Christian Siebertz ist der designierte Nachfolger von Prinz Kurfürst Kerky
„Der Ritt auf der Kanonenkugel“
Der Commodore des Linzer Funkencorps Schwere Artillerie wird am 16. November proklamiert
Linz. In den ehrwürdigen Rittersaal der Burg Linz hatte die Große Linzer Karnevalsgesellschaft eingeladen, um dort traditionell den Vertretern der Corps den neuen Prinz von Linz vorzustellen. Pünktlich um 20.11 Uhr lüftete Präsident Alfons Daub dort das längst bekannte Geheimnis: „Auf einem Bierdeckel haben wir seine Bewerbung bekommen, am 27. April wurde er gewählt und am 16. November wird er im Hotel Weinstock proklamiert: Prinz Christian I. Commodore der Schweren Artillerie, dem seine Freunde Markus Bouillon und Patrick Stein als Adjutanten zur Seite stehen“, so der Linzer Ober-Jeck unter dem Beifall der Gäste, darunter auch Pfarrer Klemens Hombach. Novum in diesem Jahr: Der noch amtierende Amtsinhaber, Kurfürst Prinz Kerky I. vom hohen Corps konnte an der Präsentation nicht teilnehmen. „Wir sollen Euch von einem in Tränen gebadeten Noch-Prinzen aus dem fernen Land des Lächelns närrische Grüße übermitteln“, so die beiden Adjutanten des Wahl-Chinesen, Paul Kremer und Michael Degen. In der zurückliegenden Session hätten sie die Erfahrung gemacht, dass ganz Linz bekloppt sei, das aber im allerbesten Sinn, eben Fastelovend-bekloppt. „Auf Euch kommen nach der Proklamation unheimlich viele Termine zu - aber die Zeit ist leider geil“, nutzte Michael Degen den Spruch eines Fernsehspots, um die kommenden Wochen ab dem 11. im 11. für das Dreigestirn in Lauerstellung zu beschreiben. Zusammen mit seinen beiden Freunden, Markus und Patrick, hatte er sich immerhin schon bei der Prinzenproklamation 1995 vorgenommen, einmal das Dreigestirn der Bunten Stadt am Rhein zu stellen. „Jetzt endlich, 18 Jahre später, aus Anlass des Jubiläums deines Korps, das 1939 von Mitgliedern des Linzer Schwimmclubs gegründet worden ist, wird Euer Traum Wirklichkeit. Im 80. Jahr der Großen Linzer KG bist Du der 70. Prinz von Linz und der fünfte deines Korps“, rechnete Alfons Daub hoch. Und von seinem Großvater stammt das Motto, unter dem das Dreigestirn in Lauerstellung die Linzer Jecke durch die Session 2013/14 führen will: „Verjeßt doch de Sorje, verjeßt doch et Leid, un dot üch nur freue, su lang et nur jeit!“ Der in Linz geborene Patrick Stein bringt vom Dreigestirn sicherlich die meiste karnevalistische Erfahrung mit, war der für die Nüssele zuständige Adjutant doch Kinderprinz an der Seite seines Vaters, Prinz Rudi I. „vom Tröötetempel“. Seit 1992 ist „Stone“, so sein Spitzname, Mitglied im Husarencorps Grün-Weiß und wirkt dort in der Männertanzgruppe mit, seit 2006 ist er zudem inaktives Mitglied der Schweren. „Mir sin schon richtig hibbelich. Ich kann et kaum erwarten, bis ich üch nach meiner Proklamation am 16. November im Hotel Weinstock endlich in de Fidelitas führen kann“, so Christian I., der ganz begeistert über das Blitzlichtgewitter beim „Presserummel“ war. Gewundert hatte ihn das jedoch nicht, ist er doch sicher, als Prinz mit den schlanksten Beinen in die Geschichte des Linzer Karnevals einzugehen. Allerdings werde er nicht nur wegen seiner glänzenden Figur in weißen Strumpfhöschen und roten Schuhen von seinem jecken Völkchen auf einer Welle der Begeisterung getragen.
Nädelchen und Orden
„Ich bin stolz, Euer Prinz sein zu dürfen“, dankte er dem Linzer Corps, vor allem natürlich seinen Schweren Kameraden, bevor er seinen Orden und sein Nädelchen vorstellte. Das zeigt ihn wie den Lügenbaron Münchhausen beim Ritt auf einer Kanonenkugel, der Munition der Artilleristen. Auf dem kreisrunden Orden ist der Prinz mit einem Artilleristen zu sehen. Darüber hinaus weist der äußere Schriftzug mit seinem Namen auf das Jubiläum des Korps hin. Künstlerisch umgesetzt wurde diese Idee der neuen Tollität wie auch das Nädelchen von Theo Schmahl, der schon zum 70-Jährigen des Korps die Kölschgläschen der Schweren Artillerie entworfen hatte. Gefahren wird das Dreigestirn, von „einem erfahrenen Bierkutscher und Koch, dessen Statur eher einem Kleinwagen mit Ansatz zum Cabrio entspricht“, so Christian I. über den Chauffeur mit Zweitwohnsitz in Rastingen. Spätestens da war allen im Rittersaal klar, dass kein Geringerer als Ex-Prinz Murmel I. gemeint war. „Ich werde Euch zu all Euren Veranstaltungen kutschieren und auch sicher wieder zu Hause abliefern, wo ich Dir dann aus Deiner Prinzen-Uniform helfen werde, damit Prinzessin Tina nächtens nicht aufstehen muss“, versprach Michael Nietzard. Zunächst aber steht in gut zwei Wochen erst einmal die Proklamation von Christian I. auf dem Programm, bei der die Tollität die lange Tonpfeife der Artilleristen mit dem Narrenzepter austauschen wird. Aber auch ohne diesen Luntenzünder wird der närrische Funke sicher auf sein jeckes Völkchen überspringen, wenn die verdötschten Pointen im Weinstock detonieren. DL
