„650 Jahre Burg Linz“ und zweite historische Kirchweih
Die „Strünzer“ forderten Revanche von den „Bäckerjungen“
Linz. Bereits zum zweiten Mal in Folge feierte Linz nach „800 Jahr Sankt Martin“ unter dem Motto „650 Jahre Burg Linz“ ein historisches Kirchweihfest. Offiziell eröffnet wurde dieses am frühen Freitagabend mit einem ökumenischen Bitt- und Segensgebet. Zu diesem bat Stadtbürgermeister Hans-Georg Faust die Ratsmitglieder sowie die Mitglieder der drei großen Gemeinden von Linz um Diakon Eberhard Roevenstrunk, Pfarrer Christoph Schwaegermann und den Leiter der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, Joachim Koopmann, in einen achteckig abgesteckten Bereich um die Mariensäule. „Dieser entspricht dem Fundament der 1818 oberflächlich abgetragenen Ratskapelle. In der Kapelle haben die Ratsherren früher vor jeder Bürgermeisterwahl und vor wichtigen Entscheidungen um Gottes Beistand gebeten“, so Faust vor der anschließenden Sondersitzung des Stadtrats.
Linz und der Erzbischof
Zu dieser konnte er zahlreiche Bürger begrüßen, die sich den Vortrag von Stadtarchivarin Andrea Rönz über das Verhältnis der Linzer zu ihren kurfürstlich-erzbischöflichen Landesherren nicht entgehen lassen wollten. Linz, das um 1320 schon zur Stadt erhoben worden sein musste, hatte sich, im Bestreben sich zu emanzipieren, 1349 mit Neuss, Bonn, Ahrweiler und Andernach gegen den Kurfürsten verschworen. Zwar habe der Kölner Erzbischof Engelbert III. der Stadt noch 1364 Freiheiten und Privilegien bestätigt, ein Jahr später habe Linz aber seine „vrevelgheit ind ongehoersamgheit“ bekennen müssen. „In dem Dokument vom Juli 1365 erklärte der Kurfürst nicht nur als Demonstration seiner Macht ‚eyne Burgh zu machen‘, vielmehr ist in diesem Schriftstück auch von ‚seyner Stat zu Lyns‘ die Rede“, hob die Historikerin hervor. Mit der Aufwertung durch die Burg fiel auch die Übertragung des Rheinzolls zusammen, der damit Andernach entzogen wurde. Über viereinhalb Jahrhunderte sollte der Zoll der Stadt erhalten bleiben.
Historische Rivalitäten
An die Rivalität mit dem linksrheinischen Nachbarn und die Bäckerjungensage erinnerten auch die beiden Bienenkörbe, die am Sonntagmittag nahe dem Rheintor, an dem die Linzer Stadtsoldaten um Kommandant Markus Paffhausen samt ihrem Musikzug Quartier bezogen hatten, standen. „Wir haben gehört, dass die Andernacher übersetzen und unser Kirchweihfest nutzen wollen, um die Linzer Burg anzugreifen“, ging das Gerücht. Das aber konnte das Stadtoberhaupt schnell entkräften. „Wir werden mit den Andernacher Stadtsoldaten um ihren Kommandanten Heribert ‚Molly‘ Zins die alte Fehde ganz unblutig beenden. Es stimmt zwar, dass diese mit einem Sturmboot hier aufkreuzen werden“, gestand Hans Georg Faust ein. Dem Sturm über die gesperrte Bundesstraße würden die Linzer Kräfte sicher erfolgreich verhindern.
Angriff von der linken Rheinseite
Und schon pfiff Adjutant Michael Degen die Truppe zusammen, die erst wenige Minuten zuvor an der Vereidigung von Svenja Müller mit Schwur auf die Corpsfahne teilgenommen und damit ihr neues Funkenmariechen an der Seite von Tanzoffizier Sebastian „Mesi“ Mesenholl begrüßt hatte. Mit Pauken und Trompeten ging es an den Fähranleger, und schon waren laute Böller von der anderen Rheinseite zu hören. Glücklicherweise hatten aber die Linzer Stadtsoldaten vorgesorgt und die Schwere Artillerie um Christian Siebertz alarmiert, die prompt mit ihrer Kanone anrückte. Von diesem schweren Geschütz überrascht, drehten die Andernacher kurz vor dem Fähranleger bei und steuerten mit ihrer „Sankt Martin“ eine andere, weit entfernte Landestelle an. Damit zwangen sie die Linzer Verteidiger bei fast schon sengender Hitze zu einem längeren Eilmarsch. Allerdings war der Zorn über diese Anstrengung schnell verraucht, war Heribert Zins doch nicht nur von Regimentstochter Marijke Lahnstein, sondern etlichen anderen weiblichen Kräften über den Rhein begleitet worden. Und so zogen die beiden Trupps, rut-wiess und rut-jääl, unter der Bahnüberführung hindurch über den Burgplatz und vom Rheintor an das Gestade.
Zur Eröffnung der Kirchweih mit einem Bitt- und Segensgebet hatte der Stadtbürgermeister an die Mariensäule geladen
