Ausstellung im Willy-Brandt-Forum eröffnet
„Anatomie des Aufrechten Gangs“
Unkel. Seit Mitte Mai hat der Künstler Klaus Hopf daran gearbeitet, unter dem Titel „Anatomie des Aufrechten Gangs“ die geweißten Wände des ausgeräumten Multifunktionsraums im Willy-Brandt-Forum mit seinen Bildern temporär umzugestalten. Mit diesem Kunstprojekt, das der Vorsitzende Christoph Charlier am Freitagabend voriger Woche der Öffentlichkeit vorstellte, beteiligt sich das Forum am Kultursommer Rheinland-Pfalz, der dieses Jahr unter dem Motto „Helden und Legenden“ steht. „Ich habe dieses Motto sofort als Einladung verstanden, unseren ‚Helden‘ Willy Brandt neu zu befragen“, so Christoph Charlier, nachdem er den Künstler mit Ehefrau Heike Arend und seinem Freund, dem Wormser Architekten Norbert Illig als Laudator, begrüßt hatte. Das Forum gehe mit dem Projekt „Willy Brandt - Träumer und Realist“, in das sich die Raumgestaltung einreihe, auf die Suche nach Gründen und Begründungen für das Charisma Willy Brandt, für den fortlebenden Mythos, und einer dieser Spurensucher sei Hopf.
„Als ich ihn im Sommer des vergangenen Jahres fragte, ob er sich mit dem Titel des Kultursommers künstlerisch auseinandersetzen wolle, antwortete er umgehend mit Ja“, erinnerte sich Charlier, der nach eigenem Bekunden mit dieser Zusammenarbeit als „künstlerischer Analphabet“ Neuland betreten hatte.
„Zum Helden wird man gemacht“
Ausgangspunkt des Künstlers sei die Überzeugung, dass man zum Helden gemacht werde. „Zum Heldentum gehört das Brüchige und Aufrechte. Beides begreife ich als einen wesentlichen Bestandteil des Lebens und meiner künstlerischen Umsetzung“, ergänzte der Maler. Auch Willy Brandt habe erklärt, dass man nicht zum Helden geboren werde, erinnerte Charlier an ein Gespräch des Sozialdemokraten mit der „Spiegel“-Redakteurin Birgit Kraatz.
„Bei der Eröffnung des Forums erzählte der ehemalige spanische Ministerpräsident, dass es die Erfahrung mit der Diktatur - Hitler und Franco - gewesen sei, die trotz des großen Altersunterschieds die Seelenverwandtschaft zwischen ihm und Brandt begründet habe“, führte der Vorsitzende weiter aus. Auch Hopf habe mit der Diktatur eigene Erfahrungen gemacht, hatte die SED ihn doch zu knebeln versucht, nachdem er aus Gewissensgründen die Ausbildung zum Kampfpiloten in der NVA abgebrochen hatte.
„Helden fallen aus dem Rahmen, gehen durch diesen hindurch. Sie machen etwas außerhalb des Gewohnten und schaffen so neue Räume, Freiraum“, charakterisierte Norbert Illig zumindest einen Teil der Protagonisten auf und an den Wänden des Multifunktionsraums.
„Helden als Zeichen der Hoffnung“
„Helden leben über den Tod hin, stellen Fragen und einiges auch infrage. Sie sind sichtbare Zeichen der Hoffnung und bringen aus dem Alltäglichen das zum Vorschein, was eigentlich möglich wäre, wenn man sich die Zeit dazu nehmen würde. Nehmen Sie sich diese und lassen Sie sich auf die Klaus Hopfs Helden ein“, forderte Norbert Illig seine „aufrecht gehenden Mitmenschen“ bei der Vernissage auf.
Gelegenheit, sich auf den „Aufrechten Gang“ im Willy-Brandt-Forum einzulassen, hat man noch bis zur Finissage am Sonntag, 5. Juli. „Dann werde ich in einem ausführlichen Gespräch mit dem Künstler ab 11 Uhr hier den Fragen nachgehen, ob Diktaturerfahrung immer noch ein verbindendes Band schafft und ob die 89er-Revolution ein Vierteljahrhundert später Geschichte oder produktive Kraft ist“, kündigte Charlier an.
