Allgemeine Berichte | 13.08.2014

Erinnerungsabend des Geschichtsvereins Unkel

Ein vielfach ausgezeichneter Autor

Freunde und Weggefährten erinnerten an Leonard Reinirkens, der unlängst 90 Jahre alt geworden wäre

Die Hauptakteure des Abends - neben dem verstorbenen Autor und seinen Werken (v. l.): Dr. Piet Bovy, Hans Diedenhofen und Hans-Jürgen Jakoby.STUHA

Unkel. Es war ein Erinnerungsabend besonderer Güte. Von den vielen Wort- und Musikbeiträgen war das Publikum einfach begeistert nach Einführungsworten des 1. Vorsitzenden des „Geschichtsvereins“, Dr. Piet Bovy, der sich bei den vielen Helfern des Abends, unter anderem bei Heide Lorenz und Maria Vollmer, bedankte. Aufgrund des Umfangs des Programms gab es eine längere Pause mit der Möglichkeit, im Foyer des Rathauses eine köstliche Bowle nach dem Rezept von „Tante Hortense“ - einer Figur von Leonhard Reinirkens - zu probieren. In der Eingangshalle des Verbandsgemeinderathauses waren zudem 15 von Leonhard Reinirkens gemalte Bilder ausgestellt. Neben seinem vielfältigen Wirken, für das er zahlreiche Auszeichnungen erhielt - darunter den Grimme-Preis -, und seinem literarischen Schaffen, für das der Autor auch mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet wurde, versuchte sich der Unkeler Schriftsteller auch im Malen, was ihm sichtlich gut gelang.

Am 7. August wäre der Schriftsteller, der am 23. März 2008 in Unkel starb, 90 Jahre alt geworden. Der Geschichtsverein ist dem Autor für seine langjährige Zusammenarbeit und seine Unterstützung der Vereinsanliegen dankbar. Die Stadt Unkel ehrte ihn 1999 mit der Ehrenbürgerschaft. Im Rahmen der jüngsten „Geburtstagsfeier“ wurde ein Film gezeigt, in dem Reinirkens selbst aus seiner Jugend in Unkel erzählt. Für musikalische Intermezzi sorgte Hans-Jürgen Jakoby mit Liedern zur Gitarre, selbst komponiert nach eigenen Texten. Durch den Abend führte der ehemalige WDR-Redakteur Hans Diedenhofen, ein langjähriger Freund des Schriftstellers.

Als sechsjähriger Junge zog Leonhard mit seiner Mutter von Essen nach Unkel, und die umsichtige Mutter sorgte dafür, dass der Sohn den rheinischen Dialekt erlernte, damit er nicht Außenseiter würde. Er hat diesen Dialekt geliebt und freute sich, wenn er Menschen traf, mit denen er rheinisch sprechen konnte. Unkel blieb Leonhard Reinirkens sein Leben lang treu. Befreundet war er auch mit Stefan Andres, der einige Häuser weiter in Unkel lebte und später in Rom verstarb. Reinirkens war, bedingt durch sein schriftstellerisches Schaffen, aber auch durch seine markante, ausdrucksstarke Stimme, ein gern gesehener Autor in den Hörfunk-Studios des WDR und des SWR. Später kamen TV-Auftritte hinzu, auch mit kurzen Schauspielrollen. Reinirkens war ohne Wenn und Aber das literarische Herz der Rotweinstadt. Er war ein Mann mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, ein Optimist, der seine schriftstellerische Freiheit immer zu schätzen wusste, dabei ungemein belesen. Er besaß eine umfassende Bibliothek mit Tausenden von Büchern.

Nach Kriegsende und Gefangenschaft 1945 begann er ein Studium der Geschichte, Germanistik und Psychologie in Bonn. In den 50er- und 60er-Jahren schrieb er auch für den Schulfunk, danach folgten seine vielen Erzählungen im Hörfunk).

In Unkel hieß er einfach „unser Leo“ mit seiner offenen und liebenswürdigen Art, auf Menschen zuzugehen. Er lieh sein Ohr stets der „Stimme des Volkes“. Er verstand es, Historie des 18. und 19. Jahrhunderts in Romanform zu erzählen, dabei eingebettet in genaue historische Abläufe, oft verbunden mit amourösen Abenteuern der Protagonisten. Leonhard Reinirkens war ein Italien-Liebhaber, aber ebenso glücklich war er, wenn er wieder nach Unkel zurückkehrte. Reinirkens hat sich sehr um Unkel verdient gemacht.

Es war ein besonderer Abend, insbesondere durch die geschilderten persönlichen Erlebnisse von Hans Diedenhofen und die Musik von Hans-Jürgen Jakoby von „Jeu’s Kellerband“. Liebevoller hätte man diesen „literarischen Erinnerungsabend“ kaum gestalten können, und „unser Leo“ hätte sich über diesen Abend bestimmt gefreut.

Im Foyer des Rathauses konnte man den Schriftsteller auch als Maler kennenlernen.

Im Foyer des Rathauses konnte man den Schriftsteller auch als Maler kennenlernen.

Die Hauptakteure des Abends - neben dem verstorbenen Autor und seinen Werken (v. l.): Dr. Piet Bovy, Hans Diedenhofen und Hans-Jürgen Jakoby.Fotos: STUHA

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