Allgemeine Berichte | 13.05.2015

Ausstellung wurde in Unkel eröffnet

Die Gefahren für die Demokratie

Objekte und Installationen sind im Gefängnisturm jeden ersten und dritten Sonntag im Monat zu sehen

Vor dem Gefängnisturm als Ort mit hohem Symbolcharakter wurde die Ausstellung eröffnet. DL

Unkel. Der Sabotage durch politische Einmischung, der Behinderung von Ressourcensicherungen und der Geheimdienste durch Unterstützung von Whistleblowern, Feindbegünstigung durch Solidarität mit dem Süden Europas sowie durch Unterstützung von Wirtschaftsflüchtlingen, des Aufrufs zum Widerstand gegen GVO und Saatgutpatentierung sowie gegen Bankenrettung und sozialisierte Schulden, nicht zu vergessen zum Generalstreik gegen Hartz IV und t der Sabotage von „alternativlosen“ Beschlüssen war in Unkel die Demokratie angeklagt. Noch etliche Anklagepunkte mehr hatte das „Ministerium der Justiz des Freien Marktes“ in petto, vorgetragen von Ute Giesen, die auch gleich das Urteil wegen Hochverrats verlas: „Sicherungsverwahrung der Demokratie“ im tiefen Verlies des Unkeler Gefängnisturms, in dem einst Anton Kühlwettter auf seine Hinrichtung gewartet hatte.

„Wenn Sie gleich den Gefängnisturm mit den anderen Exponaten der Ausstellung besichtigen, werden sie tief unten die Demokratie eingekerkert liegen sehen, mit einer 30 Kilogramm schweren Eisenkette am Boden fixiert“, so die Aktionskünstlerin, die zusammen mit Britta Bellin-Schewe, Gabriela Mrozik und Christian Rosenzweig das Projekt „Kunst trifft Politik“ ins Leben gerufen hat. „Das Projekt passt zu Unkel, haben sich hier doch schon immer Künstler wie Politiker heimisch gefühlt“, so Stadtbürgermeister Gerhard Hausen in seiner Begrüßung.

Aufmerksam machen wollen alle vier Künstler darauf, dass die Demokratie in vielen Bereichen gefährdet sei. „In Diktaturen werden Demokraten meist weggesperrt. Von daher bot sich der Gefängnisturm als überaus symbolhafter Ort für unsere Ausstellung geradezu an“, so Ute Giesen. Aber die Künstlerin will mit ihrer Arbeit nicht nur auf Staaten verweisen, in denen man Demokratie erst erkämpften muss. Vielmehr ist die Installation für sie ein Sinnbild dafür, dass auch in Deutschland der Demokratie mehr und mehr die Hände gebunden sind, da das Volk als Souverän meist nicht direkt mitentscheiden könne.

„Mangel an Demokratie bringt unerwünschte Triebe hervor“

NSA und Steuerflucht, Lobbyismus und Aufrüstung, Großkapital und Verblendung hat Christian Rosenzweig die Blätter seines kleinen, verdorrten Baums genannt, der dicht neben dem Verliesschacht steht. „Die Blätter symbolisieren all die unerwünschten Triebe, die ungehemmt ausschlagen, wenn der soziale Aspekt in einer Demokratie vernachlässigt wird“, so der Künstler.

Während die Glaskünstlerin Gabriela Mrozik im Eingangsbereich des Gefängnisturms durch kleinteilige, miteinander durch feinste Drähte verbundene Objekte auf die Gefahren der Datensammlung und einer stetig der zunehmenden elektronischen Vernetzung der demokratischen Gesellschaft hinweist, zeigt sie im ersten Obergeschoss Gläser, die extreme Risse aufweisen und „wie unsere gefährdete Demokratie auseinanderzubrechen drohen“, so Mrozik.

„Wer mit welcher Absicht die Strippen zieht“

Gleich einen ganzen Figurenvorhang hat Britta Bellin-Schewe beigesteuert, den sie „Masse aus Masse“ nennt. „Ich habe die Zahl der Keramikfiguren, deren Gelenke aus Draht bestehen und die sich so von der uniformen, androgynen Schar der übrigen Tonfiguren abheben, von vier auf magische sieben erhöht“, berichtete die Keramikerin. Diese hingen zwar auch an Fäden, aber eben nicht leblos. Als gebrannte Figuren seien sie im Wortsinn durchs Feuer gegangen und könnten wegen der Gelenke agieren. „Wenn sich eine von ihnen bewegt, etwa um demokratisch Rechte einzufordern, verändert sich das Gesamtbild“, so die Künstlerin. Wie im Leben komme es immer darauf an, wer mit welcher Intention die Fäden ziehe, erklärte sie.

Man könne nur hoffen, dass es engagierte Demokraten seien, so Rainer Bohnet vom Bonner Politik-Forum. „Die braucht die Demokratie, um sich immer wieder aus sich selbst heraus zu erneuern und zu festigen“, hob er hervor. Zu sehen sind die Arbeiten im Gefängnisturm an der Rheinpromenade jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr bis einschließlich September.

Vor dem Gefängnisturm als Ort mit hohem Symbolcharakter wurde die Ausstellung eröffnet. Foto: DL

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