Weder Diplomatie noch Brachialgewalt konnten Christiane I. abhalten
Das Erpeler Rathaus fiel in die Hände der Karnevalisten
Erpel. „Här, Do häss enjelade un fiers met os e Fess. Do dees ald op os waade un mir sin jän Ding Jäss!“, sangen die Besucher am Sonntagmorgen zu Beginn der Kölschen Mess, die Pfarrer Günter Lülsdorf, assistiert von Edgar Neustein, in Sankt Severinus zelebrierte. Dabei waren in den Kirchenbänken jede Menge Rotröcke der Stadtsoldaten und der Prinzengarde auszumachen, allen voran jedoch der große Hofstaat rund um Prinzessin Christiane. Nicht ganz uneigennützig waren die Karnevalisten in die Kirche gekommen, versprachen sie sich doch den Ablass von ihrem Geistlichen für den anschließenden Rathaussturm. „Trecke mer an einem Strang met dem Herrjott all zesamme! Nur nit möd sing un nit bang, wä nit mettrick, soll sich schamme“, beschworen sie mit dem Schlusslied eine närrische Einheitsfront gegen Bürgermeisterin Cilly Adenauer und ihre Schraate im Rathaus. Vor dem formierte das Tambourcorps dann nach der Messe um den Vorsitzenden der Großen Erpeler KG (GEK), Uwe Kochems, die Streitmacht, in die sich neben dem Erpeler Möhnenclub auch noch die Heisterer Möhnen einreihten, während sich Prinzessin Christiane mit Gefolge in ihre Hofburg zurückzog, die in unmittelbarer Nachbarschaft des Rathauses liegt.
Narren beziehen Stellung vor dem Rathaus
Von dort holten sie ihre Heerscharen zum kurzen Zug durch den Ort ab, bevor Uwe Kochems die närrischen Truppen vor dem Ratshaus Stellung beziehen ließ. In dessen Sitzungssaal hatten sich inzwischen die Träger des Heimatordens Alt Erpilla versammelt, darunter auch Werner Henneker und Andreas Schwager, die zunächst vor der verrammelten Ratshaustür standen, dann aber überaus ortskundig über die Toiletten doch noch Einlass gefunden hatten. Inzwischen hatten die Stadtsoldaten unter Kommandant Felix Weber längst ihre Kanonen und Mörser aufgebaut. „Gib den Schlüssel raus. Du hast den Karren doch eh in den Mist gefahren“, klagte Uwe Kochems die Bürgermeisterin lautstark an. Die aber verlegte sich zunächst auf Diplomatie. „Liebe Karnevalisten, liebe Prinzessin Christiane, ich mache Euch ein Superangebot. Anstatt Euch hier die Beine in den Bauch zu stehen, biete ich Euch das Beste, was der Ort zu bieten hat. Ihr könnt die Brückentürme in Besitz nehmen“, säuselte sie zuckersüß vom Rathausbalkon.
Dann legte Cilly Adenauer sogar noch eins drauf. „Na gut, dann bekommt Ihr eben auch noch die Flutbrücke“, eine wertlose Verkehrsanlage, die wenig Wegezoll einbringen, dafür aber Unsumme zur Wiederherstellung verschlingen würde.
Der Befehl zum „Angriff“
Das brachte das Fass zum Überlaufe. Mit seiner Geduld am Ende, befahl Uwe Kochems: „Angriff, stürmt das Rathaus!“ Erfolglos rannte die Mannen von Felix Weber die verschlossene Tür an, während sie vom Balkon und den drei Fenstern aus mit dicken (Styropor-)Basaltsbrocken beworfen wurden, die aus den Brückentürmen herausgebrochen waren. Da kam dem KG-Vorsitzenden die rettende Idee. Statt seine Mannen weiter dem Steinschlag auszusetzen, drang Uwe Kochems über den Gemeinderaum in das Rathaus ein und öffnete die Tür von innen. Sofort stürmten die Stadtsoldaten die Treppe zum Schraatesaal hinauf und verhafteten die Bürgermeisterin. Während ihre Beigeordneten längst bei den Alt Erpillanern um den Sprecher des Ordenskapitels, Gregor Noll, untergetaucht waren, wurde Cilly Adenauer vor die neue Gemeinde-Chefin geführt, um Christiane I. die Schlüssel des Ortes zu übergeben.
Ein Kamelleregen
Statt Steinen ließ diese dann jede Menge Sößes vom Rathausbalkon auf die kleinen Jecken regnen, bevor sie im Triumph in den Schraatesaal einzog. So richtig traurig schien Cilly Adenauer mit ihrem Schicksal nicht zu sein. „Es ist schon komisch, dass diese herrlich sorgenlose Zeit für mich bislang immer nach zehn Tagen zu Ende war“, sinnierte die entmachtete Ortschefin, bevor sie die Gäste begrüßte, unter diesen ihren Vorgänger im Amt, Edgar Neustein, VG-Chef Karsten Fehr und dessen Vorgänger, Werner Zimmermann, sowie Pfarrer Günter Lülsdorf. Ihr besonderer Willkommensgruß galt neben dem neuen Ordensträger Theo Frickel natürlich dem Elferrat um den Vorsitzenden und den Präsidenten Jörg Buchmüller sowie der neuen Ortschefin samt Gefolge, bevor sie Christiane I. bat, sich in das Goldene Buch des Ortes einzutragen.
Im Sitzungssaal trug sich die neue Herrscherin in das Golden Buch ein.
Trotz Stein-Bombardement musste Cilly Adenauer Prinzessin Christiane I. die Schlüssel des Ortes aushändigen. Fotos: DL
