Allgemeine Berichte | 21.11.2024

Bunter Kreis Rheinland

„Wieso sollte ich mich gegen dieses Kind entscheiden?“

Wird Mia je ein selbstbestimmtes, eigenes Leben führen können?  Foto: privat

Region. Seit Juli 2022 wird der NIPT Test in bestimmten Situationen von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Dieser nicht invasive Pränatal Test kann Hinweise auf die Trisomien 13, 18 und 21 beim ungeborenen Kind geben. Bei einem Verdacht ist zur sicheren Abklärung zusätzlich noch eine Fruchtwasseruntersuchung nötig. Auch Steffi und ihr Mann Christian machen beim zweiten Kind routinemäßig den NIPT-Test. Weil alle vorangegangenen Ultraschalluntersuchungen unauffällig sind, gehen sie unbedarft an den Test heran. Dieser und eine anschließende Fruchtwasseruntersuchung ergeben: Ihr ungeborenes Kind hat Trisomie 21. Was folgt, ist ein Wechselbad der Gefühle, denn eine ausführliche Beratung und Aufklärung seitens der Ärzt:innen findet zunächst nicht statt.

Können Sie sich noch an das entscheidende Untersuchungsgespräch erinnern?

Unser erstes Gespräch bei der Pränatal Diagnostikerin verlief gar nicht gut. Sie sagte in etwa: „Überlegen sie sich, ob sie das Kind wirklich haben wollen. Sie haben doch bereits einen kleinen gesunden Sohn. Ein Kind mit Down Syndrom ist oft mit vielen Arztbesuchen verbunden.“ Mein Gefühl war, dass man uns überreden wollte, das Kind nicht zu bekommen. Nach dem Ergebnis der Fruchtwasseruntersuchung gab es ein weiteres Arztgespräch, das verlief sehr viel besser. Viel empathischer und aufklärender.

Wie ging es dann weiter?

Ich hatte mich eigentlich schon während der Fruchtwasseruntersuchung entschieden. Als ich auf dem Ultraschall gesehen habe, wie mein Kind am Daumen nuckelt, war für mich klar: Ich kann es nicht töten und auch mein Mann hat gefragt: „Wieso sollte ich mich gegen dieses Kind entscheiden?“ Das Erstgespräch hatte uns verunsichert, aber innerhalb der nächsten zwei Wochen war uns klar: Wir wollen das Kind. Unsere Tochter Mia wurde in der 37. Schwangerschaftswoche in der Bonner Uniklinik per Kaiserschnitt geboren. Sie hatte ein kleines Loch im Herzen und musste, weil die ÄrztInnen mit der Sauerstoffsättigung nicht zufrieden waren, noch zwei Wochen länger in der Klinik bleiben. Wir sind täglich anderthalb Stunden pro Strecke gependelt, und unser Sohn war währenddessen immer bei den Großeltern. Das war schon eine sehr herausfordernde Zeit für uns alle.

Was war für Sie am Schwierigsten?

In der Tat die Mutter-Kind-Bindung. Ich war direkt nach der Geburt auf der normalen Station und Mia auf der Intensivstation. Somit fand am Anfang kaum körperlicher Kontakt statt. Ich hatte große Angst, in eine Depression hineinzurutschen und mein Kind nicht annehmen zu können. Aber als ich mich vom Kaiserschnitt erholt hatte und jeden Tag zu ihr konnte, entwickelten wir sofort eine starke Bindung. Sobald wir nach Hause kamen, wurde alles noch schöner. Sie und unser Sohn sind unser Ein und Alles.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Die Reaktionen seitens des Freundeskreises waren alle sehr positiv, eine Begegnung bei uns im Dorf hingegen habe ich in keiner guten Erinnerung. Mir wurde von einer Frau, die eigentlich keinerlei Berührungspunkte zu Kindern mit Behinderung hat, suggeriert, dass etwas sehr Anstrengendes und Schwieriges auf uns zukommt.

Was sind Ihre größten Sorgen?

Jetzt, wo Mia noch so klein ist, sieht man ihr die Behinderung nicht sofort an. Wenn Mütter dann zu mir sagen: „Ach, unsere Kinder sind ja gleich alt, dann werden sie zusammen eingeschult“, sind das Momente, die mich traurig machen, weil ich weiß, dass das vermutlich nicht passieren wird. Leider liegen Vorstellung und Umsetzung von Inklusion oft noch weit auseinander. Die allergrößte Sorge, die ich habe, ist: „Was ist, wenn wir mal nicht mehr da sind? Wird Mia je ein selbstbestimmtes, eigenes Leben führen können?“

„Wieso sollte ich mich gegen dieses Kind entscheiden?“

Wird Mia je ein selbstbestimmtes, eigenes Leben führen können? Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
02.12.202406:27 Uhr
Susan Zilles

Ihr habt alles richtig gemacht!

