Das Linzer Funkencorps „Schwere Artillerie“ lud zum 9. Oktoberfest ein
Bayrische Olympiade sorgte für Gaudi bei den Besuchern
Linz. Erstmals am 13. Oktober 2007 hatte das Linzer Funkencorps der Schweren Artillerie 1939 Rut-Wiess um Commodore Christian Sieberz ein Oktoberfest gefeiert. „Von Beginn der Planungen an zu dieser Veranstaltung war, ist und bleibt unser Bestreben die Authentizität. So haben wir jedes Jahr eine bayrische Kapelle aus Oberbayern als musikalische Unterstützung gewinnen können“, erklärte Christian Sieberz. Wie bei der Premiere war auch bei der 9. Auflage des Artilleristen-Oktoberfestes die Raistinger Blaskapelle aus der Nähe vom Ammersee nach ihrem Vereinsausflug zu „Rhein in Flammen“ bereits zum zweiten mal in die Bunte Stadt gereist, um mit zünftiger Musi aufzuspielen. Kennen gelernte hatte das stolze Corps aus Linz die Blaskapelle 2005 während ihres Bayern-Manövers bei einer Floßfahrt auf der Isar, die in Wolfratshausen gestartet war und in deren Verlauf Ex-Prinz Murmel, alias Michael Nietzard, die Ehre hatte, bei jungen Musikanten, die zum ersten Mal bei einer Floßfahrt dabei waren, die Isartaufe vorzunehmen.
Fassanstich nach bayrischer Art
Eine „Taufe“, genauer ein Fassanstich nach bayrischer Art, stand auch dem 1. Beigeordneten Wolfgang Balasius bevor, der den bei den Linzer Sachsen weilenden Stadtbürgermeister Hans Georg Faust vertrat. Wie die meisten Artilleristen, die nicht nur ihre langen weißen Pfeifen, sondern auch ihre Uniformen zu Hause gelassen hatten, war er in einen Janker mit Hirschhornknöpfen und kniebundlange Krachlederne gestiegen. Mit einem grünen, tief ins Gesicht gezogenen Alpenhütchen fast bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, erwartete er die Artilleristen-Delegation, die ihn mit den Musikanten am Rathaus abgeholt und in die Stadthalle geleitete. In der waren die Festgäste an den langen blau-weiß eingedeckten Tischen von der Linzer Wiesn-Bedienung, Caro, Laura und Uta, bestens versorgt worden. Von Marius, Lukas und Stefan unterstützt, servierten sie Lewakaassemme, Weißwuaschdl mit Senf oder Hax’n mit Kraut, ofenfrische Brez’n, Radi oder Obatzda, damit die Gäste über die nötigen Grundlagen verfügten Festbier, Radler und Spezie, das nicht etwa in einst von Franz-Joseph Strauß als „Reagenzgläschen“ verhöhnten Kölschstängelchen, sondern in Maßkrügen und ausnahmsweise auch im Halbmaß an die Tischer gebracht wurde.
Eine Pyramide aus gläsernen Maßkrügen standen auch neben dem Fass bereit, das auf Wolfgang Balasius wartete, nachdem dieser mit großen Hallo in der Stadthalle zum „Feiern wie die Bayern“ empfangen worden war. Zunächst erhielt er von „Murmel“ als anerkanntem Fassanstich-Experten heimlich Profi-Tipps, die aber offensichtlich auf Taube Ohren gestoßen waren. Nach dem ersten Doppelschlag von Wolfgang Balasius mit dem Holzhammer wackelte der Kupferhahn so gefährlich im Gebinde, dass er komplett neu angesetzt und mit erheblich kräftigeren Schlägen in das Spundloch getrieben werden musste, bis Christian Sieberz angesichts der sich mit schäumendem Gerstensaft füllenden Maßkrügen, erleichtert ausrufen konnten: „O zapft is!“
Oktoberfest-Olympiade
Hatten in den Vorjahren etwa der Wadenumfang der Mannsbilder oder beim Dirndl-Contest die schönste Kleidung eines zamgramds waibsbuids im Mittelpunkt gestanden sowie die Fertigkeit im „Wiagsogschneiden“, auf Hochdeutsch Baumstammsägen, das Melk-Ergebnis bei Kuh Berta oder gar der Hau-den-Lukas-Erfolg, so ging es bei dem 9. Oktoberfest der Kanoniere bayrisch olympisch zu. „Sechs Teams, von der ‚Alten Herren‘ des VfB, von den Stadtsoldaten um Mariechen Svenja und von Blau-Wiess als einzige Mixed-Mannschaft, von den Roten und den Grünen Husaren sowie von der Feuerwehr, haben sich gemeldet, um sich in Kraft, Geschicklichkeit, im Wissen, in der Ausdauer und in einem Team-Spiel zu messen“, verriet Christian Sieberz, während Bruder Markus als Geschäftsführer des Corps bereits die Ergebnisliste parat hielt.
