Politik | 01.10.2014

Privatleute profitieren bei der Sanierung der Altstadt

Der Linzer Stadtrat beantragt eine Landesförderung

Linz. Einstimmig hat der Stadtrat von Linz beschlossen, dass sich die Stadt um die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Historische Stadtbereiche“ des Landes Rheinland-Pfalz beim Innenministerium bewirbt. Ebenfalls unisono sprachen sich die Mandatsträger dafür aus, die vorbereitenden Untersuchungen durchführen zu lassen. Vor über zehn Jahren war die ab den siebziger Jahren großangelegte Altstadtsanierung mit dem Umbau des Altgymnasiums zum Bürger-Kommunikationszentrum 2002/03 abgeschlossen worden. Diese hatte sich auf die Neugestaltung und Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur und den Erhalt der historischen Bausubstanz von Gebäuden im Eigentum der Stadt zwischen Rheintor und Neutor konzentriert. Zwar hat sich durch die damaligen Arbeiten der touristische Wert der Altstadt weiter erhöht, allerdings besteht nun die Notwendigkeit, auch die damals nicht berücksichtigten Bereiche der Altstadt gestalterisch aufzuwerten. Außerdem ergibt sich verstärkt im privaten Gebäudebestand ein deutlicher Sanierungsbedarf, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass ortsbildprägende Bausubstanz sukzessiv verloren gehen könnte.

„An einer Vielzahl privater Gebäude ist rein äußerlich betrachtet ein dringender Instandsetzungsbedarf festzustellen, darüber hinaus ist auch davon auszugehen, dass abgesehen von Maßnahmen zur Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes auch ein Modernisierungsbedarf im Gebäudeinneren besteht“, konstatiert die Verwaltung in der Begründung für den Antrag. Es könne mit Sicherheit unterstellt werden, dass viele der alten Gebäude nicht mehr über eine zeitgemäße Ausstattung verfügen würden. Die Folge: Junge Familien würden den Altstadtbereich aufgrund fehlender Anreize als Wohnstandort meiden, so dass eine sukzessive Entleerung bezüglich der Wohnbevölkerung zu befürchten sei, die städtebaulich wie hinsichtlich der touristischen Funktion verheerenden Auswirkungen hätte.

„Umso erfreulicher ist, dass wir hinsichtlich einer Aufnahme in das Städtebauförderprogramm erfreuliche Signale aus Mainz bekommen haben“, erklärte Bürgermeister Hans-Georg Faust. Dies konnte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Lehmann nur bestätigen. „Innenminister Roger Lewenz hat sich bei seinem Linz-Besuch vor einige Monaten davon überzeugt, dass wir förderwürdig sind. Und dies wird in dem sehr ausführlichen Antrag durch Argumenten und Zahlen nochmals anschaulich untermauert“, hob er hervor.

So wird dort aufgelistet, dass die Stadt Linz Mitte 2004 noch 6.107 Bewohner gezählte hatte, zehn Jahre später betrug die Einwohnerzahl nur noch 5.800 Bürger. Zum Stichtag in 2004 hatten insgesamt 838 Einwohner ihren Hauptwohnsitz in dem Sanierungsgebiet, inzwischen sind es nur noch 779, was einem Bevölkerungsrückgang von 7,04 Prozent entspricht. Noch auffälliger sind die Zahlen hinsichtlich der jungen Bevölkerung. Ging dies insgesamt von 1176 auf 971 junge Menschen zurück, sank die Zahl in der Altstadt von 167 auf 127, also um knapp 24 Prozent, während der Rückgang im gesamten Stadtgebiet bei 17,44 Prozent lag. Nach einer Prognose der Bertelsmann-Stiftung wird „für den Bereich der Stadt Linz für das Jahr 2025 mit einem Bevölkerungsanteil, der Menschen, die das 65. Lebensjahr überschritten haben, von 33 Prozent, bei einem gleichzeitigen Rückgang junger Menschen auf unter 16 Prozent gerechnet“, ist in dem Förderantrag zu lesen.

Innerhalb des Sanierungsgebietes dienen 161 der 329 Gebäude ausschließlich zu Wohnzwecken, 104 Gebäude werden gemischt genutzt. Von diesen 265 Gebäuden, die eine Wohnung aufweisen, werden 59 (22,26 Prozent) von nur einer Person bewohnt. Die Linzer dieser Einpersonenhaushalte sind zu über 50 Prozent über 65 Jahre alt. 32 Gebäude werden ausschließlich gewerblich genutzt und weitere 32 Gebäude stehen leer. Der mit 9,72 Prozent relativ hohe Anteil des Leerstandes lässt auf eine sinkende Attraktivität der Gebäude schließen. Dies gilt auch für viele Ladenlokale, von denen über die Hälfte eine Verkaufsfläche von weniger als 100 Quadratmetern aufweisen. Diese Kleinteiligkeit dürfte mit ein Grund gewesen sein, weshalb 2010 insgesamt 21 leer stehende Ladenlokale gezählt wurden, eine Quote von immerhin 28 Prozent. „Erweiterungsmöglichkeiten im Bestand sind nicht gegeben. Deshalb wird wohl nur eine Zusammenlegung von Flächen in den Erdgeschossen zu einer Verbesserung des Flächenangebots beitrage. Hierzu bedarf es einer intensiven Abstimmung mit den Grundstückseigentümern“, so der Antrag.

Nachteilig macht sich auch bemerkbar, dass viele Wohnungen in den Obergeschossen nur durch die im Erdgeschoss liegenden Ladenlokale zu erreichen sind, da diese Gebäude früher komplett ausschließlich von einer Familie genutzt worden, die eben auch den Laden betrieben haben. Aber auch aus brandschutztechnischen Gründen können die Obergeschosse teilweise nicht genutzt werden, da ein zweiter Rettungsweg fehlt.

„Dieses Förderprogramm ist eine einmalige Chance für Linz, umfasst es doch 2,2 Millionen Euro Privatinvestitionen sowie einen städtischen Anteil für die Sanierung maroder Straßen von weiteren zwei bis drei Millionen Euro“, so Dieter Lehmann. Haus für Haus müsste in ein Gebäudekataster aufgenommen werden und eventuell sollte die Stadt auch einen Sanierungsberater einstellen, der interessierten Gebäudebesitzern seine professionelle Hilfe anbieten kann.

„Bei den Linzer Bürgern ist merklich die Stimmung vorhanden, neu über ihre Stadt nachzudenken. Bei mir obsiegt der Optimismus, dass wir mit der Aufnahme in das Förderprogramm in die Lage versetzt werden, einige unserer Probleme zu lösen“, so Hans-Georg Faust. Ein abschließender Bescheid der ADD hinsichtlich der Absegnung des entsprechenden Entwicklungskonzeptes ist laut der Verwaltung zwar erst in 12 bis 18 Monaten zu erwarten. Vorbereitende Untersuchungen werden aber bei einem Fachbüro vorzeitig in Auftrag gegeben. „Wir wollen nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen. Anträge auf Zuschüsse des Landes können von Privatinvestoren zudem bereits gestellt werden, sobald Mainz die Zusage erteilt hat, das Linz in das Förderprogramm aufgenommen worden ist“, betonte Dieter Lehmann.

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