Allgemeine Berichte | 01.12.2025, 16:20 Uhr

Lorens Sohn hat Trisomie 21 - Die Ärztin rät dazu, die Schwangerschaft abzubrechen, doch das kommt für Loren nicht in Frage. Eine bewegende Geschichte des Bunten Kreis Rheinland

„Treiben sie das Kind doch einfach ab und machen ein Neues“

Mutter Loren: „Leo ist in unseren Augen der kleine Löwe, der immer schon zu uns kommen wollte, und genau richtig ist, so wie er ist.“ Foto: Bunter Kreis Rheinland e.V.
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Region. „Treiben sie das Kind doch einfach ab und machen ein Neues“: Diesen Satz wird Loren wohl nie wieder vergessen. Sechs Jahre lang versuchen sie und ihr Mann Tobias, ein Kind zu bekommen. Als der Schwangerschaftstest positiv ausfällt, können beide ihr Glück kaum fassen. Doch 17 Tage später erleidet Tobias Kammerflimmern, muss reanimiert werden und liegt seitdem im Wachkoma. Ein Pränataltest im fünften Schwangerschaftsmonat ergibt: Ihr Sohn hat Trisomie 21. Die Ärztin rät dazu, die Schwangerschaft abzubrechen, doch das kommt für Loren unter keinen Umständen in Frage.

War diese Entscheidung für Sie immer klar?

Zu Beginn der Schwangerschaft hieß es, es sei alles in Ordnung. Beim zweiten Ultraschall wurden sogenannte White Spots am Herzen und der Schulter entdeckt, das kann harmlos aber andererseits auch ein Indikator für eine genetische Besonderheit wie das Down-Syndrom sein. Um das abzuklären, schickte man mich zur Feindiagnostik. Nach einer Fruchtwasserpunktion, die ich heute auf keinen Fall noch einmal machen würde, stand das Ergebnis fest. Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich es schaffe, allein ein Kind mit Down-Syndrom aufzuziehen, denn zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie sich der Gesundheitszustand meines Mannes entwickeln würde. Ich fühlte mich von der Ärztin jedoch förmlich dazu gedrängt, eine Entscheidung gegen das Kind zu fällen. Sie sagte: „Treiben sie das Kind doch einfach ab und machen sie ein Neues“.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Heute würde ich sie fragen, wieso sie sich einbilde meine Situation beurteilen und bewerten zu können. Damals war ich einfach nur überfordert. Ich glaube, die Diagnose einer Erkrankung oder Behinderung und der Umgang damit ist in den Köpfen vieler Menschen ganz falsch verankert. Vielen ist nicht bewusst, dass plötzlich alles anders werden kann. Mein Mann war kerngesund und von einem Tag auf den anderen ein Pflegefall, dagegen ist die Trisomie meines Sohnes ein Klacks. Daher finde Aussagen wie: „Also ich könnte das nicht“, schlimm. Ich wollte das auch nicht können. Ich habe mir die Situation nicht ausgesucht.

Was hat Sie in dieser Zeit besonders gestärkt?

Pure Liebe. Ich habe einfach gemerkt: Mein Kind will leben, mein Mann will wieder gesund werden, also werde ich für sie beide kämpfen. Der Kleine ist das größte Geschenk, was uns hätte passieren können und auch für meinen Mann wäre es niemals in Frage gekommen, unser Kind abtreiben zu lassen.

Bekommt Ihr Mann seinen Sohn mit?

Man kann jetzt nach zweieinhalb Jahren sagen, dass er im Minimalbewusstsein ist. Tobias hat körperliche Einschränkungen, kann aber mittels eines Augengerätes kommunizieren.

Wir kämpfen weiter dafür, dass er seinen Weg zurückfindet. Er ist aktuell in der häuslichen Pflege bei meiner Schwiegermutter, weil das bei uns zu Hause nicht möglich wäre. Ich besuche ihn jeden Tag und wenn er seinen Sohn sieht, fließen auch mal ein paar Tränchen bei ihm oder die beiden lachen zusammen – sie sind zuckersüß zusammen.

Wie hat Sie der Bunte Kreis Rheinland unterstützt?

Bereits im Krankenhaus wurde mir der Verein empfohlen und ich bin bis heute sehr dankbar für unsere großartige Nachsorgeschwester. Sie hat mir so viele Ängste genommen, hat den Kontakt zum Heilpädagogisch-Therapeutischen Zentrum hergestellt und mir bei Anträgen und der Beantragung der Pflegestufe geholfen. Am meisten hat mir ihr ganz natürlicher Umgang mit Leo geholfen.

Wie schauen Sie in Leos Zukunft?

Er entwickelt sich hervorragend, spricht erste Wörter und fängt langsam an zu laufen.

Leo wird hier im Ort ganz normal in den Kindergarten gehen, wie jedes andere Kind auch, dafür werde ich kämpfen. Wie es im Endeffekt läuft, kann ich natürlich jetzt noch nicht beurteilen, aber mir hilft es, ein klares Ziel vor Augen zu haben. Der Name Leo bedeutet „Löwe“, aber eigentlich wünsche ich meinem Sohn, dass er möglichst wenig kämpfen muss. Dass er ganz selbstverständlich in der Gesellschaft angenommen wird und Dinge tun darf, wie jedes andere Kind auch. Leo ist in unseren Augen der kleine Löwe, der immer schon zu uns kommen wollte, und genau richtig ist, so wie er ist.

Bunter Kreis Rheinland e.V.

Mutter Loren: „Leo ist in unseren Augen der kleine Löwe, der immer schon zu uns kommen wollte, und genau richtig ist, so wie er ist.“ Foto: Bunter Kreis Rheinland e.V.

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