Kabarettist Uli Masuth setzte das Jahresprogramm in der Oberen Burg fort
Gute Nachrichten (?)
In seinem Programm „Und jetzt die gute Nachricht“ konnte er selbst der Ukrainekrise „Positives“ abgewinnen
Rheinbreitbach. „Wir werden ständig überhäuft von schlechten Nachrichten aus der Welt der Kommunalpolitik sowie aus dem sozialen Bereich. Da dürsten Sie sicher nach guten Nachrichten“, mutmaßte Dietmar Ackermann, der Vorsitzende des Förderkreises Obere Burg am Sonntagabend im Veranstaltungssaal des ehrwürdigen Gemäuers. Um diesem Bedürfnis gerecht zu werden, hatte der Verein den Wahl-Thüringer Uli Masuth eingeladen, dessen viertes Kabarett-Soloprogramm „Und jetzt die gute Nachricht“ lautet, auch wenn seine Lieblingsfarbe so schwarz ist wie sein Humor, der oft in Sarkasmus übergeht.
„Bin ich gut zu verstehen? Na da ist das ja schon die erste gute Nachricht heute Abend!“, so der Kabarettist, der sofort die zweite gute Nachricht folgen ließ: „Bei mir lachen sie anders. Ohne Schadenfreude und Reue, dafür aber in Zeiten knapper Ressourcen nachhaltiger, sodass Sie beschwingten Fußes nach Hause gehen werden“, versprach er seinen zahlreichen Zuhörern, um sich zunächst dem Thema Religion zu widmen. Da habe der Bundespräsident doch in seiner inhaltlichen „Märchenonkelhaftigkeit“ erklärt, unter Berufung auf die Religion käme es zu Mord, Krieg und Terror. Das aber sei schon immer, vor allem unter dem Deckmäntelchen der Religion, so gewesen, erinnert Uli Masuth.
Dafür aber konnte er die Burg-Gäste beruhigen: „Einen 3. Weltkrieg wird es nicht geben, da die Bundeswehr nicht über funktionstüchtiges Gerät verfügt!“ Und ohne Deutschland sei ein Weltkrieg ja gar nicht denkbar. Außerdem mache unsere Kanonen-Uschi (von der Leyen) die Bundeswehr, die sogar der Blechbüchsenarmee der Augsburger Puppenkiste unterlegen sei, etwa mit Kriegseinsätzen in Teilzeit familienfreundlich.
Ressourcenmangel der Bundeswehr verhindert WWIII
Angesichts des Zustands des schweren Geräts würden deutsche Waffenexporte der Abwrackprämie gleichen und somit eine „Win-win-Situation“ schaffen, da sich die Bundeswehr so neue Spielsachen kaufen könne. Trotzdem warnte Uli Masuth vor den Briten, „denn die entwickeln kompostierbare Ökowaffen, Hybridpanzer und grüne Munition, die nicht gleich alles kaputtmacht.“ Ihre Kugeln hätten weniger Blei, Granaten würden weniger Rauch produzieren und ihre Sprengsätze seien leiser und sogar wiederverwendbar und all das bei gleichbleibender, aber umweltschonender Tötungsqualität. Nach so schlechten Nachrichten flüchtete Uli Masuth an den Flügel, um mit einem „Gute-Nachrichten-Jingle“ seine Zuhörer wieder aufzurichten.
Weiter ging es querfeldein mit seiner Erklärung der Weltlage. Nur beim Thema Steuerhinterziehung war Uli Masuth etwas vorsichtiger. „Ich weiß ja nicht, wem ich hier im Publikum auf den Schlips trete“, so seine Begründung. Dabei sei Steuerhinterziehung im Grunde nur Notwehr gegen die öffentliche Hand, die sich ständig in die Taschen der einfachen Bürger strecke, da Steueroasen nur den wirklich Reichen Schatten spenden würden.
Politiker bekamen ihr Fett weg
Waren bisher alle Zuhörer mit dem Kabarettisten einer Meinung, so mussten dann doch einige schlucken, als er Angela Merkel als „Grobmechanikerin des Wortes“ bezeichnete, der nach ihrem schnell verheilten Beckenbruch zumindest „der Sprung in der Schüssel“ geblieben sei. Genauso respektlos sah er in Wolfgang Schäuble einen Realitätsverweigerer, weil für ihn Griechenland auf einem guten Weg gewesen sei und das trotz einer Arbeitslosigkeit von 50 Prozent und einem 30-prozentigen Anstieg der Selbstmordrate.
„Es ist schon erstaunlich, dass die faulen Griechen nur einen Tag nach der Wahl eine Regierung auf die Beine gestellt haben, was bei uns 2013 immerhin drei Monate gedauert hat. Und dann will der Wahlsieger auch noch seine Wahlversprechen einhalten, wo doch schon Franz Müntefering beklagt hat, dass es unfair sei, einen Politiker an dessen Einhaltung zu messen“, erinnerte Uli Masuth sarkastisch.
Der Fachkräftemangel, der dann gegeben sei, wenn auf einen Arbeitsplatz nicht drei Bewerber kämen, werde immer größer, eben auch bei den Bundespolitikern. Bei Alexander Dobrindt käme ihm immer der Ausspruch von Mark Twain in den Sinn: „Es ist besser, seinen Mund zu halten und dumm zu erscheinen, als den Mund zu öffnen und jeden Zweifel zu beseitigen!“
Einzige gute Nachricht: „Der Spezialist für Teppich-Importe, Dirk Niebel, ist jetzt Rüstungslobbyist. Das beweist: „Niemand ist vollkommen - nutzlos!“
Ob das die Deutschen jedoch als gute Nachrichten erkennen ist zweifelhaft, sind sie, sieht man von den Gästen des Förderkreises Obere Burg einmal ab, nach Uli Masuths Meinung doch ausgesprochene Miesepeter und Katastrophen-Junkies. „Wissen Sie was der typische Deutsche macht, wenn er Licht am Ende des Tunnels sieht? Er verlängert den Tunnel“, verriet der Kabarettist, um gleich darauf die viel zu fröhliche Nationalhymne in eine passendere, weil trübsinnigere, Moll-Version umzugestalten.
„Ordnung von Gut und Böse“
Dabei kann man doch auch aus der Situation der Ukraine Positives ziehen. „Die NATO steht wieder Seite an Seite gegen Putin und Russland ist wirtschaftlich am Boden“, so der Kabarettist. Endlich gebe es wieder eine Ordnung von Gut und Böse wie in den guten, alten Zeiten. Todeslisten wie Barack Obama dürfte der Wladimir eben nicht führen, weil er ja gar keinen Friedensnobelpreis habe. „Nach der Osterweiterung der NATO rückt Putin jetzt mit dem ‚Heim ins Reich der Krim‘ weiter nach Westen vor. Ob er demnächst auch die ehemalige DDR zurückhaben will?“ Gute oder schlechte Nachrichten waren die amüsierten Zuhörer gefragt, die längst erkannt hatten, dass gute Nachrichten meist eine äußerst zweischneidige Sache sind.
