Dattenberg feierte das 80. Erntedank- und Winzerfest des Ortes
Farbenfroher Festzug lockte Aberhunderte begeisterte Gäste an
Dattenberg. Mit einem Fackelzug durch den Ort mit den übrigen Ortsvereinen hatte der Dattenberger Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVD) um seinen Vorsitzenden Ralf Michels am späten Freitagnachmittag das 80. Erntedank- und Winzerfest auf dem Marktplatz zusammen mit der Vorjahres-Weinkönigin Anja I., die von gut 36 Vorgängerinnen unterstützt wurde, im Weindorf eröffnet. Anschließend sorgte die Band „impuls“ für Stimmung rund um die Weinstände.
Die waren am Samstag schon ab 14.30 Uhr geöffnet, lange bevor sich das Tambourcorps Erpel und die niederländische Band „Napoleon’s Hijskapel“ mit dem VVD im Weindorf aufmachten, die alte wie auch die neuen Weinkönigin abzuholen. Derweil verkürzte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Leubsdorf den Festgästen die Zeit bis zur Proklamation von Eva I. (Gombert). Nachdem diese von Anja Birrenbach durch die Übergabe des Diadems inthronisiert worden war, reihte sich ihre Vorgängerin bei den Ehrendamen Nicole Gombert, Charlotte Klaus und Cora Upmeier ein, eine Funktion, die Eva I. auch bereits mehrmals inne gehabt hatte.
Zahlreiche Ehrengäste
Dass das Dattenberger Erntedank- und Winzerfest vor allem am Sonntag mit seinem schon legendären Erntedank-Festzug einen Besuch wert ist, hat sich nicht nur in der näheren Umgebung herumgesprochen. Und so wollten sich auch dieses Jahr Aberhunderte Zuschauer diese Attraktion nicht entgehen lassen, darunter viele Ehrengäste. So konnte Bürgermeister Dieter Runkel neben der Landtagsabgeordneten Ellen Demuth und Landrat Rainer Kaul auch Verbandsgemeindebürgermeister Hans-Günter Fischer sowie dessen Vorgänger Klaus Hannuschke begrüßen, richtet der kleine Rheinhöhenort doch mit seinem Winzerfest schon seit Jahren gleichzeitig auch das Erntedankfest für die gesamte Verbandsgemeinde Linz aus. Das da sogar Stadtbürgermeister Gerhard Hausen aus Unkel und Bürgermeisterin Cilly Adenauer aus Erpel angereist waren, versteht sich fast von selbst. Eva I. konnte mit dem Rhöndorfer Winzercorps um Jessica I. und Jacqueline III. aus Bad Hönningen ihre Kolleginnen vom nördlichen Mittelrhein begrüßen. Von der anderen Rheinseite waren aus Walporzheim Danja I., aus Remagen Ronja I. sowie aus Heimersheim Namensvetterin Eva mit ihren Weinprinzessinnen angereist, zu denen sich natürlich die Unkeler Burgundia Johanna I., die Erpeler Weinkönigin Sarah I. samt Bacchus und die Linzer Weinkönigin Lara I. gesellten.
„Im Wein ist vielfältiges Leben: als süße Traube in den Reben, als Most, der wild im Fasse gärt, als Wein der sich zur Ruhe klärt. Und trinkst du diesen edlen Saft, dann spürst du neue Lebenskraft!“ Mit diesem Weinspruch hatte Eva I. bereits am Samstagnachmittag ihre Regentschaft angetreten.
Fantasievolle Zugnummern
Dass dieses Fest-Motto tatsächlich zutraf, wollten die Fußgruppen des Festzugs unter Beweis stellen, indem sie an die Zuschauer weit über 1000 Liter Wein freizügig ausgeschenkten. Die hatten zuvor jedoch noch Kinderweinkönigin Melina I. (Stümper) hochleben lassen, feierte die kleine Majestät doch just an diesem Tag auch ihren Geburtstag. Zusammen mit ihren Ehrendamen Julia Balasius, Eva Schneider und Lara Schönenberg „segelte“ sie mit ihrem Drachenwagen kurze Zeit später hinter der lustigen Spatzenschar aus dem Kindergarten „Rappelkiste“ her, die sich selbst von großen Vogelscheuchen nicht zähmen ließen. Nach ihnen verkündete die Freiwillige Feuerwehr: „Sind die Kartoffeln erst im Keller, kommt der Uhles auf den Teller“, und verteilte von ihrem Festwagen im Backofen gegarten Döppekochen, wie die bekannte Spezialität auch genannt wird.
Erntedank hat Tradition
„Wie vor 80 Jahren“, als das Erntedankfest der Rööpen ins Leben gerufen worden war, zogen Kleinbauern mit ihren voll beladenen Schürreskarren im Festzug mit, während die „Lustigen Landleut’“ zumindest mit ihrem Motivwagen ihrem Namen keine Ehre machte, bedauerten sie doch mit dem „letzten Winzer“, dass nur noch einer „handverlesen“ Trauben zu Wein verarbeitet. Der „Heuernte“ der Dorfgemeinschaft Heeg folgten dann die ehemaligen Dattenberger Weinköniginnen von 1956 bis 2013. „Das Rööpeland macht Wandrer froh, doch unsere Kneipen die han zo!“, verkündete kein Geringerer als „Protokollarius“ Willi Simons lauthals, der als Wanderer am Rheinsteig eingelegt hatte. Die Weinköniginnen von der Ahr bis Rhöndorf waren in ihren beiden Wagen bestens mit Getränken versorgt. Den aktuellen Majestäten folgte die Dattenberger Gold-Weinkönigin aus dem Jahr 1965, Marie Luise Degen (Schneider), die von zahlreichen Familienmitgliedern und Freunden eskortiert wurde. „Rööpe, Kappes, Blattspina machen selbst die Raupe satt. Äpfel, Birnen, Pflaumen schmeicheln ihrem Gaumen“, beschrieben die Rööpe Kicker ihre „Kleine Raupe Nimmersatt“. Die Junggesellen verrieten dagegen: „Ein Fisch zum Wein darf auch mal sein!“
Ob ihre Angler von dem Motivwagen aus aber tatsächlich Fische ködern wollten, oder nicht doch lieber eine niedliche Nixe oder Meerjungfrau an Bord gehievt hätten, sei dahingestellt. Fest im Blick hatten sie jedenfalls die Ehrendamen Anja, Charlotte, Cora und Nicole, die sich vor der großen Kutsche postiert hatten, aus der Eva I. ihr Völkchen strahlend grüßte.
Lustige Drachen begleiteten die Kinderweinkönigin mit ihren Ehrendamen.
Mit von der Partie im Festzug war der letzte Winzer beim Keltern seiner Handlese
