Politik | 26.10.2026, 14:12 Uhr

Güls-Forum

Zukunft der Nahversorgung und Wohnprojekt in Gülser Ortskern diskutiert

Moderator Christopher Bündgen und 200 interessierte Bürger.
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Güls. Über 200 Menschen diskutieren beim Güls Forum über die Zukunft des Ortes.

Mehr als 200 Menschen kamen zum Güls Forum in die Schulsporthalle. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die Güls seit Jahren beschäftigt und in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat:

Wie soll sich die Nahversorgung im Ort künftig entwickeln – und was bedeuten die Planungen am Moselbogen für den heutigen Ortskern?

Initiiert und moderiert wurde das Forum von Christopher Bündgen. Zu Beginn zeichnete er die Entwicklung der vergangenen Jahre nach und erläuterte den aktuellen Stand. Dabei ging es auch um den Grundgedanken der Veranstaltung: Die Bürgerinnen und Bürger sollten zu einem Zeitpunkt miteinander ins Gespräch kommen, an dem die wesentlichen politischen Entscheidungen noch nicht gefallen sind.

Worum geht es?

Auf dem sogenannten Stieffenhofer-Areal am Moselbogen könnte, wenn es nach dem Willen der Investoren und Projektentwickler geht, ein neues Einkaufszentrum entstehen. Vorgesehen sind dort unter anderem ein neuer und größerer REWE-Markt, Lidl und dm. Gleichzeitig soll auf dem Gelände Platz für die seit Langem gewünschte Gülser Vereinshalle geschaffen werden.

Mit dem neuen Standort würde der heutige REWE in der Gulisastraße aufgegeben. Auch für einen Teil des heutigen Ortskerns gibt es konkrete Pläne: Auf dem Gelände des heutigen REWE-Getränkemarkts sowie einigen angrenzenden Grundstücken mit bestehender Wohnbebauung soll ein neuer Wohnhof mit insgesamt rund 60 Wohnungen entstehen. Ergänzt werden soll dieser unter anderem durch ein Café und ein kleineres Angebot zur Nahversorgung.

Damit geht es um weit mehr als um die Ansiedlung einiger neuer Geschäfte. Im Raum stehen Fragen nach der Zukunft des Ortskerns, der Nahversorgung, dem Verkehr und der Vereinshalle – und damit nach der langfristigen Entwicklung von Güls.

Unterschiedliche Perspektiven auf die Planungen

Baudezernent Prof. Dr. Andreas Lukas erläuterte zunächst die Perspektive der Stadt. Für die weitere Entwicklung sei es wichtig, auch künftig Einzelhandel im Ortskern zu erhalten – wenn auch möglicherweise in kleinerer Form als heute. Auch die notwendigen Ausgleichsflächen seien bei der weiteren Planung zu berücksichtigen.

Eine klare Aussage machte Lukas zur Vereinshalle: Einen realistischen Standort dafür sehe die Stadt nur am Moselbogen. Eine geeignete Alternative gebe es derzeit nicht.

Anschließend erläuterte Projektentwickler Volker Bredler die Rahmenbedingungen für den bestehenden REWE und die Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels. Der heutige Standort sei zu klein, schlecht angebunden und verfüge über zu wenige Parkplätze. In seiner jetzigen Form sei er deshalb langfristig nicht zukunftsfähig.

Architekt Jens Ternes stellte anschließend die konkreten Planungen für das Einkaufszentrum am Moselbogen sowie den geplanten Wohnhof im Ortskern vor.

Mehr als 200 Menschen und viele unterschiedliche Meinungen

Den größten Raum nahm anschließend die offene Aussprache ein. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger meldeten sich zu Wort, stellten Fragen und brachten ihre eigenen Argumente ein. Dabei zeigte sich schnell: Ein eindeutiges Meinungsbild gibt es nicht.

Viele Wortmeldungen unterstrichen die große Bedeutung des heutigen REWE für den Ortskern. Dabei gehe es nicht nur darum, Lebensmittel mitten im Ort einkaufen zu können. Der Markt sei zugleich Frequenzbringer für andere Geschäfte und Dienstleistungen und für viele Menschen auch ein alltäglicher Begegnungsort.

Besonders prägnant brachte eine Wortmeldung diese Haltung auf den Punkt: „Ich will kein Einkaufszentrum, ich will einkaufen im Zentrum.“ Der Satz fasste die Sorge vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, dass mit der Verlagerung des großen Lebensmittelmarktes an den Ortsrand auch ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens aus dem Zentrum von Güls verschwinden könnte.

In diesem Zusammenhang wurde die Frage aufgeworfen, ob der bestehende Standort nicht doch weiterentwickelt werden könnte – unter Einbeziehung freier und in den kommenden Jahren frei werdender Grundstücke in unmittelbarer Nähe. Konkret genannt wurden dabei das große Grundstück des Landwirts Frank sowie das Gelände der Kita St. Servatius, deren heutiges Gebäude perspektivisch abgerissen werden soll. Mehrfach wurde der Wunsch formuliert, auf dieser Grundlage eine mögliche Alternative für einen größeren Lebensmittelmarkt im Ortskern konkret auszuarbeiten und zu prüfen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer hoben dagegen die Chancen eines Einkaufszentrums am Moselbogen hervor. Genannt wurden ein größeres Angebot für unterschiedliche Geldbeutel, mehrere Einkaufsmöglichkeiten an einem Ort und die Möglichkeit, die Nahversorgung langfristig zu sichern.

