Heimatverein Rheinbreitbach:
Heimatgeschichtlicher Vortrag: „Im Dornröschenschlaf“
Altes Fachwerk in Rheinbreitbach: Erhalten - Sanieren - Renovieren
Rheinbreitbach. Trotz sommerlicher Hitze hatte sich eine große Anzahl interessierter Gäste im Burghotel zum Vortrag eingefunden. Der Heimatverein hatte ein Thema aufgegriffen, das offenbar vielen am Herzen lag. Besonders jüngere Fachwerkhaus-Besitzer erhofften sich von der Veranstaltung wertvolle Tipps, und sie wurden nicht enttäuscht. Thomas Napp, Archivar des Vereins, zeigte in einer Bild-Präsentation beispielhaft Fotos gelungener Renovierungen aus dem Ort, so genannte „Breitbacher Perlen“. Dem folgten Häuser, die als „verlorene Schätze“ nur noch in alten Bild-Dokumentationen zu finden waren. Aber es ging auch darum, die noch „schlafenden Prinzessinnen“ aufzuspüren und die Besitzer zur Restaurierung anzuregen. Napp hatte bei seinen Streifzügen durch den Ort und durch das Archiv noch circa 40 bis 50 Objekte entdeckt, bei denen sich eine Restaurierung lohnen würde.
Konstruktion von Fachwerkhäusern
Architekt Volker Jagau erklärte anschließend die Konstruktion von Fachwerkhäusern in der üblichen Skelettbauweise aus Holständern mit Lehmgefachen. Die meisten Häuser wurden früher im Eigenbau fertiggestellt. Holz und Lehm waren vorhanden oder günstig zu erwerben und das handwerkliche Bau-Wissen existierte noch in der Bevölkerung. Viele spätere Baufehler entstanden, weil diese Kenntnisse verloren gingen. So sollte zum Beispiel eine Gefach-Füllung nicht vor das Holz vor- oder zurückspringen, da sonst Regenwasser eindringen kann. Die Gefache müssen plan mit den Balken verbaut sein. Nur so sind sie optimal und auf Dauer gegen Feuchtigkeit geschützt. Auch die beliebte farbig abgesetzte Fensterumrandung bei Fachwerkhäusern ist ungünstig, da Wasser hinter die Einfassung laufen kann. Schlimm ist nicht, dass Wasser eindringen kann, schlimm ist, dass es durch unsachgemäßes Abdichten nicht mehr ablaufen kann.
Thema Isolieren und Dämmen
Zum Thema Isolieren und Dämmen konnte Dr. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher wertvolle Hinweise geben. Beim Fachwerkhaus verbietet sich eine Außendämmung von selbst. Sie würde das ausgewogene Verhältnis von Holz und Gefachen in der Außenfassade zum Erliegen bringen. Fachwerk braucht Licht und Luft. Hier empfiehlt sich die früher durchaus gebräuchliche Innendämmung zum Energiesparen. Entgegen der landläufigen Meinung hat diese zahlreiche Vorteile: man braucht kein Gerüst und keine Genehmigung, man kann sich Raum für Raum vornehmen und die Arbeiten auch selber mit Dämmplatten ausführen. Dr. Aribert Peters verwies die beschworenen Feuchtigkeitsschäden bei der Innendämmung in den Bereich der Baumythen. Durch Innendämmung lässt sich ähnlich viel Energie einsparen wie durch eine Außendämmung.
Zum Schluss gab Philipp Messingfeld, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, eine eindrucksvolle und mit Fotos belegte Schilderung seiner Erfahrungen beim Restaurieren seines Hauses, bei der auch der Humor nicht zu kurz kam. Die Liebe zum Alten und der Wunsch zum Erhalten wurden in der siebenjährigen Bauzeit oft auf die Probe gestellt. Der Bauherr scheute sich nicht, selbst Hand an zu legen und kam dabei manchmal an die Grenzen seiner Geduld und der Machbarkeit. Kompromisse mussten gefunden werden. Hierbei waren die Verhandlungen mit dem Denkmalschutz ein weiteres Problemfeld, das sorgsam und mit Geschick gemeistert werden musste. Haben sich der Einsatz und der Aufwand gelohnt? Am Ende hatte „Prinz Messingfeld“ sein „Fachwerk-Dornröschen“ mit Erfolg wach geküsst und konnte zufrieden und mit Stolz auf sein Werk blicken.
