Unkel öffnete am Tag des offenen Denkmals seinen ehemaligen Luftschutzkeller
Ein Stück Geschichte erfahren
Stadtarchivar Wilfried Meitzner und Rudolf Vollmer übernahmen die Führungen
Unkel. Eine Einstellspritze stand zur Freude vor allem der jüngeren Besucher am Hintereingang des Unkeler Rathauses. Rudolf Vollmer demonstrierte den Gästen wie diese funkionierte.
Anlass für diese Demonstration war der 21. Tag des offenen Denkmals, für den die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Bonn „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale“ als Motto ausgegeben hatte. Und dieses traf nicht nur nach Ansicht des Unkeler Geschichtsvereins hundertprozentig auf den ehemaligen Luftschutzkeller im Rathaus zu.
Bedrückendes Erlebnis
Stellwände informierten im Ratssaal über das damalige Luftschutzgesetz. Rudolf Vollmer übernahm zusammen mit seinem Nachfolger, Stadtarchivar Wilfried Meitzner, die Führungen an diesem Tag. Interessantes hatten beide zu berichten. Besonders interessant waren die Erklärungen von Rudolf Vollmer zu einer Uniformjacke des KZ-Sträflings Nummer 42825.
Das „P“ auf der Jacke zeige, dass er ein sogenannter „Politischer“ gewesen war, das „F“ auf dem rechten Ärmel sowie die schmaleren Streifen der Uniform belege, dass er zu einem der Himmelfahrtskommandos gehört hatte, die Blindgänger suchen und entschärfen mussten.
Die steile Treppe hinunter ging es dann in den Luftschutzkeller.
Direkt am Eingang lagen neben einem Telefon der Luftschutzhelm und die Gasmaske. Natürlich gehörten auch gefüllte Wassereimer neben einer Sandkiste und einer Einstellspritze zum Inventar, ebenso wie eine Hausapotheke, die im Unkeler Luftschutzkeller wieder mit allem ungenutzten Zubehör komplett vorhanden war. 20 bis 40 Personen hätten manchmal stundenlang auf schmalen Bänken im Luftschutzkeller gesessen.
Entsprechend standen weiß-emailierte Eimer zur Verrichtung der Notdurft, aber auch Waschschüsseln im Luftschutzkeller.
„Interessant ist auch das kleine Köfferchen auf der anderen Seite. So einen hatte jeder neben der Haus- oder Wohnungstür stehen, um wenigstens die wichtigsten Dokumente mit in den Luftschutzkeller nehmen zu können“, berichtete Wilfried Meitzner abschließend, bevor die Besucher den bedrückenden Ort wieder verließen.
Vor allem die jungen Gäste hatten Spaß mit der Einstellspritze.
Die Tür zu dem alten Luftschutzkeller unter dem Sitzungssaal des Rathauses hatte der Unkeler Geschichtsverein am Tag des offenen Denkmals geöffnet.Fotos: DL
