Universität Koblenz-Landau lud zu neuer Vortragsreihe ein
Stadtgespräche: Wissenschaf(f)t Spaß
Prof. Dr. Wolfgang Imhof referierte im Forum Confluentes
Koblenz. Mit "Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen - Ein Weg zur nachhaltigen Produktion von polymeren Werkstoffen?" startete die neue Vortragsreihe Wissenschaf(f)t Spaß . Mit ihrem, in Kooperation mit der Koblenz-Touristik entstandenen, eintrittsfreien Angebot rückt die Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, mitten ins Zentrum der Stadt - konkret in die Weinlounge der Touristik-Information im Forum Confluentes. Als erster Referent der Stadtgespräche , wie die Vorträge beworben werden, konnte Prof. Dr. Wolfgang Imhof, Jahrgang 1962, gewonnen werden. Der studierte Chemiker legte im Jahr 2000 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena seine Habilitation im Fach Anorganische Chemie ab und forscht und lehrt seit 2012 im Bereich Organische Chemie an der Koblenzer Universität. Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, eröffnete die Veranstaltung, die er als Abweichen von der üblichen Routine begrüßte. Er erachte sie als ein gutes Projekt, das dem gleichen Ansinnen förderlich ist, wie dem des ISSO-Instituts: Den Metternicher Campus mehr in die Stadt zu holen. Das soll in Teilen jetzt auch physisch realisiert werden. Die Universität, die aktuell rund 7.800 Studierende meldet, hält Ausschau nach geeigneten Mietobjekten in der Stadt, wie Prof. Dr. J. Felix Hampe vom Institut für Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik sagte.
Universität soll noch mehr in die Stadt einziehen
Das könnte, wie er hofft, ein Schritt in die Richtung sein, dass das Ortseingangsschild Universitätsstadt Koblenz eines Tages stärker gelebt wird. Zur Einführung in die Vortragsreihe erklärte Hampe die Idee, die hinter der Etablierung dieser Reihe steht. Man wolle damit den Bürgern Themen nahebringen, - unkompliziert und kurzweilig aufbereitet , wie es im Ankündigungstext heißt - die an der Universität regelmäßig behandelt werden, mit denen sich jedoch außerhalb des Campus nur wenige intensiv beschäftigen. Dabei werde das in Koblenz künftig sehr prominente Thema Nachhaltigkeit einen Schwerpunkt bilden. Prof. Dr. Hans-Stefan Siller, der im Fachbereich Mathematik/Naturwissenschaften am Campus Koblenz tätig ist, stellte Imhof als einen der vielen Kollegen vor, die sehr forschungsorientiert aufgestellt sind. Sein Forschungsschwerpunkt Polymere war Thema seines Referats. Ohne Formeln geht es nicht, sagte er und schüchterte damit gleich zu Beginn all jene ein, die im Chemie-Unterricht nie gut aufgepasst hatten. Schon die Definition lehrt das Fürchten. Ein Polymer ist eine chemische Verbindung, die aus Ketten- oder verzweigten Molekülen (Makromolekülen) besteht, die wiederum aus gleichen oder gleichartigen Einheiten (Monomeren) bestehen. Imhof zeigte auf, dass sich Polymere auf unzählig verschiedene Arten klassifizieren lassen. Die grundlegendste ist wohl die Unterscheidung zwischen natürlichen und synthetischen Polymeren, die als Kunststoffe bekannt sind. Dass auch die Natur ein Polymer-Produzent ist, zeigte Imhof anhand von Beispielen wie Vielfachzucker , Kautschuk oder Proteinen auf.
Es ging um viel Chemie
Die Produktion synthetischer Polymere sei in den letzten sechzig Jahren drastisch gewachsen. Allein fünfzig Prozent der Jahresproduktion entfalle auf Polyethylen und Polypropylen, die schwerpunktmäßig in der Verpackungsindustrie Anwendung finden. Der Nachteil: Die Kunststoffe haben Erdöl als Rohstoffbasis und verrotten erst nach vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten. Mit einer Umstellung auf nachwachsende oder Recycling-Stoffe könnte gegengesteuert werden. Dem Recyceln und Verwerten von Kunststoffen widmete der Dozent genau wie der Definition von Rohstoffen, Ressourcen und Reserven einen eigenen Info-Block. Ausgehend von dem Wechsel der Rohstoffbasis, nahm Imhof die rund fünfzig Zuhörer mit auf immer kompliziertere und sehr theoretisch ausgelegte chemische Exkursionen. Acrylsäure, Glucose, Polysaccharide, Polymere und immer wieder Moleküle.
Die Begriffe fingen schon bald an, im Kopf zu tanzen, zumal Imhof seine von einer Powerpoint-Präsentation begleitete Vorlesung in recht hohem Sprechtempo hielt. Er zeigte verschiedene Methoden und ihre Nebenwirkungen auf, mit denen nachwachsende Rohstoffe für die chemische Industrie nutzbar gemacht werden. Dazu gehörten neben anderem die Themenbereiche Holzvergasung und Kohleverflüssigung sowie Bioraffinerie und Biomasse, wobei Imhof auf die Problematik der Gewinnung, wie beispielsweise der Gewinnung des Biomasse-Bestandteils Cellulose, einging. Und was wird aus Cellulose hergestellt? Zum Beispiel Viskose oder Glucose. Als dann noch Begriffe wie Polymilchsäure, Hydroxymethylfurfural oder Lävulinsäure fielen, ergaben sich die ersten Zuhörer innerlich und schauten sehnsüchtig auf die für danach bereitstehenden Schnittchen, obwohl es doch eigentlich um ein wichtiges, umweltrelevantes Thema ging, bei dem gerade die Lävulinsäure als vielversprechender Ersatz für Erdöl vorgestellt wurde. Ohne vorherige Belegung eines Chemie-Grundkurses schien es für viele Zuhörer jedoch fast aussichtslos, den dennoch interessanten und wichtigen Ausführungen Imhofs zu folgen.
Forschen macht Spaß
Sein Fazit, dass noch viel Forschungsbedarf besteht, das war zu verstehen. Und es war auch jedermann einleuchtend, dass die Verwendung nachwachsender Rohstoffe in Anbetracht niedriger Ölpreise gerade keine große Sympathie erfährt. Doch, dass Wissenschaft Spaß schafft, das hat sich bei diesem auf fast universitärem Niveau gehaltenen Vortrag kaum erschlossen. Der Aussage Forschen macht Spaß, mit der Imhof seine Ausführungen um polymere Werkstoffe schloss, wollte man jedoch gerne Glauben schenken. Das Gehörte musste jetzt erst einmal verarbeitet, verdaut , werden. Die Möglichkeit dazu bot sich bei anschließenden Gesprächen und den von Detlef Koenitz gesponserten Häppchen und Getränken, die Hausherr Claus Hoffmann, Leiter der Koblenz-Touristik, den Gästen wärmstens ans Herz legte.
Die den Vortrag begleitende PowerPoint-Präsentation trug erheblich zur Erleichterung des Verständnisses bei.Fotos: BSB
