Vater mittlerweile als Chemiker tätig war.

Wann und wo Johanna ihren späteren Ehemann Nikolai Astudin, den bekannten Landschaftsmaler, kennenlernte, ist nicht überliefert. Den gebürtigen Russe, der in ganz Europa wirkte, heiratete sie 1896 in Alexandrow bei Torun (Thorn) im heutigen Polen. Das Paar führte ein bewegtes Leben mit häufigen Wohnsitzwechseln – belegbar sind Kassel, Bonn und Halle an der Saale – sowie gemeinsamen Reisen nach Italien. 1912 zogen sie nach Oberlahnstein, wo sie sich 1915 ein Haus mit Atelier in der Gymnasialstraße erbauen ließen. Hier verbrachten sie ihre weiteren Lebensjahre.

Johanna nahm bei ihrem Mann Malunterricht und verfeinerte ihren Malstil. Ob beim Treideln, bei der Feldarbeit, auf der Weide oder im Galopp: Ihre Werke wirken sehr ausdrucksstark und zeugen von einer tiefen Leidenschaft für Pferde. Auch Füchse und Hunde zählen zu ihren Motiven. Eine Kunstausstellung mit einer Auswahl ihrer Bilder ist derzeit im Theater Lahnstein im Nassau-Sporkenburger Hof zu sehen.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1925 widmete sie ihm das Gedicht „Unsterblich“. Diesen Verlust konnte sie nie ganz verwinden und wählte am 16. Dezember 1928 im Rhein den Freitod. Da ihre Kleidung am Braubacher Ufer gefunden wurde, musste sie nach damaligem Recht auch in Braubach bestattet werden.

Ende 1961 beschloss der Stadtrat von Oberlahnstein dem Ehepaar Astudin auf dem Friedhof Sebastianusstraße eine gemeinsame Grabstätte zu widmen und ordnete die Überführung der sterblichen Überreste an. Dabei wurde Johannas Grabstein neu gesetzt, während die Grabplatte ihres Mannes beigefügt wurde. Nach der Räumung des Alten Friedhofs fanden beide Steine ihren endgültigen Platz vor der Leichenhalle auf dem Friedhof Braubacher Straße, wo sie heute vereint stehen.

Johanna Astudins Bruder Felix Meineke überließ als Nachlassverwalter im April 1928 der Kaiser-Wilhelm-Schule Küchengeräte und eine umfangreiche Bibliothek. Etwa 40 ungerahmte Ölgemälde wurden von der Stadt aus dem Schuletat erworben und in den städtischen Volksschulen aufgehängt.

Johanna Astudin-Meineke bleibt der Nachwelt vor allem durch ihre Pferdedarstellungen in Erinnerung. Bereits um 1910 veröffentlichte ein Kasseler Kunstverlag sechs ihrer Motive als Postkarten, eines davon sogar als hochwertigen Öldruck.

Die Ausstellung mit Werken des Künstlerehepaars Astudin ist noch bis 3. Mai im Nassau-Sporkenburger Hof in der Johannesstraße 20 zu den Veranstaltungen des Theaters sowie mittwochs von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

„Frühstückspause bei der Feldarbeit“ – Ansichtskarte nach Vorlage eines Gemäldes der Johanna Astudin-Meineke.

„Frühstückspause bei der Feldarbeit“ – Ansichtskarte nach Vorlage eines Gemäldes der Johanna Astudin-Meineke. Foto: Johanna Astudin-Meineke

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Treidelpferde vor Braubach, Ölgemälde der Johanna Astudin, vermutlich hat der Hintergrund ihr Mann gemalt. Foto: Johanna Astudin-Meineke

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