Geschichtsverein Unkel lud zu einer Führung für Kinder ein
„Einkaufen wie anno dazumal
Von ehemaligen Geschäften in Scheuren ging es zu Kolonialwarenladen und Waschtag im Römerhof
Unkel. Als drei Scheurener Dorffrauen der Jahrhundertwende empfingen Johanna Knoppik, Esther Kottscheidt und Maria Schenkelberg Kinder aus Unkel auf dem Dorfplatz am Scheurener Dom. Eingeladen zu einer Einkaufstour durch den östlichen Stadtteil hatte die kleinen Gäste der Geschichtsverein zu dem Thema „Scheuren anno dazumal“. Mit dabei war natürlich der gute Geist von Unkel, Unculus, in dessen Rolle wieder Elmar Kanschik geschlüpft war. Der erklärte zunächst seinen Namen der vom Bogen des Rheins, lateinisch Uncus, herrühre. Auch das Wappen bis hin zu den vier Unkelsteinen erklärte er seinen jungen Zuhörern.
Erdbeeren statt Wein
Ganz so weit in die Vergangenheit entführte Maria Schenkelberg die kleinen Historiker nicht. Als Karl Schreiner mit einem alten Holder-Einachser vorfuhr, kam die Ur-Scheurenerin auf eine Einnahmequelle der Region zu sprechen: „In dem sind früher die Erdbeeren, die hier unten im Rheintal den Weinanbau abgelöst hatten, von den Feldern zu den Marmeladenfabriken gefahren worden.“ Dann startete der Hänger mit den Kindern in zwei Fuhren über die steile Josefstraße zur Ortsrundfahrt.
Wieder auf dem Dorfplatz angekommen, übernahm Maria Schenkelberg die Führung. „Hier bei Grete Felsch, gegenüber vom Scheurener Hof, den damals noch der Dublers Hubert betrieben hat, haben wir immer Bonbons gekauft“, erinnerte sie an die 50er-Jahre. „Et Felschs Jriet“ habe auch einen Ziegenbock im Stall gehabt, der so manche Geiß aus der Umgebung beglückt und seiner Besitzerin damit zusätzliche Einnahmen neben dem Verkauf beschert habe. Damit sei es ohnehin nicht mehr so weit her gewesen, nachdem Käthe Mohr Ecke Scheurener und Siebengebirgsstraße ein Lebensmittelgeschäft eröffnet habe, so Schenkelberg.
Vielfältiges Gewerbe
„Wir hatten in Scheuren auch einen Schuster und einen Schneider. Der Johannes Maihl hat die Schuhe für die Jungen mit Nägeln versehen, damit die Sohlen länger hielten“, berichtete die Zeitzeugin aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Vom Josef Siebertz hätten sich Scheurener einkleiden lassen, um bei der Dorfkirmes oder beim Tanz eine gute Figur zu machen. „Wo heute Autos abgestellt werden, war früher ein schöner Park“, so Schenkelberg. Gegenüber habe die Winzerfamilie Nideggen Wein verkauft, bei den Schreiners nebenan habe es Essig und Öl gegeben. „Die hatten auch eine Eismaschine, die immer nur dann angeworfen wurde, wenn man vom Wetter her sicher sein konnte, alles zu verkaufen“, so die Dorfführerin, bevor sie sich dem ehemaligen elterlichen Geschäft zuwandte.
Nach dem Krieg hatte Vater Ferdinand Odenthal als Metzger den Weg in die Selbstständigkeit gewagt und damit den Scheurenern den Weg nach Unkel oder Rheinbreitbach erspart. „Morgens ist mein Vater nach Bruchhausen gefahren und hat dort die Tiere direkt aus dem Stall zum Schlachten abgeholt.“ Durch die schmale Tür zum Innenhof mit dem kleinen Schlachthaus habe ein 20 Zentner schwerer Ochse kaum gepasst, so Maria Schenkelberg. Die Leute hätten damals in der Metzgerei neben Wurst und Aufschnitt überwiegend das gekauft, was zu dem Gemüse gepasst habe, das im eigenen Garten gerade geerntet werden konnte, erzählte sie den Kindern auf dem Weg zum Römerhof. Dort hatte sie in der ehemaligen Remise zusammen mit Johanna Knoppik und Esther Kottscheidt einen Kolonialwarenladen aufgebaut.
Wäschewaschen ohne Strom
Das Wäschewaschen, meist Mitte der Woche, war ohne elektrische Waschmaschinen immer ein Großkampftag. Wer keinen Waschzuber im Keller hatte, von dem sich der heiße, nach Seife riechende Dampf im ganzen Haus verbreitete, musste die Zinkwanne benutzen, die freitags für die ganz Familie beim Baden zum Einsatz kam. Eine solche in kleinerer Version stand auch im Römerhof für die Reinigung der Laken zur Verfügung, die über das Rubbelbrett sauber geschrubbt wurden, um dann, gründlich entseift und ausgewrungen, glatt gezerrt in voller Größe auf der nahen Weise ausgelegt wurden, um in der Sonne nicht nur zu trocknen, sondern vor allem zu bleichen.
Mit der Geschichte von Unkel begann Unculus die Führung durch den Einkaufsort Scheuren. Foto: DL
