„Fußball international“ auf dem Sportplatz in Unkel
Ein sportlicher Beitrag zur Integration
Nina Thyssen und Martin Diedenhofen organisierten ein Turnier für Asylbewerber und Einheimische
Unkel. „Fußball international“ hatten Nina Thyssen und Martin Diedenhofen das Turnier überschrieben, zu dem sie in Kooperation mit der Kontaktgruppe „Asyl“ auf den Unkeler Sportplatz eingeladen hatten. „Durch das Turnier mit gemischten Mannschaften wollen wir junge Flüchtlinge aus der Verbandsgemeinde und interessierte Jugendliche aus der Region zusammenbringen und ihnen so ermöglichen, über den gemeinsamen Sport Hemmungen zu überwinden, sodass sie ins Gespräch kommen und sich etwa näher kennenlernen“, erklärte die Organisatorin, die selbst aktiv in der Rheinbreitbacher Damenmannschaft Fußball spielt, während ihr Freund zur 1. Mannschaft des FV Erpel zählt. Über Facebook hatten die beiden Interessenten geworben, nachdem sie von Manuela Pangels, der Koordinatorin des Unkeler Willkommenscafés in Bruchhausen, erfahren hatten, dass dort rund zehn junge Asylanten Fußball spielen. „Außerdem wussten wir von Dieter Wallek, dem Vorsitzenden des SV Unkel, dass einige junge Asylanten schon in seinem Verein in der 1. Mannschaft spielen“, so Martin Diedenhofen. Daher sei es naheliegend gewesen, über den Fußball-Sport neue Kontakte herzustellen, zumal die Organisatoren des Willkommenscafés sofort von der Turnier-Idee begeistert gewesen seien, ergänzte er, während sich die ersten Spieler bereits auf dem Platz warmliefen.
Bürgermeister Fehr lobt das Engagement der Bürger
„Über kein anderes Thema wird zurzeit in Deutschland so viel berichtet wie über die stetig steigenden Zahlen der Flüchtlinge, die oft ein tödliches Risiko eingegangen sind, um sich und ihrer Familien in Sicherheit zu bringen“, erklärte Verbandsgemeindebürgermeister Karsten Fehr, der mit Andreas Nagel, der in der VG-Verwaltung für die Betreuung der Asylbewerber zuständig ist, nach Unkel gekommen war. „Die ursprüngliche Prognose für dieses Jahr lag bei 41 Asylbewerbern, tatsächlich werden aber schon im kommenden Monat 100 Flüchtlinge in unserer VG betreut“, berichtete der Fehr. Ohne die Unterstützung der Bürger sei dies nicht möglich. Diese vermieteten nicht nur der Verwaltung Wohnungen und Häuser, in denen sich Flüchtlinge in direkter Nachbarschaft in die Gesellschaft integrieren könnten. Die Neuankömmlinge erführen auch Nachbarschaftshilfe und könnten etwa im ökumenischen Willkommenscafé mit Koordinatoren in allen vier Gemeinden Kontakte knüpfen. „Auch diese Veranstaltung heute hier auf dem Sportplatz ist ein deutliches Zeichen für das Engagement, mit dem den Asylbewerbern gezeigt wird, dass sie bei uns willkommen sind“, lobte Fehr die Organisatoren des Fußballturniers.
Bei denen hatten sich inzwischen so viele Interessenten gemeldet, darunter auch drei Fußballerinnen, dass sechs Mannschaften gebildet werden konnten. „Dabei treten Asylanten und Einheimische natürlich bunt gemischt in den Teams an“, so Nina Thyssen, während Andreas Nagel als Schiedsrichter bereits das Spiel der „Äpfel“ gegen die „Bananen“ als Schiedsrichter anpfiff. Beobachtet wurden deren Kampf um den Ball nicht nur von den „Pfirsichen“ und „Kirschen“, den „Pampelmusen“ und „Pflaumen“ sowie von anderen fußballinteressierten Zuschauern, sondern auch von Bürgern, die sich in der Asylbewerber-Betreuung engagieren.
Mangelnde Mobilität ist (häufig) ein Problem
„Die Hauptschwierigkeit sind natürlich die mangelnden Sprachkenntnisse. Leider können nicht alle Asylbewerber Englisch sprechen“, berichtete der Unkeler Wolfgang Reimann, der sich als Betreuer engagiert. „Außerdem wäre es sehr hilfreich, wenn den Asylanten wenigstens Fahrräder zu Verfügung stünden, um so das Problem der mangelnden Mobilität zu lindern“, ergänzte er.
Dieses machte sich beim Turnier jedoch nicht bemerkbar. So hatte etwa der Erpeler Koordinator Klaus Schlüter vier junge Asylbewerber zum Sportplatz gefahren, während Manuela Pangels zehn ausländische Kicker und Zuschauer aus Bruchhausen ins Tal transportiert hatte. „Insgesamt haben sich über 15 Flüchtlinge an dem Fußballturnier beteiligt, die Schlachtenbummler aus Syrien, Afghanistan oder anderen Ländern nicht eingerechnet“, berichtete Martin Diedenhofen, während gerade die „Pampelmusen“ das Finale gegen die „Pfirsiche“ bestritten.
Kontakte entstehen trotz Verständigungsschwierigkeiten
„Wir haben aber schon beobachtet, dass während und nach den vorherigen Spielen nicht nur innerhalb der jeweiligen Mannschaften Kontakt aufgenommen wurde. Vielmehr haben sich alle Turnierteilnehmer bemüht, trotz bestehender Verständigungsschwierigkeiten miteinander ins Gespräch zu kommen“, erklärte Nina Thyssen. Die erste Hürde sei damit genommen, und wenn Stadt und FC Unkel weiter mitmachten, könnten noch in diesem Jahr weitere „internationale“ Turniere angepfiffen werden, bei denen es bei allem sportlichen Ehrgeiz in erster Linie um eine ungezwungene Kontaktaufnahme und ein Kennenlernen zum Abbau möglicher Vorurteile gehe, so die beiden Turnierleiter.
Beim Kampf um den konnte ungezwungen Kontakt aufgenommen werden.
