Beschlüsse auf der Sitzung des Unkeler Stadtrates
Der Luftschutzkeller und der Myriameterstein sind nun Denkmale
Unkel. Einstimmig beschloss der Unkeler Stadtrat Mitte voriger Woche auf seiner letzten Sitzung der laufenden Wahlperiode, den Myriameterstein, eine alte Vermessungsmarke an der Natorampe im Norden der Stadt, in die Liste der Kulturdenkmäler aufzunehmen. Der Verein „Tourismus & Gewerbe“ hatte sich mit dem Geschichtsverein des in Vergessenheit geratenen Kilometersteins XLVII angenommen und das verwitterte Zeugnis der 1867 durchgeführten Rheinvermessung restaurieren lassen. „Die Direktion Landespflege der Generaldirektion ’Kulturelles Erbe‘ in Mainz hat den Zeugniswert des Objekts bestätigt und wird es in das nachrichtliche Verzeichnis der Kulturdenkmale aufnehmen“, hatte Reinhard Lahr von der Kreisdenkmalpflege der Stadt mitgeteilt. Am Sonntag, 6. April wird der kubische Steinblock mit seinen Kilometerangaben Richtung Basel und Rotterdam um 15 Uhr der Öffentlichkeit wieder übergeben.
Ebenso einstimmig befürworteten die Mandatsträger den Vorschlag des früheren Stadtarchivars Rudolf Vollmer, den im alten Rathaus 1939 eingerichteten Luftschutzkeller zum „Mahnmal gegen das Vergessen“ zu erklären und in die Denkmalliste des Kreises eintragen zu lassen. „Vor allem für die Jugend dürfte ein Besuch des Luftschutzkellers sehr lehrreich sein, da er sehr anschaulich die schwierige Situation der Bevölkerung bis 1945 aufzeigt“, hatte Rudolf Vollmer, der die entsprechenden Einrichtungsgegenstände im Laufe der Zeit auf eigene Kosten erworben hatte, seine Bitte begründet. Gleichzeitig bot er den Ratsmitgliedern im Vorfeld der Sitzung eine Führung vor Ort an.
„Kopf einziehen“ hieß es für diese, nachdem sie die 15 unebenen Stufen der Kellertreppe in das Gewölbe überwunden hatten. Dicke Stützbalken durchziehen den 2,20 Meter hohen und rund 30 Quadratmeter großen Raum, der spärlich von einer nahezu komplett schwarz angemalten Glühbirne beleuchtet wird, deren Licht so nur auf den Boden fällt. „So konnte kein Schimmer nach außen dringen und den feindlichen Bombern einen Hinweis auf den Luftschutzkeller geben“, berichtete Rudolf Vollmer.
Schon am Tag der Offenen Denkmals hatte er den Luftschutzkeller für die Öffentlichkeit geöffnet, der einem Teil der Unkeler in der ehemaligen, 1855 außerhalb der Stadtmauern erbauten Schule Schutz vor Bombensplittern geboten hatte. „Einen direkten Einschlag hätte er wohl kaum überstanden“, ist sich Rudolf Vollmer sicher, bevor er auf die Eimer hinwies, die mit Wasser gefüllt ab 1935 auf jeder Etage stehen mussten, um durch Brandbomben hervorgerufene Brände löschen zu können.
„Nach dem Luftschutzgesetz, das bereits Ende Juni 1935 erlassen worden war, waren alle Deutschen zu Dienst- und Sachleistungen sowie zu sonstigen Handlungen verpflichtet, die zur Durchführung des landesweiten Luftschutzes als notwendig angesehen wurden“, erinnerte der „Vater“ des Luftschutzkeller-Denkmals. Da dies lange vor der erpressten Abtretung der sudentendeutschen Gebiete 1938 und der Besetzung der Tschechoslowakei 1939 gültig war, belege das Gesetz, dass die Nationalsozialisten von einem Krieg und damit verbundenen Luftangriffen ausgegangen seien. Auf einem kleinen Tisch direkt am Eingang können neben einem Telefon der Luftschutzhelm und die Gasmaske des parteitreuen Luftschutzwartes Seliger bestaunt werden.
Weitere Utensilien, die auch in den beiden anderen Luftschutzkellern unter der 1910 gebauten neuen Volksschule und unter der alten Post in der Bahnhofstraße zu finden waren, sind lange Feuerpatschen, eine große Zimmermannsaxt, ein Beil und lange Einreißhaken, mit denen Brandherde freigelegt werden konnten. Auch eine Sandkiste und eine Einstellspritze gehörten zum Inventar. Sogar eine komplette Hausapotheke hat Rudolf Vollmer für den Unkeler Luftschutzkeller besorgt. „Händchen falten, Köpfchen senken und auch an die Türe denken“, habe man vor allem den Kindern als merkwürdig harmlos klingenden Merksatz eingebläut. Wesentlich drastischer warnt ein Flugblatt am Eingang: „Wenn die Flak schießt, sofort Deckung nehmen, auch ohne Fliegeralarm. Herabfallende Sprengstücke oder am Boden zerspringende Geschosse gefährden Euch im Freien!“ Oberstes Gebot aber war „Ruhe bewahren!“
Pflegefreie Urnen-Baumgrabstätten sind nun erlaubt
Abschließend beschloss der Stadtrat auf Antrag der CDU-Fraktion, Urnen-Baumgrabplätze als „Pflegefreie Urnenreihen-Grabstätten“ gelten zu lassen. „Bei uns sind mehrere Anfragen nach dieser Form der Naturbestattung eingegangen, nachdem Beerdigungsinstitute die entsprechenden Wünsche ablehnen und die Bürger auf die jeweiligen Möglichkeiten in Erpel und Rheinbreitbach verweisen mussten“, so der Fraktionsvorsitzenden Alfons Mußhoff. Bis zu einer entsprechenden Änderung der Friedhofssatzung soll der Beschluss sicherstellen, dass auch in Unkel Naturbeisetzungen möglich sind. „Die VG-Verwaltung ist bereits auf den CDU-Antrag eingegangen, zumal die entsprechende Nachfrage wirklich steigt, während die Zahl der Erdbestattungen zurückgeht“, berichtete Stadtbürgermeister Gerhard Hausen. Bedauerlicherweise würden auch vernachlässigte Grabstellen stetig zunehmen, ein weiterer Grund, pflegefreie Urnen-Baumgräber zuzulassen. Entsprechend beschloss der Stadtrat, für eine Baumbeisetzung eine Gebühr von 500 Euro festzusetzen, zuzüglich 540 Euro für die Grabkennzeichnung.