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Bahnhof Engers wird barrierefrei

  • Gitta Meyer: Und wenn nur 2 ode 3 Menschen leicht an dem Zug ran und reinkommt ist es das wert. Ich habe einen Mann ,der behindert ist,und im Rollstuhl sitzt. Da sind mir die Mäuse egal. Es kann sich keiner vorstellen ,wenn.man nicht selbst betroffen ist.
  • Hildegard DÖTSCH : Wurde im Vorfeld geprüft, wieviel beeinträchtige Menschen täglich den Bahnhof/ die Züge nutzen würden/wollen? Die Rodung bringt eine Vielzahl an Vögel, die in den Birken lebten in Bedrängnis. Auch Kleintiere, Eidechsen, Mäuse etc.

Neuwied: Gesunde Bäume sollen gefällt werden

  • Inge: Unmöglich das so was in der heutigen Zeit in der das Thema Umweltschutz, Kimaschutz, Artenschutz ect. angeblich so groß geschrieben wird .Die Begründungen die Bäume zu fällen sind so was von daneben und anders zu klären.
  • Sandra Schneider: Das sehe ich auch so, das macht den Ychulhof auch nicht größer. Es wäre sehr schade um die alten Bäume.
  • Sven : Typisch Neuwied alte Bäume fällen un kleine neu pflanzen. Lastt die alten großen stehen.

Initiative "Rettet die Alte Post" in Rheinbach

  • Lukas Wegberg: Drin war ich noch nie, aber der Außenbereich dieses Etablissements ist nebst Bahnhof der einzige unästhetische Fleck in der gesamten Stadt, der mir spontan einfällt. Dass die Kneipe nun einer anderen...
Imageanzeige
Image Anzeige
Dauerauftrag 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Titelanzeige
Stellenanzeige
Stellenanzeige Logistikteam
Stellenanzeige SHK-Anlagenmechaniker u. Kundendienstmonteur
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Empfohlene Artikel

Lahnstein. Lahnstein stand am Karnevalssamstag ganz im Zeichen des närrischen Nachwuchses: Beim traditionellen Kinder- und Jugendumzug des Carneval Comite Oberlahnstein zogen neben den Vereinen und Garden fantasievoll kostümierte Gruppen der Kindergärten und Schulen durch die Straßen und sorgten für ausgelassene Stimmung bei Groß und Klein.

Weiterlesen

In den kommenden Wochen sind sie die kleinsten Verkehrsteilnehmer des Landes: Erdkröte, Grasfrosch und Co. Denn wenn die nächtlichen Temperaturen steigen, machen sich die heimischen Amphibien wieder auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Da sie dabei auch vielbefahrene Straßen queren, bittet die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord Autofahrerinnen und Autofahrer um besondere Rücksicht.

Weiterlesen

Koblenz. Was im Jahr 1992 als nachbarschaftliche Initiative begann, ist heute eine feste Größe im regionalen Tierschutz: Die Koblenzer Katzenhilfe e. V. entstand aus einer einfachen, solidarischen Idee – Katzenhalterinnen und Katzenhalter wollten sich gegenseitig bei der Urlaubsbetreuung ihrer Tiere unterstützen. Doch schon bald wurde deutlich, dass in Koblenz und Umgebung weit mehr gebraucht wurde als gelegentliche Hilfe unter Tierfreunden.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Kerben. In Deutschland leben rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus, wobei mindestens 9,1 Millionen von ihnen an Diabetes Typ 2 leiden. Fast jeder kennt jemanden, der mit dieser Erkrankung zu kämpfen hat. Doch ist die Diagnose tatsächlich unausweichlich? Welche Maßnahmen können ergriffen werden, um die Krankheit oder ihre Folgen zu verhindern?

Weiterlesen

Bachem. Der Kapellenverein Bachem e. V. lädt seine Mitglieder zur ordentlichen Mitgliederversammlung 2026 ein. Die Versammlung findet am Donnerstag, 16. April 2026, um 19.30 Uhr in der St.-Anna-Kirche Bachem statt. Neben den turnusmäßigen Berichten stehen in diesem Jahr auch Neuwahlen des Vorstands und der Kassenprüfer auf der Tagesordnung.

Weiterlesen

Allgemeine Berichte

Trödelmarkt in Polch

Polch. Am 3. Mai findet in Polch bereits zum neunten Mal der beliebte Floh- und Trödelmarkt der „Helf Angels, Nachbarschaftshilfe Maifeld e.V.“ statt.

Weiterlesen

Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Pellets
Dauerauftrag Imageanzeige
Schnitzelbuffet MK
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Veilchendienstag & Aschermittwoch - Heringsessen
Wir helfen im Trauerfall
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Stellenanzeige Produktionsmitarbeiter
Jörg Schweiss
Anzeige KW 7