Tödlicher Unfall überschattet 24h-Nürburgring-Qualifiers
Adenau/Nürburgring. Die ADAC-24h-Nürburgring-Qualifiers sollten ein Motorsportfest werden: 135 gestartete Fahrzeuge, darunter 37 leistungsstarke GT3-Boliden, sowie ein hochkarätig besetztes Fahrerfeld mit internationalen Langstreckenspezialisten und sogar dem vierfachen Formel-1-Weltmeister Max Verstappen sorgten im Vorfeld für große Erwartungen. Entsprechend groß war das Interesse bei den Fans, und auch die Wetterfrösche hatten sich mit ihren Regenvorhersagen für das Eifelwetter am Samstagnachmittag geirrt.
Doch das erste von zwei Rennen an diesem Wochenende, die zugleich zur Nürburgring Langstrecken-Serie zählten, wurde früh von einem tragischen Ereignis überschattet. Bereits in der dritten Rennrunde kam es im Streckenabschnitt Klostertal, in Höhe der Einfahrt zur Steilstrecke, zu einer Kollision von insgesamt sieben Fahrzeugen.
Unter den Havaristen auch der BMW 325i E90 mit der Startnummer 121, der durch einen seitlichen Aufprall eines weiteren Fahrzeuges stark beschädigt wurde. Dabei erlitt der Fahrer, der 66-jährige schwedische Rennfahrer Juha Miettinen, wie die Rennleitung am Samstagabend mitteilte, so schwere Verletzungen, dass er später im Medical Center verstarb. Die weiteren sechs beteiligten Fahrer wurden vorsorglich medizinisch untersucht und teilweise in umliegende Krankenhäuser gebracht. Nach bisherigen Erkenntnissen erlitten sie jedoch keine schwerwiegenden Verletzungen.
Der letzte tödliche Unfall bei einem Langstreckenrennen auf dem Nürburgring ereignete sich 2015. Während eines Laufs der damaligen VLN kam ein Zuschauer ums Leben, nachdem ein Fahrzeug abgehoben war und in einen Zuschauerbereich flog. Ein tödlicher Unfall eines Fahrers innerhalb der Serie selbst liegt noch weiter zurück und kommt selten vor, was die insgesamt hohen Sicherheitsstandards im modernen Langstreckensport unterstreicht.
But the show must go on, und so starteten am Sonntagmorgen insgesamt 114 Fahrzeuge in das zweite Zeittraining.
Nach einer Gedenkminute für den verstorbenen Fahrer während der Startaufstellung rollte das Feld – darunter noch 32 GT3-Fahrzeuge – in die Einführungsrunde des zweiten Rennens der 24h Nürburgring Qualifiers.
Mit einer starken und fehlerfreien Teamleistung sicherten sich Christopher Haase, Ben Green und Alexander Sims im Audi R8 LMS GT3 von Scherer-Phx den Sieg. Nach vier Stunden lag das Fahrertrio des am Nürburgring beheimateten Teams 28,024 Sekunden vor dem Abt-Lamborghini von Luca Engstler, Mirko Bortolotti und Patric Niederhauser. Spannend verlief der Kampf um Platz drei zwischen dem Manthey-Porsche (Grello) und dem Winward-Mercedes. Bei diesem konnten sich letztlich die Piloten von Manthey, Thomas Preining und Matt Capbell, gegen die Mercedes-AMG-GT3-Besatzung Marco Engel, Fabian Schiller und Luca Stolz durchsetzen.
Hinter dem Führungsquartett folgten auf Position fünf Kelvin van der Linde, Jordan Pepper und Max Hesse im Rowe-BMW. Charles Weerts und Ugo de Wilde steuerten den Schubert-BMW auf Platz sechs, gefolgt von Jens Klingmann, Connor de Phillippi und Neil Verhagen im neuen BMW M3 Touring 24h von BMW M Motorsport. Schnitzelalm Racing aus Niederzissen setzte mit dem achten Gesamtrang ein starkes Ausrufezeichen: Kenneth Heyer, Jo Mo Härtling und Jannes Fittje sicherten sich im Mercedes-AMG GT3 zugleich souverän den Sieg in der Pro/AM-Wertung. Die Top 10 komplettierten das HRT-Team mit einem Ford Mustang GT3 und dem PROsport-Mercedes.
Für zusätzliche Spannung hatte einmal mehr das Duell zwischen Max Verstappen im zweiten Winward-Mercedes und Christopher Haase gesorgt. Wie schon beim zweiten NLS-Lauf lieferten sich beide in der Anfangsphase einen intensiven Schlagabtausch – Rad an Rad, kompromisslos und auf Augenhöhe. Doch das Duell fand ein jähes Ende: Ein beschädigter Frontsplitter zwang Verstappen nach zehn Runden zu einem langen Reparaturstopp. 25 Minuten in der Box – und alle Chancen waren dahin.
Auch in den Klassenwertungen gab es Grund zum Jubeln: Black Falcon aus Meuspath feierte mit dem Sieg in der AT2-Klasse neben dem Pro/Am-Sieg von Schnitzelalm Racing den nächsten Erfolg für die Region. Black Falcon legte sogar noch nach und fuhr mit einem Porsche 911 GT3 R zusätzlich den Sieg in der SP9-AM-Wertung ein.
Die Lokalmatadore zeigten insgesamt eine beeindruckende Bilanz: Joachim und Jürgen Nett triumphierten gemeinsam mit Christoph Dupré im Audi R8 in der Klasse VT2 frontangetriebener Fahrzeuge. In einem packenden Positionskampf, der auch im Livestream für Hochspannung sorgte, setzte sich Achim Nett in der letzten Runde gegen Michael Bohrer im VW Golf GTI durch.
In der VT2-Klasse der heckangetriebenen Autos sorgten mit Rang zwei und drei, der BMW 239i von Schmickler Performance aus Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Toyota Supra, der unter anderem von Malte Tack (Burgbrohl) pilotiert wurde, für den perfekten Abschluss aus Sicht der heimischen Fans.
Die Qualifiers gelten als Generalprobe für die ADAC RAVENOL 24h Nürburgring, die vom 14. bis 17. Mai ausgetragen werden. Nach dem Langstreckenklassiker eröffnet dann die 1. ADAC Eifel Trophy am 20. Juni die zweite Saisonhälfte der Nürburgring Langstrecken-Serie.
BURG
Am Ende konnten sich (v.l.) Jürgen und Joachim Nett gemeinsam mit Christoph Dupré über den ersten Klassensieg in diesem Jahr freuen.
Gedenkminute während der Startaufstellung für den am Tag zuvor für den verstorbenen Fahrer Juha Miettinen.
Wie bei NLS 2 belegt auch bei den Qualifiers Malte Tack mit dem Toyota Supra eine Podiumsplatzierung in der Klasse der heckangetriebenen, seriennahen Fahrzeuge.
