Bad Honnefer Antikmarkt
Ein El Dorado für Freunde von Altertümchen
Die Reduzierung auf den Samstag durch den Centrum-Verein erwies sich als richtiger Schritt
Bad Honnef. In ein El Dorado für Freunde kostbarer Antiquitäten und nostalgischer Kuriositäten hatte sich ein Teil der Bad Honnefer Fußgängerzone verwandelt. Der Verein Centrum hatte wieder zum Antikmarkt eingeladen, allerdings nicht nur mit einer terminlichen Begrenzung vom gesamten Wochenende wie im Vorjahr auf eben den Samstag von 10 bis 18 Uhr, an dem über 60 Händler ebenso ihre Stände öffneten wie die Einzelhändler ihre Geschäfte.
Auch räumlich beschränkte sich die Fläche dieses Mal ohne Einbeziehung der Bahnhofstraße wie noch im Herbst dieses Mal vom nördlichen Eingang der Fußgängerzone über den Markt bis hinauf auf den Kirchplatz. Das hielt die örtlichen Fachgeschäfte jedoch nicht ab, sich getreu ihres selbstgewählten Mottos „Bad Honnef - starke Einkaufsstadt im Rheinland“ zu präsentieren. Und da der Wettergott mit strahlendem Sonnenschein mitspielte, der die an sich nicht gerade sommerlichen Temperaturen vergessen machte, hatten auch die Cafés und Restaurant wie auch die mobilen Verköstigungsstände drinnen wie draußen alle Hände voll zu tun, die begeisterten Antikmarkt-Besucher bei Kräften zu halten.
„Die Rhein-Antik-Chefin Nadja Engels konnte erneut viele Händler gewinnen, die für ein breites Spektrum sorgen“, freute sich der ausrichtende Verein. So konnten sich Liebhaber alter Bücher direkt in Plutarchs Biografien oder in die Arbeiten von Kirchenvater Tertullian in einer Ausgabe von 1701 vertiefen, etwa Boccaccios Werke samt dem „Decamerone“ oder „Der Nibelungen Noth“ studieren. Nicht weit davon entfernt warteten zahlreiche Porzellanköpfe, verschiedenfarbige kleine Knöpfchen und Bordüren, Minischühchen und ein Buch über „Poppekleetjes“ auf Puppenfreunde.
Geschliffene Gläser und edle Römer, altes Essgeschirr mit passenden Terrinen, Silberbestecke sowie Schmuck mit Perlen und Bernstein, Bett- und Tischwäsche, glitzernde Samoware, hohe Porzellanvasen und ausladende Kerzenständer wurden auf dem Antikmarkt neben Blechspielzeug, Grammophonen und Radios, Lampen und Münzen, angeboten. Natürlich durften auch die obligatorischen Zinkwannen und -eimer nicht fehlen ebenso wenig wie alte Kaffeemühlen in allen Größen.
Die entsprechenden Bohnen lieferte zu Urgroßmutters Zeiten die Dampfbrennerei „Zunzt Selige Witwe“, wie ein großes Email-Schild an dem Stand in der Nähe von Sankt Johann Baptist verriet, an dem es auch Riesendosen gab, die früher voller Hustelinchen und Malzzucker oder Lebkuchen gewesen waren, in denen aber auch der Mottentod „Delicia“ angeboten worden war. Sogar ein lebensgroßes Pferd, je auch Schafe und Lämmer waren nahe der Sakristei zu bewundern, an der auch ein großer Garten-Kuppelpavillon aufgebaut war.
„Kennedy erschossen“ titelte die Bildzeitung am Sonnabend 23. November 1963 einen Tag nach dem Attentat in Dallas. Nicht nur daran erinnerte der Zeitungsstand am Fuße des Marktplatzes, an dem der Besucher den junge Fidel Castro, Ludwig Erhard oder Marilyn Monroe in Spiegelausgaben gegenüberstand, wenn er nicht lieber in den Ausgaben der „Illustrierten Zeitung“ von 1918-94 blättern wollte oder „Yeah, Yeah“ den Beatles in alten Bravo-Ausgaben von 1964 seine Reverenz erwies.