Als weiterer Vorteil wurde eine mögliche Entlastung der Gulisastraße genannt. Der heutige REWE liegt in einem verkehrsberuhigten Bereich, wird aber dennoch täglich von zahlreichen Kundinnen und Kunden mit dem Auto angefahren und muss regelmäßig beliefert werden. Mit einer Verlagerung des großen Marktes könnte sowohl der Kundenverkehr als auch der Anlieferungsverkehr in diesem Bereich deutlich zurückgehen.

Der Tenor einiger Wortmeldungen war zudem: Bevor am Ende gar kein größerer Lebensmittelmarkt mehr in Güls vorhanden sei, müsse man auch bereit sein, über eine neue und zukunftsfähige Lösung nachzudenken.

Kritisch betrachtet wurde insbesondere die Verkehrsanbindung des neuen Standorts. Mehrere Wortmeldungen beschäftigten sich mit der Frage, wie der zusätzliche Verkehr am Moselbogen bewältigt werden kann und welche Auswirkungen die Anbindung an die Bundesstraße haben würde.

Auch der geplante Wohnhof sorgt für Diskussionen

Ebenso unterschiedlich wurde der geplante Wohnhof mit rund 60 Wohnungen auf dem Gelände des heutigen REWE-Getränkemarkts und angrenzender Grundstücke bewertet. Die Einschätzungen reichten von „fantastisch“ bis zu kritischen Fragen danach, wer sich die entstehenden Wohnungen leisten könne und wie viel zusätzlichen Verkehr die Wohnbebauung mit sich bringen würde.

Positiv aufgenommen wurde von vielen die Idee eines Cafés. Kontrovers diskutiert wurde dagegen das vorgesehene kleinere Angebot zur Nahversorgung im Ortskern.

Während einige darin eine gute Möglichkeit sahen, auch künftig Dinge des täglichen Bedarfs mitten in Güls einkaufen zu können, reichte das anderen nicht aus. Ein solches Angebot könne die heutige Funktion des REWE nicht ersetzen, lautete die Kritik. In einer Wortmeldung war deshalb auch von einem „besseren Kiosk“ die Rede.

Ortsvorsteher: Gemeinsam nach einer Lösung suchen

Zum Ende der Aussprache meldete sich auch Ortsvorsteher Hans-Peter Ackermann zu Wort. Für ihn habe weiterhin Priorität, dass es im Zentrum von Güls eine vernünftige Einkaufsmöglichkeit gebe. Dabei sei für ihn nicht entscheidend, ob dort künftig REWE, Aldi, Edeka oder ein anderer Anbieter stehe. Entscheidend sei, dass eine tragfähige Lösung für die Nahversorgung im Ortskern gefunden werde. Dafür wolle er sich einsetzen.

Zugleich warb Ackermann dafür, die weitere Diskussion nicht entlang von Parteilinien zu führen. Bei einer für Güls so wichtigen Frage dürften keine parteipolitischen Gräben entstehen. Stattdessen müsse gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden, die die unterschiedlichen Interessen möglichst gut zusammenbringt.

Wie geht es weiter?

Nach der ausführlichen Diskussion stand am Ende kein eindeutiges Ja oder Nein zu den Planungen. Stattdessen zeigte das Forum, wie viele unterschiedliche Interessen bei der weiteren Entscheidung berücksichtigt werden müssen.

Es geht um einen lebendigen Ortskern und die Versorgung insbesondere der Menschen, die ihre Einkäufe zu Fuß erledigen. Gleichzeitig geht es um die langfristige Zukunft größerer Einkaufsmöglichkeiten in Güls, um Verkehr und um neue Wohnungen. Deutlich wurde an diesem Abend auch der Wunsch, mögliche Alternativen für den bestehenden REWE-Standort konkret zu prüfen, bevor endgültige politische Entscheidungen getroffen werden.

Der Ortsbeirat Güls kommt am 2. November zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Dort sollen auch die Ergebnisse und Argumente aus dem Güls Forum reflektiert und beraten werden. Anschließend soll entschieden werden, welche weiteren Schritte nun gegangen werden.

Für Initiator Christopher Bündgen endet die Beteiligung deshalb nicht mit dem Forum: „Das Güls Forum ist aus unserer Community heraus entstanden – und für mich zeigt dieser Abend, welches Potenzial darin steckt, Menschen zu informieren, miteinander ins Gespräch zu bringen und frühzeitig einzubeziehen. Bei einer so weitreichenden Entscheidung darf Beteiligung nicht nach einem Abend vorbei sein. Mir ist wichtig, dass die vielen Argumente aus dem Forum jetzt tatsächlich in den weiteren Prozess einfließen. Ich werde deshalb auch in den kommenden Wochen und Monaten ein Auge darauf haben, dass wir die Menschen transparent über die nächsten Schritte informieren, Entwicklungen verständlich machen und immer wieder Möglichkeiten schaffen, sich einzubringen.“

Dass mehr als 200 Menschen an einem Sonntag zusammenkamen und sich über mehrere Stunden mit der Zukunft ihres Stadtteils beschäftigten, machte dabei vor allem eines deutlich: Das Interesse daran, wie sich Güls in den kommenden Jahren entwickelt, ist groß.

Moderator Christopher Bündgen und 200 interessierte Bürger. Foto: Ingo Beller

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