Allgemeine Berichte | 15.05.2013

Roberto Aussel im Kurfürstlichen Schloss

Weltelite der Konzert-Gitarre

Das Eröffnungskonzert des 21. „Koblenz International Guitar Festival & Academy“

Aussel begeisterte das Publikum im Kaisersaal mit seinem virtuosen Spiel. : BSB

Koblenz. Sechzehn Konzerte, einen bedeutenden Wettbewerb, Meisterkurse, Workshops und Vorträge umfasst das einwöchige Festival. Es wurde vor ausverkauftem Haus in dieser Woche mit einem Konzert des Gitarren-Virtuosen Roberto Aussel eröffnet. Er spielte Werke internationaler Komponisten aus fast vier Jahrhunderten. Zuvor gab es einleitende Worte von Günter F.C. Forsteneichner, Vorstandsmitglied der das Festival fördernden „Koblenz International Guitar Society“, und deren Präsident Dr. Richard Koch-Sembdner. Es folgte die offizielle Eröffnung durch Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofman-Göttig in englischer Sprache. Das seit 21 Jahren in Koblenz etablierte Festival könne nun getrost als erwachsen bezeichnet werden. Er sei stolz, dass Koblenz Gastgeber für die mehr als dreihundert Teilnehmer aus etwa fünfzig Nationen sei und freue sich, dass das Eröffnungskonzert in dem schönen, außen alten und innen neuen Schloss stattfinde.

Mit der Konzert-Gitarre in der Hand trat auf die nahezu völlig undekorierte Bühne im Kaisersaal der unscheinbar und eher schüchtern wirkende, 1954 geborene Musiker Roberto Aussel. Er nahm Platz auf dem dort stehenden Hocker, wo er, von Verbeugungen abgesehen, das ganze Konzert lang in unveränderter Haltung verweilte, das linke Bein auf der Fußbank ruhend.

Nur ganz gelegentlich wippte sein rechter Fuß im Takt der Melodie. Zu Beginn spielte Aussel vier Tanzsätze aus „Terpsichore“ des deutschen Komponisten Michael Praetorius (1571-1621). Leichte, heitere Melodien, bei denen seine Finger die Nylonsaiten scheinbar kaum berührten. Doch der hervorgezauberte Klang fesselte die Zuhörer derart, dass man eine Stecknadel im Saal hätte fallen hören können.

Ohne Notenblatt, in absoluter technischer Präzision machte Aussel jeden einzelnen Ton zu einem grandiosen Klangerlebnis. Immer wieder stimmte er zu Beginn der Musikstücke sein Instrument nach, konzentrierte sich kurz, als ob er sich die Noten noch einmal ins Gedächtnis rufen müsste, und spielte dann mit einer unglaublichen Virtuosität, die sich neben großer Begabung wohl nur durch die über fünfzigjährige Spielerfahrung erklären lässt. In dem Repertoire von Barock- bis zu neuzeitlicher Musik behielt Aussel ausnahmslos die totale Kontrolle über die Gitarre. Er bespielte sie mal sanft, mal fordernd und immer so, als stehe er mit ihr im Dialog, als würde er eins mit ihr. Seine ganze Energie schien in das Spiel zu fließen, sodass man fürchten konnte, er würde danach kraftlos in sich zusammensinken. Die Musikstücke waren kaum einmal temperamentvoll, wie man es gerne erwartet, wenn man von Gitarren-Musik spricht. Aber sie waren besonders im zweiten Teil, der Komponisten des 20. Jahrhunderts vorbehalten war, so anspruchsvoll, dass Aussel seine ganze Kunstfertigkeit am Instrument zeigen konnte. Die Kompositionen Jana Obrovskas und Atahualpa Yupanquis forderten Aussel gelegentlich zu eher ungewöhnlichen Spieltechniken auf.

So brachte er manches Mal nur mit den Fingern seiner linken Hand kraftvoll die Saiten zum Klingen, während die rechte Hand dazu rhythmisch den Gitarrenkörper klopfte. Besondere Beachtung beim Publikum fand das eigens für Aussel von Astor Piazzolla 1981 geschriebene Werk „Cinco piezas para guitarra“. Mit Bravo-Rufen wurde der Weltstar bejubelt, mit stehendem Applaus feierte ihn das Publikum und forderte damit drei Zugaben ein.

Aussel begeisterte das Publikum im Kaisersaal mit seinem virtuosen Spiel. : Foto: BSB

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Rund ums Haus
Titel - Alles für die Schule
150 Jahre Jubiläum
150 Jahre Zeitungstradition
Reinigungskraft
Jubiläumssonderseiten
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Am Sasmtag 19.September heißt es wieder „Andernach tanzt“
714

„Anzeige“ Andernach. Die Andernacher Tanzparty geht in die vierte Runde. Unter dem Motto „Andernach tanzt“ wird es am Samstag, 19. September 2026 unter anderem wieder zahlreiche „Disco-Foxtrott Runden“ mit Musik der vergangenen 60 Jahre geben. Für beste Partystimmung sorgt der von den HR 1 Dancefloor bekannt Video-DJ Peter Baur mit alten und auch aktuellen Top Hits. Musikvideos auf Großleinwand, die Fotobox sowie eine Cocktailbar sind eingeplant.

Von Thomas Manstein aus Sinzig

Weiterlesen

Der „Hungerfelsen“ bei Kripp. Foto: Rolf Niemeyer
337

Wasserstandsmarkierung ist nur bei extremem Niedrigwasser im Flussbett zu sehen

11.07.: „Hungerfelsen“ bei Kripp ist wieder sichtbar

Kripp. Aufgrund der anhaltenden Dürre sinken die Pegelstände des Rheins momentan. Eine Folge der sinkenden Pegelstände hat BLICK aktuell-Leser Rolf Niemeyer festgehalten: Bei Kripp hat er den „Hungerfelsen“ im Flussbett abgelichtet – also eine Wasserstandsmarkierung, die nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar wird und früher deshalb drohende Hungersnöte durch Dürre signalisierte. Rolf Niemeyer schreibt zu seinem Foto:

Weiterlesen