Theater präsentiert Zeitgeschichte im Erpeler Tunnel am Originalschauplatz
Das Stück „Die Brücke“ hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren
Erpel. Als im Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley, und damit am Originalschauplatz, 2006 erstmals das Stück „Die Brücke“ nach einem Tatsachenroman von Rolf Palm aufgeführt wurde, urteilte nicht nur die Presse, dass damit von dem Kultur- und Kunstverein „ad erpelle“ ein Stein losgetreten worden sei, der noch lange hohe Wellen schlagen würde. Wie zutreffend diese Einschätzung war, zeigte am Wochenende die Resonanz, die das erneut von Walter Ullrich, dem Leiter des Kleinen Theaters Bad Godesberg und Intendant der Landesbühne Rheinland-Pfalz, inszenierte Theaterstück über die historischen Ereignisse, die Einnahme der ehemaligen Ludendorffbrücke durch die Amerikaner, auch im sechsten Jahr gefunden hatte. „Jede Vorstellung ist selbst für uns immer noch ein unheimliches Erlebnis, jede hinterlässt eine Gänsehaut, was nicht etwa daran liegt, dass die Temperatur im Tunnel gerade einmal zwölf Grad beträgt“, so Edgar Neustein, der Vorsitzende des Vereins, der dieses Mal nach dem „Kauf“ des Tunnels die Zuschauer als Hausherr begrüßen konnte. Das Stück erzählt vom Schicksalstag des 7. März 1945, der Tag, an dem die 9. US-Panzerdivison in Meckenheim aufgebrochen ist, darunter Leutnant Karl Heinz Timmermann (Hanno Dinger). Er eröffnet das Stück mit einem langen Monolog über die militärische Lage vor der Rheinüberquerung in Erpel. Von den Rheinhöhen bei Remagen sehen sie auf die unzerstörte Ludendorffbrücke, die das linke Rheinufer mit dem kleinen Ort Erpel verbindet. Die Alliierten nähern sich der Rheinbrücke, die Brückenbesatzung um Brückenkommandant Karl Friesenhahn (Karl-Heinz Dickmann) steht vor der Entscheidung, die Brücke aufgrund der nahenden Amerikaner zu sprengen. Aber Auch die Amerikaner verfolgen einen Plan. Kann dieser in die Tat umgesetzt werden? Der Zuschauer reist in die Vergangenheit und taucht ein in das Schicksal der Erpeler Bürger, die in einem Tunnel Schutz vor Bombenangriffen suchen. Das Stück ermöglicht Einblicke in das Chaos bei der Führung der nicht geklärten Zuständigkeit des Kommandos aber auch die Situation, in der sich die Verantwortlichen befinden, kommt zur Sprache. Die drei Hitlerjungen (Nikolaus Knauf, Holger Giebel und Patrik Bartsch) zeigen wiederum die in der Bevölkerung anzutreffenden Einstellung, die vom regimetreuen Anhänger Hitlers, der immer noch vom Endsieg träumt, bis zum desillusionierten jungen Deutschen reichen, der das Kriegsende herbeisehnt. Was den Bürgern, den Verantwortlichen und der Brückenbesatzung angesichts der Näherung der Alliierten wiederfährt und ob die Sprengung der Brücke tatsächlich eingeleitet wird, erfahren die Zuschauer in dem sehr überzeugend gespielten Stück „Die Brücke“. Ein Stück, das von Widerstand, Kapitulation, Hoffnungslosigkeit und zahleichen Schicksalen der verschiedensten Akteure erzählt. „Im Anschluss an eine Lesung aus Anlass des 60. Jahrestages der Eroberung der Brücke hat Walter Ullrich erwähnt, dass sich der Roman von Rolf Palm durchaus zur Dramatisierung eigne. Das war für uns Grund genug, die Idee, die bereits der Erpeler Lehrer und Leiter unserer Schauspielgruppe, Peter Becker, gehabt hatte, aufzugreifen“, erinnert Edgar Neustein an die Gründung von „ad erpelle“. Denn ohne diesen Verein wäre das Projekt nie zu realisieren gewesen, das einen Beitrag leistet, deutsche Geschichte lebendig zu halten. An die Schrecken von Krieg und Zerstörung erinnernd, werden an dem Originalschauplatz so wie in den Zwillingstürmen auf Remagener Seite mit dem Friedensmuseum Impulse für eine friedliche Zukunft gesetzt. „Krieg dem Kriege! Und Friede auf Erden“, forderte schon Kurt Tucholsky, mit dessen Gedicht das große Programmheft „Die Brücke“ schließt. Das Schauspiel „Die Brücke“ ist im Eisenbahntunnel hinter den Zwillingstürmen an der B 42 noch bis Samstag, 14. September, mittwochs, freitags und Samstag ab 19.30 Uhr und sonntags ab 15.30 Uhr zu sehen. Einige Eintrittskarten, die auch zum ermäßigten Eintrittspreis in das Remagener Friedensmuseum berechtigen, gibt es bei der Kleinen Theater Bad Godesberg, Tel. (02 28) 36 28 39 und bei Schreibwaren&Lotto Sieberz in Erpel, Kölner Straße 12, Tel. (0 26 44) 80 90 85.
