Die Große Linzer KG hatte zu ihrer Prunksitzung in die Stadthalle eingeladen
Christian I. mutierte verjüngt zum Adjutanten des Kinderprinzen von 1980
Linz. Pünktlich zog der Elferrat mit Vizepräsidentin Yvonne Adams-van Beek ein, die erstmals für den erkrankten Alfons Daub durch die Sitzung führte. Und dann war es soweit: „Erhebt Euch von Euren Sitzen und empfangt mit mir Prinz Christian I. ‚ mit seinen Adjutanten, Markus ‚Bully‘ Bouillon und Patrick ‚Stone‘ Stein“, forderte sie die bunt kostümierte Narrenschar auf, die jubelnd die Strüssjer werfende Tollität empfing. „Fastolvend zesaame und dreimol Linz - Alaaf“, grüßte Christian I. sein närrisches Völkchen. Und schon stimmte das Dreigestirn das Prinzenlied an: „Wenn mer föhle, föhle mir, föhle mir vill Freud. Un all die Freud, die mir hück hann, weed mit Üsch jedeilt!“
Christian I. kanzelte die „DSDS“-Teilnehmer ab
Dann überließ Christian I. das Kommando den „Sahnehäubchen“ und der Gruppe „Creme de la Creme“, die als Finalteilnehmer vom „DSDS“ (Das-Super-Dancing-Spektakel) ihre Tänze aufführten. „Ihr braucht keine Jury, sondern einen Pannendienst“, kanzelte Christian I. in bester Bohlen-Manier die „Sahnehäubchen“ ab, deren Konkurrenten nicht nur von Yvonne Adams-van Beek, sondern auch per Applaus-Voting eindeutig zu Siegern erklärt wurden.
Das Dreigestirn hatte sich währenddessen einer Verjüngungskur unterzogen, um so 34 Jahre in die Vergangenheit zu wandern. Entsprechend rutschte „Stone“, flankiert von seinen Adjutanten „Bully und Chrissy“, als 1980er Kinderprinz Patrick auf Knien ganz vorne an den Bühnerand, wo sie mit Helium-Fistelstimmchen et „Jeföhl-Leedche“ trällerten. Danach mischte sich der Prinz unter sein Völkchen, um die Prunksitzung von unten zu verfolgen.
„Du bist ein Phänomen“, umschwärmten ihn die „Silver Dolls“ bei ihrem Tanz. „Mir sin Fastelovendfründe“, versicherte der „Imi us Köllle“, Uwe Weiler, bevor mit dem „Knubbelisch vum Klingelpötz“ ein Urköllsche einzog, der mit „singe Verzällcher“ aus der Stammkneipe „D’r löstige Scharfrichter“, von seiner Lebensgefährtin „Flora Soft“ und ihrem Damen-Kegelklub „Pritti Prümmche“ den Jecken die Tränen in die Augen trieb. „Zwei Alt, ein Helau - ab in der Bau!“, forderte der „Delikt-Designer“ aus der JVA Ossendorf, dessen Sprache seinem Kollegen aus den neuen Ländern wie „Mechernich-Vorkommern“ natürlich spanisch vorkommt.
Männertanzgruppe brachte den Saal zum Kochen
Damit endete zunächst die Präsenz auswärtiger Kräfte. Als erstes Linzer Corps ließ Kommandant Markus Paffhausen seine Stadtsoldaten aufziehen, für die kaum Platz auf der Bühne war. Mehr Raum für ihr Brings-Medley hatte da schon die Männertanzgruppe, die auch dem Letzten im Saal klar machte: „Ich bin nur ne kölsche Jung“, nachdem die Schottenröcke gefallen waren. Da kochte der Saal bereits, bevor Jan Eric Burkard mit seinem „Halleluja“ auch die Allerletzten von ihren Sitzen riss.
Begleitet vom TC Ohlenberg zogen dann die Blau-Wiessen Funken um Kommandant Bernd Rechmann ein. „Die Nacht ist nicht zum Schlafen da“, erklärte die Tanzgruppe, bevor die Bla-Wie-Tro „de Knüppelche“ wirbeln ließen. Außerdem hatten sie sich mit dem Bundesliga-Tanzpaar Lea Rombach und Tobias Schmahl die Vize-Euro- und Deutschen Vize-Meister im Garde-Paartanz ausgeliehen. Drei Geistliche widmeten sich anschließend acht Nonnen, mit denen sie, zu Melodien aus dem Musical „Sister Act“ tanzend, den Jecken im Saal ein himmlisches Vergnügen bereiteten.
„Gleich wird et widder schweine-eng he op d’r Bühn“, sagte die Vizepräsidentin voraus. Und schon zogen die Grün-Weißen Husaren um Kommandant Nihat Kökce ein, begleitet von den dröhnenden Landsknecht-Trommeln und schmetternden Fanfaren ihres Musikzuges. Zunächst waren Mariechen Sarah Korf und ihr neuer Tanzoffizier Günni Winnekes an der Reihe, die Jecken im Saal zu verzaubern. Danach bewiesen die Musiker um Edgar Hausen, dass sie neben traditionellen Märschen auch jazzige „Tön“ perfekt beherrschen. Körperbeherrschung in höchster Perfektion bewies danach die Männertanzgruppe, die als Piraten die Bühne enterte und das Tanzmariechen in der Luftballondekoration der Decke verschwinden ließ.
Als erheblich bodenständiger erwiesen sich die Hunnen um ihren Attila Thomas Schmitz. In ihrem 25. Jahr hatte die sich einen „Urlaub“ von ihren Frauen gegönnt und diese weit in den Süden geschickt. „Jetzt wollen die Weiber üch zeijen, wass sie so drop han“, kündigte das Linzer „Väterchen“ die Bollywood-Schau der Hunninnen an, die ihre Fell-besetzte Kleidung entsprechend gegen Seiden-glänzende Saris eingetauscht hatten.
„Die zwei Jeflappte“ strapazierten die Lachmuskeln
Den Lachtränen freien Lauf lassen konnten anschließend die Strünzer Jecken beim Vortrag der „Zwei Jeflappten“. Die grundverschiedenen Freunde unterhielten sich über Gott und die Welt und vergaßen dabei, auf ihren Instrumenten zu spielen. Hatten sie bereits mit ihrem Zwiegespäch die Lachmuskeln über Gebühr strapaziert, so wurden diesen keine Ruhepause gegönnt. Denn schon war Matthias Kalenberg aus Rheinbach angekommen, um in seiner neuen Rolle als „Kölner Landmetzger“ von seiner Kundschaft, aber auch von seinen Erlebnissen außerhalb der Metzgerei zu berichten. Dabei nahm er Stars und Sternchen, Politiker und Fernsehsendungen so scharf aufs Korn, dass die Jecken froh waren, als ihren Zwerchfellen mit dem Auftritt der Linzer Fanfaren eine Ruhepause gegönnt wurde, während die Musiker um Paul Krämer mit ihrer fetzigen Musik lange nach Mitternacht die Stimmbänder der Narrenschar zu Höchstleistungen anspornten.