In der konnte er als erstes der Feuerwehr fünf Kraft-Punkt beim „Hau-den-Lukas“ vergeben, schoss der Ex-Musikzugführer der Stadtsoldaten, Christian Vossemer, nicht den Hut, sondern das Glöckchen hoch oben an der Stange doch so gewaltig ab, das es nur mühsam wieder in seine Ausgangsposition gebracht werden konnte. Da wollte sich die übrigen Kandidaten auf keinen Fall als Möckeföttche, Dressdöppe, Mösch oder Botzedresser outen. Nur einer der vier Kraftbolzen musste sich dann auch mit dem „Vrängel“ zufrieden geben, ein weiterer übersprang als „Flotter Fäjer“ et „Schnüssetring“ und den „Nixnots“, während gleich zwei über den „Strünzer“ hinaus die Marke „Obermöhn“ erreichten. Übertroffen wurden sie noch vom Kandidaten der Roten Husaren, der wie Vossemer als „Commodore“ aus dem rennen ging, wenn auch nicht mit einem so gewaltigen Nebeneffekt.
Auch bei der Geschicklichkeit, bei der eine Slalom-Loipe auf Uralt-Holzskiern gemeistert werden musste, sah es lange nach einem klaren Sieg des Löschtrupps aus. Weder „Langläufer“ der Blau-Wiessen noch die Stadtsoldaten, die beide „ein Mädchen auf Reisen“ schickten, noch die Alten Herren und die Roten Husaren konnten den Parcours trotz massiver Anfeuerung unter einer Minute zurückliegen, bis es dem rasanten Schlussläufer von den Grün-weißen Husaren in sage und schreibe 42,22 Sekunden gelang. Viel über das Wiesn-Fest erfuhren die Festgäste, darunter auch die beiden Vorsitzenden der Großen Linzer KG, Yvonne Adams van Beek und Heike Paffhausen, bei der Wissensrunde, bei der es vor allem um Schätzfragen ging. So wissen viele Linzer seit Samstagabend, dass dieses Jahr auf der Wiesn 114 Ochsen verzehrt wurden und dass 1985 genau 7,1 Millionen Gäste das Oktoberfest besucht hatten, für die aktuell 119.000 Sitzplätze vorhanden sind. Erneut fünf Punkte sackte die Feuerwehr beim Maßkrughalten ein, wurde der ausgestreckte Arm bei 2,3 Kilo Gewicht doch allen viel früher lahm, wobei nur der grün-weiße Ex-Tanzoffizier Kai Augsburger als geübter Mariechen-Stemmer dem Sieger lange Zeit Paroli bieten konnte. Nicht zu schlagen waren die Husaren von Kommandant Nihat Kökce dann aber beim abschließenden Teamspiel, bei dem sie ihre grünen Luftballons so schnell platzen ließen, dass die Siegträume der zweitplazierten Alten Herren wie Seifenblasen platzten. Die Ex-Kicker musste sich dann auch noch im Endergebnis der Feuerwehr geschlagen geben, die sich noch auf den zweiten Platz gerettet hatte, während die grün-weißen Husaren im 50. Jahr ihrer Corps-Geschichte die blau-weiße Olympiade souverän für sich entschieden hatten und diesen Sieg wie echte Strünzer ausgiebig mit den anderen Oktoberfestgästen feierten.
Begonnen hatte der Wettkampf der Vereine mit einem Slalom in der Stadthallen-Loipe
