Das Tor zum Tunnel unter der Erpeler Ley wird zur 7. Spielzeit „Die Brücke“ geöffnet
Geschichte kehrte an ihren Schauplatz zurück
Erpel. Am 7. März 1944 um 11 Uhr erreichte eine kleine Vorhut der 9. US Panzerdivision unter Leitung des deutschstämmigen Leutnants Karl Timmermann die völlig intakte Ludendorffbrücke. Um 13.40 Uhr begannen die alliierten Soldaten von der linken Rheinseite aus den Angriff auf den Brückenkopf auf Erpeler Seite. Die Erpeler, die in dem dunklen und feuchten Eisenbahntunnel unter der Erpeler Ley Schutz gesucht hatten, fühlten sich wie in einer Falle. Nach dem Versuch, die Brücke zu sprengen, fehlgeschlagen waren, liefen einige Frauen, begleitet von Willi Feldens, mit weißen Tüchern aus dem Tunnel. Die deutsche Besatzung ergab sich und kam in Kriegsgefangenschaft. Nur Willi Feldens, dem wahrscheinlich seine schwarze Eisenbahneruniform zum Verhängnis geworden war, starb an den Folgen eines Bauchschusses.
Das ist in groben Zügen der Inhalt des Romans „Die Brücke“ von Rolf Palm, der von Walter Ullrich, dem Intendanten der Landesbühne Rheinland-Pfalz, für Aufführungen dramatisiert und 2006 in den Spielplan aufgenommen worden. Am Samstagnachmittag konnte der Vorsitzende des Kunst- und Kulturkreises „ad erpelle“, Edgar Neustein, der dieses Projekt initiiert hatte, neben dem Intendanten sowie dem Geschäftsführer der Landesbühne, Christoph Beck, zahlreiche Zuschauer zur 7. Spielzeit begrüßen. Wie schon seit der Erpeler Premiere diente der feucht-kalte Tunnel als Theaterraum.
„Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg und mit dem Überfall auf Polen vor 75 Jahren der 2. Weltkrieg“, erinnerte Edgar Neustein. Für den 1. Weltkrieg sei die nach General Ludendorff benannte Brücke, die von Erpel nach Remagen über den Rhein führte, als Rüstungsstraße für den Krieg gegen Frankreich gebaut worden. Im 2. Weltkrieg habe sie vor allem dem Rückzug der geschlagenen deutschen Truppen gedient. „Wir wollen, dass es keinen 3. Weltkrieg mehr gibt: Das ist die Botschaft dieses Stückes“, beendete Edgar Neustein seien kurze Begrüßung und machte damit Leutnant Timmermann (Hanno Dinger) Platz, dessen Monolog das Stück einleitet.
Aus dem geht hervor, dass durch Eroberung der Brücke nicht nur der Krieg um gut drei Monate verkürzte worden war. Wäre ihre Sprengung erfolgreich gewesen, wären 1.716 Flugzeuge und 1.350 Lastensegler von 26 Flughäfen gestartet, um 17.000 Soldaten samt Fahrzeugen und Geschützen hinter der deutschen Front rechtsrheinisch abzuladen. Die Amerikaner hätten zudem rechtsrheinisch einen 50 Kilometer lange Streifen am Fluss zwischen Neuwied und Bonn von 8.000 Kampfflugzeugen und 4.000 Kanonen sturmfrei gebombt. Allein in ihrem nur acht Kilometer breiten Angriffstreifen sollten 65.00 Granaten in innerhalb einer Stunde abgeschossen werden.
„Walter Ullrich hat sich um einen hohen Grad an Authentizität bemüht, der auch nicht dadurch beeinträchtigt wird, dass die Soldaten mit Gewehrattrappen auf der Bühne agieren“, berichtet Edgar Neustein. Die Polizei hatte die ursprünglich originalen Waffen aus dem 2. Weltkrieg vor zwei Jahren konfisziert, weil sie nicht unbrauchbar gemacht worden waren. Eine entsprechend sachgerechte Bearbeitung hätte laut Walter Ullrich einige 100 Euro pro Gewehr gekostet, was der Etat der Landesbühne nicht hergegeben hätte.
„Ansonsten kommen bei den Aufführungen aber nur Original-Requisiten zum Einsatz, auch wenn nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass es um eine reine Dokumentation der Ereignisse am 7. März 1944 gehe. Bei aller Realitätsbezogenheit: ‚Die Brücke‘ ist im Sinne der historischen Dramen natürlich Fiktion“, betonte Edgar Neustein.
Nicht die Militärgeschichte stehe im Vordergrund, vielmehr gehe es um die Geschichte der Menschen im Tunnel, Zivilisten wie Soldaten, mit ihren Sehnsüchte und Empfindungen.
Besuchen kann man Aufführungen von „Die Brücke“ im „Theater im Tunnel“ hinter den Brückentürmen an der B 42 noch bis Mitte September mittwochs, donnerstags und freitags ab 19.30 Uhr sowie samstags und sonntags ab 15.30 Uhr. Karten gibt es beim Lotto-Shop-Siebertz in Erpel, Kölner Straße 12, Tel: (0 26 44)80 98 85. Weitere Informationen
unter www.ad.erpelle.de.
