Mut in Trauer zeigen
Trauerbewältigung und Unterstützung für Menschen in Koblenz
aus Koblenz
Trauer braucht Mut – und Menschen, die da bleiben
Koblenz, 23. Oktober 2026 – Wie begegnen wir Menschen, die einen schweren Verlust erlebt haben? Was hilft ihnen wirklich – und wie können wir als Gesellschaft offener mit Trauer umgehen? Diese Fragen standen am Mittwoch, 21. Oktober, im Mittelpunkt der Veranstaltung „Aus Verlegenheit Mut machen: Wie wir Trauernde sicht- und hörbar machen“ in der Stadtbibliothek Koblenz.
Rund 60 Gäste waren der gemeinsamen Einladung des Koblenzer Hospizvereins und der Stadt Koblenz anlässlich des Welthospiztages gefolgt. Einen persönlichen Zugang zum Thema eröffnete die Autorin Sandra Engels mit einer Lesung aus ihrem autobiografischen Buch „Mein Leben mit einem Zebra im Kopf“. „Trauer ist so individuell wie das Muster eines Zebras“, betonte sie und machte deutlich, dass der Umgang damit genauso unterschiedlich sei. Wichtig sei es, Betroffenen offen zu begegnen und mutig auf sie zuzugehen. Statt zu vermuten, was helfen könnte, sollten wir lieber fragen: Was brauchst du gerade?
Literarische Impulse zum Thema Trauer und Zuversicht, vorgetragen von Gisela Nülle vom Förderverein Lesen und Buch – Freunde der Stadtbibliothek Koblenz e. V., sowie drei Cellostücke von Jonatan Ide gaben dem Abend einen besonderen Rahmen. Im anschließenden Podiumsgespräch sprachen Sandra Engels, Trauerbegleiterin Nathalie Ide und Kulturdezernent Ingo Schneider über persönliche Verlusterfahrungen, die Begleitung Trauernder und den gesellschaftlichen Umgang mit Trauer. Moderiert wurde das Gespräch von Claudia Schönershoven, stellvertretende Geschäftsführerin des Koblenzer Hospizvereins.„Trauer ist eine der universellsten Erfahrungen, die Menschen machen. Aber leider auch eine der einsamsten“, betonte Nathalie Ide. Trauerbegleitung bedeute, Menschen in ihrer Trauer nicht allein zu lassen, sie gemeinsam auszuhalten und zu unterstützen. Dafür brauche es vor allem Mut und die Bereitschaft, einfach da zu sein – auch wenn die richtigen Worte fehlen. Sie verwies auf einen Gedanken der Trauerexpertin Chris Paul: „Trauern ist die Lösung und nicht das Problem.“
Auch Ingo Schneider, der die Veranstaltung als Schirmherr unterstützte, berichtete von eigenen Erfahrungen mit Abschied und der Begleitung durch den Hospizverein. Er würdigte die Arbeit des Vereins und sprach sich dafür aus, Trauer stärker in die Öffentlichkeit zu bringen. Auch Kultur könne Menschen verbinden und helfen, Trauer gemeinsam auszuhalten.Die zentrale Botschaft des Abends: Trauer darf kein Tabu-Thema sein. Es braucht mehr Gelegenheiten, darüber zu sprechen, und Menschen, die hinschauen, zuhören und auf Trauernde zugehen. Der Koblenzer Hospizverein bietet dafür unter anderem offene Gruppenangebote wie das Trauercafé und sogenannte Ge(h)spräche an. Sie schaffen Raum für Begegnung, Austausch und die Erfahrung, mit der eigenen Trauer nicht allein zu sein. Weitere Informationen sind unter www.hospizinkoblenz.de verfügbar.
Sandra Engels las aus ihrem autobiografischen Buch „Mein Leben mit einem Zebra im Kopf“. Foto: Koblenzer Hospizverein e.V.
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Im Podiumsgespräch sprach Claudia Schönershoven, stellvertretende Geschäftsführerin des Koblenzer Hospizvereins, mit Autorin Sandra Engels, Trauerbegleiterin Nathalie Ide und Kulturdezernent Ingo Schneider (von links) über persönliche Verlusterfahrungen, die Begleitung Trauernder und den gesellschaftlichen Umgang mit Trauer. Foto: Koblenzer Hospizverein e.V.